Guten Morgen

Aber bitte warm!

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Ulrike Wilpert über das moderne Leben in einer dunklen Höhle

Drei lange Tage lebte sie wie in einer Höhle. Gänzlich freiwillig, aus einer ureigenen Entscheidung heraus schottete sie sich vollkommen ab von der rauen Wirklichkeit, die draußen tobte. Konnte den Morgen nicht vom Abend unterscheiden, den Tag nicht von der Nacht. Die unbarmherzig heruntergelassenen Rollläden ließen keinen Lichtspalt zu. Dabei – gegen ein bisschen Sonne, zumindest einen kleinen Strahl Helligkeit hätte sie gar nichts auszusetzen gehabt. Aber dieser Regen. Der rücksichtslos und dauerhaft gegen die Rollläden pochte und trommelte, um irgendwo eine kleine Ritze zu finden, durch die er seine schmutzigen Tränen auf das kurz zuvor mit viel Mühe, Sorgfalt und Eifer geputzte Fensterglas fallen lassen kann.

Aber sie gönnte sie ihm nicht, die Lücke. Verbarrikadierte ihre Meisterleistung, bis er nach drei Tagen freiwillig abzog, der Regen. Drei lange Tage, in denen sie in ihrer Höhle zwar keine Spiritualität gefunden hat. Dafür aber den Heizungsknopf, den sie bis zum Anschlag aufdrehte.

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