Aus Liebe zum Menschen und Wein

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Tina Morassi-Wiedemann ist nach dem Tod ihres Mannes Alfons Wiedemann Geschäftsführerin und Inhaberin des Weinmarktes Grieser.
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Tina Morassi-Wiedemann hat nach dem Tod ihres Mannes die Geschicke im Weinmarkt Grieser übernommen. Wie sie die Liebe zum Wein entdeckte und was sie aufrecht hält.

Aalen

Das ist ein schöner Terrassenwein, leicht, mit einer ausbalancierten Säure“, sagt Tina Morassi-Wiedemann und schenkt wie nebenbei zwei Fingerbreit davon in ein Weißweinglas. Tatsächlich - drei Schlückchen genügen und schon wähnt man sich gedanklich an einem warmen Sommerabend mit Freundinnen in Harmonie an einem Tisch im Freien. Tina Morassi-Wiedemann weiß, wovon sie spricht.

Fast drei Jahrzehnte lang stand sie an der Seite ihres Mannes Alfons Wiedemann, als dieser im Weinmarkt Grieser die Liebe zum Wein nicht nur als Lebensunterhalt bestritt, sondern dort auch mit seinen Kunden lebte. Ob ein Wein beispielsweise schwer oder leicht ist, hat Tina Morassi-Wiedemann also nicht erst jetzt gelernt. Nicht erst, seit ihr Mann im November nach kurzer, schwerer Krankheit starb. „Durch ihn habe ich die Liebe zum Wein entdeckt“, sagt sie und hält dabei nur einen Atemzug lang inne. Nun steht sie an seiner Stelle selbst als Geschäftsführerin und Inhaberin des Weinmarktes an einem der Tische, an denen in normalen Zeiten die Kunden Weine verkosten.

Dabei war zunächst Sport ihre Leidenschaft. Aufgewachsen als Tochter eines Unterkochener Konditormeisters mit einer „wunderbaren Kindheit, bei der ich ständig auf der Gass' war“ zieht es sie als junge Frau nach dem Abi nach Heidelberg. Sie studiert Sport und Biologie auf Lehramt. „Ich bin ja quasi auf dem Tennisplatz aufgewachsen“, erzählt sie. Zurück in Aalen schlägt sie dann aber eine andere Laufbahn ein und leitet die Geschicke im „Fenstergucker“, dem ersten Aalener Weinlokal. Trifft dabei auch beruflich zum ersten Mal Alfons Wiedemann. Nach fünf Jahren in der Gastronomie wagt die mittlerweile alleinerziehende Mutter einen erneuten Wechsel. Auf Anregung ihrer Eltern bewirbt sie sich für den Außendienst bei einer Firma, die Werbemittel vertreibt. „Am Anfang dachte ich: Oh Gott“, erinnert sich Tina Morassi-Wiedemann. Doch schnell erkennt sie: „Wenn ich morgens einmal bedrückt auf den Weg gemacht habe, bin ich am Ende des Tages mit einem Lächeln nach Hause gefahren. Weil ich die Menschen liebe.“

Erfolgreich im Außendienst

Der Kontakt mit den Menschen ist ihr Ding und bleibt es bis heute. Seit 33 Jahren gehört sie in der Firma alljährlich zu den Besten der Besten der 600 Außendienstler - Platz eins oder zwei. Trotz dreier Töchter. Trotz ihrer Leidenschaft für den Weinhandel, der sie zusammen mit ihrem Mann auf Weingüter in die ganze Welt führte. Und trotz der Aufgabe, die sie nun zusätzlich übernommen hat.

Zeit zum Überlegen habe sie kaum gehabt, erzählt sie. Zwei Tage nach dem Tod von Alfons Wiedemann habe sie bereits die Bestände und Zahlen sichten müssen. Das sei schwer gewesen, aber für Alfons weiterzumachen, sei für sie keine Frage gewesen. „Ich möchte das genau so weitermachen, wie er es gemacht hat“, sagt sie. Die Kraft zieht sie vor allem auch aus sich selbst. „Ich bin perfektionistisch und ehrgeizig“, gesteht die Mutter mittlerweile erwachsener Töchter. Hinzu komme die Unterstützung vieler Freunde. Die Begeisterungsfähigkeit für Neues. Die Bereitschaft, neue Wege zu gehen. „Wenn Alfons und ich etwas geplant haben, dann hat der andere immer auf die Idee des einen noch eines draufgesetzt“, umschreibt sie es. Ob nun beim heimischen Anbau oder beim Weinabo, dass die neue Geschäftsführerin ohne Unterbrechung weiterführt.

Der Kontakt zu den Kunden sei das, was sie aufbaue. „Im Moment fehlt hier das Leben. Samstags nach dem Markt hat sich hier sonst halb Aalen getroffen“, sagt Tina Morassi-Wiedemann. Zeit für anderes findet sie im Moment trotzdem nicht. „Ich verstehe jetzt, warum Alfons sieben Tage in der Woche gearbeitet hat“, sagt sie. „Aber man kann ja nicht anders, als Wein zu lieben.“ Sie selbst liebe übrigens Rotwein. Den schweren, der abends auf der Couch die „Beine länger werden lässt.“

Man kann ja nicht anders, als Wein zu lieben.“

Tina Morassi-Wiedemann

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