Aalener Citybewohner klagen über laute Bässe und Scherben

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Abends gegen 21 Uhr am Storchenplatz. Gerade hat die "Unbelehrbar" (links im blauen Licht) geöffnet. Noch ist es ruhig draußen vor der Bar.
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Erneut Klagen über Verschmutzung und nächtliche Lärmbelästigung ausgehend von einer Bar in der Innenstadt. Diesmal am Storchenplatz.

Aalen. Laute Techno-Beats, die nach draußen in die Nacht dringen, zerdepperte Flaschen und Cocktailgläser vor der Haustür, Partygäste, die sich vor Morgendämmerung lautstark unter Schlafzimmerfenstern unterhalten: Die Klagen von Aalener Innenstadtbewohnern über Verschmutzung und nächtliche Lärmbelästigung ausgehend von Bars und Kneipen mehren sich. Aktueller Hotspot scheint diesmal die Storchenstraße zu sein, konkret geht es um die neue Bar „Unbelehrbar“.

Für die beiden Betreiber der Bar, Daniel Kohler und Marvin Ziegler (beide 23), läuft es gut. Irgendwann im späten Frühjahr dieses Jahres haben sie die Bar eröffnet. Geöffnet ist sie ausschließlich freitags und samstags, von 21 bis 5 Uhr. Das Publikum ist jung: „Hauptsächlich Studenten“, sagt Kohler. Aalen wolle schließlich jünger und moderner werden. Und da biete es sich an, in der Studentenstadt etwas für diese Zielgruppe anzubieten. Eine Bar mit Clubatmosphäre. Auf den sozialen Medien zeigt „Unbelehrbar“ eine Videoszene von jungen Menschen, die zu wummernden Beats feiern.

Das Problem der Anwohner: Das Problem indes tritt außerhalb auf - bis in die frühen Morgenstunden. Das schildert eine direkte Anwohnerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. „Ständig wird die Tür der Bar aufgestoßen, und jedes Mal schwappt laute Musik nach draußen. Junge Menschen gehen raus, bleiben mit einem Getränk in der Hand vor der Tür stehen, unterhalten sich, lachen lautstark. Wir haben die ganze Nacht Theater. Im Sommer können wir kein Fenster öffnen.“

Hinterlassenschaften der Partygäste: Direkt betroffen ist auch die Inhaberin eines Ladengeschäfts. „Ich schäme mich wirklich“, sagt sie. „Meine Kunden sprechen mich schon darauf an.“ Was sie meint, sind die Hinterlassenschaften der nächtlichen Partygäste: Zigarettenkippen, Scherben von zerbrochenen Cocktailgläsern und Flaschen muss sie aus den Blumenkübeln vor dem Haus fischen und vor der Ladentür wegkehren. „Es ist ein asoziales Eck geworden hier. Ich habe den Betreibern der Bar schon ins Gewissen geredet - geholfen hat es nichts.“

Beschwerden beim städtischen Ordnungsamt: Bereits Anfang Juni dieses Jahres hat sich ein Nachbar im Namen der Anwohnerschaft Storchenstraße an das städtische Ordnungsamt gewendet, wegen „massiver nächtlicher Ruhestörung“. „Die gesamte Nacht durch stehen unterschiedliche Menschengruppen vor dem Eingang, ihre Gespräche hallen laut zwischen den Hauswänden.“ Bisweilen gebe es auch lautstark Auseinandersetzungen. Taxis fahren vor, bringen neue Gäste, fahren teils hupend wieder weg. „An Schlaf ist nicht zu denken.“

Wie der Anwohner sagt, habe das städtische Ordnungsamt daraufhin zugesagt, die angesprochenen ordnungsrechtlichen Probleme zu überprüfen. Doch an der Situation habe sich nichts geändert. Deshalb hat der Anwohner im Juli erneut ans städtische Ordnungsamt geschrieben. „Denn ich sehe die Stadt in der Pflicht, mit regelmäßigen Kontrollen dafür zu sorgen, dass die Gaststättenregeln eingehalten werden.“ Eine Antwort der Stadt blieb seither aus, sagt er.

Das sagt die Polizei: Wie Polizeisprecher Holger Bienert sagt, sei die „Unbelehrbar“ beim Polizeirevier bekannt. „Vereinzelt gab es da Mitteilungen von Ruhestörungen.“ Auch die Stadtverwaltung habe deswegen schon Kontakt mit der Polizei aufgenommen mit der Bitte, über entsprechende Vorkommnisse zu berichten. „Es sind im Grunde nur Ruhestörungen dokumentiert“, betont Bienert.

Hintergrund: Der Dienstplan des städtischen Gemeindevollzugsdienstes sieht Kontrollen nach Mitternacht nicht mehr vor. Wie Ordnungsbürgermeister Karl-Heinz Ehrmann in einem vergleichbaren Fall einmal gesagt hat, seien Kontrollen um diese Uhrzeit Aufgabe der Polizei - soweit Streifen zur Verfügung stehen.

Das sagt die Stadtverwaltung: Die Kontrollen seien intensiviert worden und die Betreiber der Bar seien hingewiesen worden auf die Einleitung von Bußgeldverfahren hingewiesen worden. Das Gesetz sehe aber auch weitere Maßnahmen vor. „Das kann bis zum Entzug der Gaststättenerlaubnis gehen“, heißt es seitens der Stadtverwaltung. Wer aber nun nach Mitternacht konkret kontrolliert, dazu möchte die Stadt aus „ermittlungstaktischen Gründen“ nichts sagen. Nur so viel: „Entsprechende Maßnahmen sind eingeleitet.“ Die Zustände vor Ort seien bekannt und die Beschwerden der Anwohner berechtigt.

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Was nach 24 Uhr zu beachten ist

Auch in der Helferstraße ist es bereits mehrfach zu Konflikten von Anwohnern und feiernden Kneipenbesuchern gekommen. Stadt und Citymanagement hatten daraufhin Gastronomen und Polizei zu einem Runden Tisch eingeladen. Man einigte sich, dass Kneipen, Bars und Cafés künftig darauf achten, dass nach 24 Uhr keine Getränke mehr im Freien konsumiert und auch nicht nach draußen mitgenommen werden. Und die Musik auf Zimmerlautstärke gedrosselt wird. Die Stadtverwaltung weist darauf hin, dass dieses Regeln für alle Gastronomiebetriebe der Stadt gelten, nicht nur für das Kneipenviertel in der Helferstraße.

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