Aalenerin betreut Fans bei der Weltmeisterschaft in Katar

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Jana Sauter: Die Aalenerin in der Umkleide des Al Janoub Stadions in Katar. In diesem Stadion könnte ein Achtelfinale mit deutscher Beteiligung stattfinden, falls Deutschland Gruppenerster wird.
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Jana Sauter (24): in Doha im Einsatz für eine der größten Sportmarketing-Agenturen Europas. Wie sie den WM-Wochen entgegenfiebert.

Aalen/Doha

Sonne pur, 37 Grad im Schatten, das Apartment klimatisiert, Fitnessstudio, Sauna und die Faszination Wüste. Tief im Süden ist Jana Sauter, doch nicht im Urlaub. Die Aalenerin arbeitet bei der Fußballweltmeisterschaft in Katar, betreut dort WM-Gäste - VIPs und weniger bekannte Menschen. Kein alltäglicher Job für eine 24-Jährige. Dabei ist sie in diesem Metier durchaus erfahren.

Jana Sauter arbeitet für „Sportfive“, eine der größten Sportmarketing-Agenturen Europas mit Standorten rund um den Globus. Sportfive vermarktet unter anderem Bundesliga-Vereine, fungiert aber auch als Dienstleister, zum Beispiel für Reise- und Gästeprogramme bei großen Sportveranstaltungen der FIFA und UEFA. In diesem Fall hat ein namhafter WM-Sponsor, dessen Name nicht öffentlich werden soll, über den Zeitraum der WM verteilt insgesamt 3500 Gäste nach Katar eingeladen.

Jana Sauter und ihr Team haben die Aufgabe, vor Ort für den Transport dieses Besucherkontingents zu sorgen: für sämtliche Transfers von und zum Hotel, Flughafen, zu den Stadien und zu Aktivitäten wie zum Beispiel der Besuch eines Wüstencamps. „Die Herausforderung ist, dass alle rechtzeitig da sind, wo sie sein sollen, und pünktlich wieder von dort wegkommen. Der größte Transfer sind zeitgleich 400 bis 500 Leute.“ Und zwar in Autos, manchmal auch Luxus-Limousinen, Minibussen, großen Bussen. „Wir arbeiten mit einem lokalen Transportunternehmen zusammen und haben Fahrzeuge gemietet für den kompletten Zeitraum“, erzählt Sauter.

Namhafte Gäste

Und wer sind die Gäste, die da eingeflogen werden? Namen darf sie nicht ausplaudern, so Sauter, aber es seien unter anderem „Fußball-Legenden dabei, die als Markenbotschafter agieren, aber auch VIPS wie wichtige Geschäftsleute oder kleine Gruppen, die die Reise zur WM und einen Stadion-Besuch im Preisrätsel gewonnen haben“.

Sie selbst hat, wie ihre Kolleginnen und Kollegen vor Ort, Zugangsberechtigung zu allen WM-Stadien und damit auch zu allen Spielen. Die Deutschland-Spiele anzuschauen, „vor allem das zweite Vorrundenspiel gegen Spanien, das wäre ganz cool“. Ob es klappt, ist offen, hängt ganz von ihrem Job ab. „Das ist kein Nine-to-five-Job, wir müssen flexibel sein, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche muss immer mindestens einer da sein.“

Immer Ruhe bewahren

Ausdauer, Disziplin, Nerven bewahren und auch improvisieren, wenn es mal irgendwo klemmt – Jana Sauter hat dies schon einmal für ihre Agentur bewiesen: 2021, da war sie als damalige Sportmanagement-Studentin noch im Praktikum, durfte sie im Gäste- und Eventmanagement von „Sportfive“ bei der „EURO“ in München aktiv sein. Und punktete offenbar auf Anhieb, so dass ihr die Agentur am Ende ihres Studiums den festen Vertrag am Standort Berlin anbot.

Von der Alb nach Berlin

Seit Februar wohnt die ehemalige THG-Abiturientin nun in der Hauptstadt und hat ihren Traum-Job gefunden. Die Organisation von Sport-Großveranstaltungen habe sie schon immer interessiert, „ich wollte wissen, wie das hinter den Kulissen funktioniert“. Dafür hat sie nach 21 aktiven Jahren im Freizeitsport, davon die letzten fünf als Torjägerin der SG Hofen/Hüttlingen, die Handballschuhe an den Nagel gehängt. Probierte dafür Fußball aus, zunächst, und seit dem Sommer spielt sie Golf. Frische Luft, flexible Termine, „das lässt sich gut mit der Arbeit vereinbaren“.

In Katar ist jetzt dafür keine Zeit. Noch immer treffen Mitarbeitende ihres Teams ein, und am Sonntag wird es ernst. „Alle sitzen ein bisschen auf heißen Kohlen, es ist eine Mischung aus positiver Aufregung und Nervosität. Man möchte das Ergebnis seiner Arbeit sehen und dass am Ende hoffentlich alles klappt.“

Die Sache mit der Infrastruktur

Fünf der acht nagelneuen Fußballstadien hat sie schon gesehen, am beeindruckendsten fand sie das „974-Stadion“, konstruiert aus genau 974 Übersee-Containern. Dass die Arenen klimatisiert sind, sei natürlich angenehm, aber doch „absurd, in der Wüste, bei 37 Grad“. Gespannt sie, wie das kleine Katar die Besuchermassen dieser Weltmeisterschaft letztlich bewältigen wird. „Es gibt wenig Unterkünfte und vieles bei der Infrastruktur, zum Beispiel in der U-Bahn und in den Stadien, passt noch nicht.“ Menschenrechtsverletzungen oder Diskriminierung? Sie wisse von den Vorwürfen gegen den Wüstenstaat, fühle sich dort aber sicher. Ob sie nun mit ihren Kolleginnen aus der WG unterwegs sei oder auch allein. „Mir als Frau gegenüber sind alle sehr zuvorkommend und höflich im Umgangston.“

Und ihr Tipp zum Ausgang der WM: Wird Deutschland Weltmeister? Jana Sauter hofft: „natürlich“. Ihr Geheimtipp aber ist „eher ein underdog wie Belgien“.

Die Fußballweltmeisterschaft: Am Sonntag geht's los

64 Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft laufen ab 20. November bis 18. Dezember. 48 davon werden auf ARD und ZDF übertragen. Dazu gehören alle Deutschland-Spiele, das Eröffnungsspiel, die Halbfinals sowie das Finale. Einsatz des deutschen Teams: Die Spiele der deutschen Nationalmannschaft in Gruppe E: am 23. November, 14 Uhr: gegen Japan. 27. November, 20 Uhr: gegen Spanien. 1. Dezember, 20 Uhr: gegen Costa Rica.

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