Alt-Dekan Erich Haller, der 80. und das Elsass

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Alt-Dekan Erich Haller feiert an diesem Freitag seinen 80. Geburtstag
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Der ehemalige evangelische Dekan des Kirchenbezirks Aalen feiert an diesem Freitag einen runden Geburtstag. Ein Rückblick und was ihm wichtig ist.

Aalen. Wenn Erich Haller an diesem Freitag, 7. Oktober, seinen 80. Geburtstag feiert, ist der ehemalige evangelische Dekan nicht in Aalen. Gratulanten müssen also warten. Seine Frau Irene und er reisen ins Elsass. Kultur in Straßburg und das Leben genießen stehen an diesem Tag auf dem Programm. Das passt auch ins Bild von einem Seelsorger, der schon immer über den Tellerrand hinausgeblickt hat, der sich politisch positioniert – vor allem auch innerkirchlich – und dem die Diakonie, die soziale Verantwortung, ein großes Anliegen ist.

Politischem ist der Alt-Dekan bereits an seiner ersten Stelle in Stuttgart-Mitte begegnet. Dort war Erich Haller verantwortlich für die evangelische Jugend. „Als Jugendpfarrer hatte ich vielfältige Kontakte über die kirchlichen Grenzen hinaus“, erinnert Haller und nennt in dem Zusammenhang den Stadtjugendring und das Jugendhaus Stuttgart. Wichtiges Anliegen sei aber der Kontakt zur evangelischen Jugend in Dresden gewesen. „Das war in dieser Zeit politisch heikel“, sagt er.

Viel Fingerspitzengefühl

Dass er dafür das richtige Fingerspitzengefühl bewies, zeigt sich daran, dass die Kontakte gut funktioniert haben. Stuttgarter Jugendliche haben sich unter seiner Leitung mehrfach in Dresden und in Ostberlin mit Dresdner Jugendlichen getroffen, stets mit dem Ziel sich auszutauschen. Auch wenn's nicht immer einfach gewesen sei, sagt Haller und hat auch gleich eine nette Anekdote parat. „Bei einer harmlosen Frage musste mein Gegenüber von der FDJ, der Freien Deutschen Jugend, erstmal telefonieren, ehe er mir antworten konnte“, erinnert sich Haller mit einem Schmunzeln.

Der breitgefächerten Jugendarbeit in Stuttgart folgt die traditionelle Gemeindearbeit u.a. mit Seelsorge, Hausbesuchen und Konfirmandenunterricht als Pfarrer in Neuhausen auf den Fildern. Seine Frau Irene hat Haller tatkräftig unterstützt. „Damals hat sie einen Mittagstisch für Senioren initiiert, den es heute noch gibt“, erzählt der Alt-Dekan mit Freude.

Weichen stellen

Eine völlig andere Aufgabenstellung erwartet ihn dann in Aalen. 1993 wird Erich Haller zum evangelischen Dekan des Kirchenbezirks Aalen gewählt. Hier ist er Dienstvorgesetzter von zahlreichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, trägt die theologische Verantwortung und macht sogenannte Visitationen in einzelnen Kirchengemeinden, die er begleitet und berät.

Ein wichtiges Thema sind unter seiner Ägide strukturelle Neuordnungen: in der Jugendarbeit, in Diakonie und im Kirchenbezirk. Unter dem Stichwort „Pfarrplan“ geht es zudem darum, die Weichen zu stellen für eine Zukunft mit weniger Kirchenmitgliedern, weniger Einnahmen und weniger Pfarrstellen. Zwei solcher Pfarrpläne für den hiesigen Kirchenbezirk hat Haller verantwortet. „Wir haben in Gesprächen um gute Lösungen gerungen“, sagt er, der neben all seinen zahlreichen verantwortungsvollen Aufgaben auch im Privaten Gutes tut.

Diakoniegedanken leben

Den Diakoniegedanken lebt Haller nicht nur, indem er Einrichtungen wie Vesperkirche, Aalener Tafel oder den Hospizdienst mit auf den Weg bringt, sondern ihn auch in der eigenen Familie lebt. Mehrere Pflegekinder, die „kindeswohlgefährdet“ waren, nehmen Irene und Erich Haller in ihre Obhut. „Zu einem haben wir bis heute guten Kontakt“, erzählt er.

Das Alter und die Angst

Zu Beginn seines Ruhestands 2007 gehört Haller sechs Jahre, eine Amtsperiode lang, dem landeskirchlichen Parlament, der Synode, an. Untätig kann er nicht sein. Regelmäßig halten er und Irene bis heute Gottesdienst im Samariterstift, Haller vertritt Pfarrer und Pfarrerinnen im Urlaub. Auf bis zu 40 Personen ist der einstige Hauskreis „Gespräch und Begegnung“ inzwischen angewachsen. Haller freut's und ist dankbar. Nicht nur dafür. „Dankbarkeit ist etwas, das einen beweglich und zuversichtlich hält“,sagt er, der keine Angst vor dem weiteren Alter hat.

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