Albrecht Schmid, ein Verfechter der sozialen Gerechtigkeit, geht von Bord

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Gesundheitliche Gründe zwingen Albrecht Schmid, aus dem Gemeinderat auszuscheiden.ÌÌFoto: hag
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An diesem Donnerstag wird SPD-Stadtrat Albrecht Schmid auf eigenen Wunsch hin nach 37 Jahren aus dem Aalener Gemeinderat verabschiedet.

Aalen. Ich will aufhören, solange ich den Zeitpunkt noch selbst bestimmen kann.“ Diesen Satz hat Albrecht Schmid schon einmal gesagt. Damals, als der SPD-Stadtrat nach 15 Jahren seinen Fraktionsvorsitz abgegeben hat. Das war im Jahr 2012.

Jetzt hat er für sich wiederum eine Entscheidung getroffen, die erneut mit einem Abschied zu tun hat: seinem Ausscheiden aus dem Aalener Gemeinderat; jenem kommunalpolitischen Gremium, dem Albrecht Schmid seit nunmehr 37 Jahren angehört.

Diesmal sind es gesundheitliche Gründe, die den 76-Jährigen dazu zwingen. „Zu diesem Entschluss bin ich vor etwa vier Wochen gekommen, als meine Erkrankung massiv fortgeschritten ist. Da war mir klar, ich kann da nicht mehr mithalten.“

An diesem Donnerstag wird OB Frederick Brütting in öffentlicher Gemeinderatssitzung Albrecht Schmid offiziell als Stadtrat verabschieden. Und zwar gleich zu Beginn der Sitzung in der Aalener Stadthalle, unmittelbar nach der Bürgerfragestunde. Das zeigt, welch hohe Bedeutung die Aalener Stadtverwaltung Albrecht Schmids über drei Jahrzehnte langem ehrenamtlichem Engagement für die Aalener Kommunal- und Gesellschaftspolitik beimisst.

1972 in Aalen angekommen

Ob er mit 37 „Dienstjahren“ der dienstälteste Aalener Stadtrat ist? „Das weiß ich nicht, ich habe nie nachgeforscht“, sagt Albrecht Schmid in einer Bescheidenheit, wie man sie bei ihm kennt. Unzählige Schülerinnen und Schüler - es waren Generationen - haben Albrecht Schmid als Oberstudienrat im Aalener Theodor-Heuss-Gymnasium kennengelernt, wo er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2009 katholische Religion, Englisch und später auch Ethik unterrichtete. Dabei ging es ihm immer um die Verantwortung für junge Menschen, nicht ums Moderieren, nicht ums persönliche Renommee. „Auch unser OB Frederick Brütting hat damals meine Philosophie AG am Theodor-Heuss-Gymnasium besucht“, verrät Albrecht Schmid, der in Tübingen und München nicht nur katholische Theologie und Englisch, sondern später auch Philosophie studiert hat.

Mit dem Gedankengut der deutschen Studentenbewegung der 1960er Jahre kam der gebürtige Donzdorfer nach seinen Studienjahren 1972 in Aalen an. In die Kocherstadt „gelockt“ hatte ihn sein Studienkollege Pfarrer Hans Nagel.

Schon als Student politisch

Schon als Student war Schmid in der SPD. So richtig politisch aktiv wurde er 1980 beim kommunalpolitischen Wahlkampf der SPD in Aalen, den er damals organisiert hat. „Durch Zufall“ so Schmid, sei er dann SPD-Ortsvereinsvorsitzender geworden. Diese Aufgabe, wie danach auch viele weitere verschiedene ehrenamtlichen Ämter, sei ihm angeboten worden. „Und ich habe mich nicht dagegen gesträubt, wenn man mich gebraucht hat“, erzählt er, begleitet von seinem gutmütigen Lächeln.

In vielen Ehrenämtern engagiert

1984, seine Kinder waren gerade im Kindergarten- und Grundschulalter, kandidierte der fünffache Vater erstmals für den Aalener Gemeinderat. Ein Jahr später wurde er in den Kirchengemeinderat von Salvator gewählt, wo er sich vor allem um die kirchlichen Kindergärten gekümmert hat. Von 1987 an führte Albrecht Schmid zehn Jahr lang den Ortsvereins der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Aalen und kämpfte erfolgreich für einen Erweiterungsbau des AWO-Kindertagheims. Daneben engagierte er sich als Vorsitzender für die AG Rötenberg und stand 18 Jahre lang an der Vereinsspitze des SSV Aalen.

Sein bitterster Moment als Stadtrat? Da muss Schmid nicht lange überlegen: „Das waren jene Haushaltsberatungen vor rund zehn Jahren, in denen der Gemeinderat aus finanziellen Gründen den für 2012 geplanten Baubeginn der Bahnunterführung Walkstraße verschieben musste.“ Diesen Spatenstich zumindest hätte Albrecht Schmid noch gerne als Stadtrat miterlebt. Wie auch die Weiterentwicklung des Sozialwohnbaus in Aalen. Überhaupt die sozialen Dinge, wie Betreuung, Schulen, Kindergärten und eben Wohnen waren immer seine Herzensthemen. „Themen, die heute noch aktuell sind.“

Großvater von 14 Enkelkindern

Was der Großvater von 14 Enkelkindern heute bedauert: „Dass die Politik so verflacht ist.“ Er vermisst ideologische Auseinandersetzungen wie in den 1980ern. „Die waren damals viel ausgeprägter.“ Mit der Kirche indes, mit Gott und seinem Glauben ist er im Reinen. „Die Missbrauchsfälle verdüstern zweifellos das Zeugnis der Kirche enorm. Aber dadurch erleidet mein christlicher Glaube keinen Schaden.“

Ich habe mich nicht gegen die mir angebotenen Ehrenämter gesträubt, wenn man mich gebraucht hat.“

Albrecht Schmid, SPD-Stadtrat

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