Aalener Rat ist gegen Essinger Pläne, stimmt aber zu

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Geplantes Gewerbegebiet Streichhoffeld West Essingen
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Das Gewerbegebiet Streichhoffeld in Essingen soll im Westen erweitert werden.

Aalen. Nicht gerade begeistert hat sich der Aalener Gemeinderat über Essinger Pläne gezeigt. Die Firma Gabo Stahl, im Jahr 1991 als Scholz Edelstahl gegründet, mietet derzeit Gebäude im Gewerbegebiet Streichhoffeld. Um sich zu erweitern, sucht das Unternehmen nun eine eigene Fläche. Auf rund sechs Hektar will Gabo Stahl eine Produktions- und Lagerhalle und Büros bauen. Die Gemeinde Essingen möchte dafür das Gewerbegebiet erweitern unter dem Namen „Streichhoffeld West“. Essingen ist dazu bereits ins Bebauungsplanverfahren eingestiegen. Aber auch der Flächennutzungsplan müsste geändert werden, bevor das Gebiet ausgewiesen werden kann. Und über den Flächennutzungsplan entscheidet die Verwaltungsgemeinschaft, zu der Aalen, Essingen und Hüttlingen gehören.

„Dem Vorhaben kann man druchaus kritisch gegenüberstehen“, sagte Oberbürgermeister Frederick Brütting im Aalener Gemeinderat. Zum Beispiel, was den Flächenverbrauch anbelange. Aber die Übereinkunft in der Verwaltungsgemeinschaft sei, dass man Projekte gegenseitig nicht blockiere. Die Grünen-Fraktion blieb davon unbeeindruckt. Sandra Bretzger sorgte sich um das Habitat für die Gelbbauchunke. In dem Bereich sei außerdem ein Landschaftsschutzgebiet angedacht. Weiter sei das Gebiet eine wichtige Kaltluftschneise. „Wir können nicht zustimmen“, sagt Bretzger abschließend.

„Die Sorgen treiben auch uns um“, sagte CDU-FraktionschefThomas Wagenblast. Doch es gebe klare Verfahren. Er sprach sich dafür aus, das Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplans zu eröffnen und abzuwarten, was die Träger öffentlicher Belange zum Thema Naturschutz sagen. Wagenblast warnte den Rat ausdrücklich davor, das Vorhaben abzulehnen. „Wir sind bei unseren Vorhaben auch auf Zustimmung angewiesen.“

Helmut Gentner(SPD) teilt die Sorgen der Grünen-Fraktion, hofft aber auf die zuständigen Fachämter, die am Verfahren beteiligt sind. Für seine Fraktion signalisierte er Zustimmung.

AuchJürgen Opferkuch (Freie Wähler) hat Bauchweh. Die Therapie dagegen sei, den Aufstellungsbeschluss für die Änderung des Flächennutzungsplans zu fassen und die Verantwortung an die Gemeinde Essingen zurückzugeben. Dr. Frank Gläser (AfD) sagte, dass er eigentlich keine Einwände gehabt habe, nun aber von den Argumenten der Grünen bewegt worden sei. Er fragte, ob nicht ein Kompromiss möglich sei.Inge Birkhold (Zählgemeinschaft) fragte, ob es nicht eine alternative, weniger schützenswerte, Fläche für das Unternehmen gebe. Zum Beispiel im Gewerbegebiet Dauerwang. Im Dialog zwischen den Kommunen soll das erarbeitet werden, findet sie.

Dr. Philipp Frank (FDP/FW) findet, dass sich die Gemeinde Essingen zum Gewerbegebiet eigene Gedanken gemacht hat. „Dem sollten wir vertrauen und das respektieren.“

Das Gewerbegebiet sollte man verhindern, findet Christa Klink (Die Linke). Schon die Zustimmung zum Aufstellungsbeschluss sei ein falsches Signal. Norbert Rehm (Aktive Bürger) findet: Zuzustimmen und zu hoffen, dass andere ablehnen, sei nicht das richtige Vorgehen. In diesem Fall sieht er zwar keine Alternative, künftig solle man einen anderen Weg suchen. „Man sagt ja und dann geht man wieder“, beschrieb er den gemeinsamen Ausschuss der Verwaltungsgemeinschaft. Das sei zu wenig. Besser sei es, gemeinsam zu diskutieren, wie man die Gemeinschaft nach vorne bringen kann.

Der OB antwortete, dass er es aus der Verwaltungsgemeinschaft Rosenstein anders gewohnt sei. Dort werde auch mal konstruktiv diskutiert. Brütting möchte das in der kommenden Sitzung des Ausschusses der Verwaltungsgemeinschaft ansprechen. Am Ende stimmten 26 Rätinnen und Räte für die Änderung des Flächennutzungsplans, zwölf dagegen, Birkhold enthielt sich. 

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Wie es weitergeht

Der Ausschuss der Verwaltungsgemeinschaft entscheidet am Dienstag, 26. Juli, ab 13 Uhr im Aalener Rathaus, ob der Aufstellungsbeschluss für die Änderung des Flächennutzungsplans gefasst wird. Das wäre erst der Beginn eines mehrstufigen Verfahrens. Im Verfahren geben Träger öffentlicher Belange, wie zum Beispiel die Untere Naturschutzbehörde, Stellungnahmen ab. Auch Bürgerinnen und Bürger können sich einbringen. Der Ausschuss wägt sie Stellungnahmen ab und entscheidet, ob der Flächennutzungsplan geändert wird. ⋌ks

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