Badefreuden im Hirschbach-Freibad, Motorradrennen im Tannenwäldle

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Die Aalener "Wochenschau" im Kino am Kocher. Auch alte Filmaufnahmen aus dem Hirschbach-Freibad sind zu sehen.
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Geschichte Wie die Aalener "Wochenschau" im Kino am Kocher das Filmpublikum in den Bann zieht. Von Dagmar Oltersdorf

Die Wochenschau im Kino am Kocher, musikalisch begleitet von einem Ensemble der Musikschule. Stadtarchivar Dr. Georg Wendt und Carola Moser erzählen die Geschichten hinter den Filmen.

Aalen

Anschaulicher geht Stadtgeschichte nicht. Im wahrsten Sinne des Wortes. Zum dritten Mal in Folge hatte das Stadtarchiv mit Dr. Georg Wendt und Carola Moser und das Kino am Kocher zur "Aalener Wochenschau" geladen. Die erweist sich als eine Art Kassenknüller. Am Mittwochabend blieb im Kinosaal keiner der 88 Sessel mehr leer. Rund insgesamt 45 Minuten umfassende Einzelclips haben Carola Moser und Dr. Georg Wendt zusammengestellt aus vielen, vielen Aufnahmen von Emil Sperle. Sie zeigen, in den 50er Jahren war der Berufsfotograf und Filmer mit seiner Kamera gefühlt überall vor Ort. 

Großereignisse am laufenden Band


Als es dunkel wird und die ersten bewegten Bilder auf der Leinwand laufen, ist man mit einem Mal drin in der Vergangenheit der Stadt. Der 1. Mai 1951, Volkstrauertag, Wahlen - Stadtpolitik in schwarz-weiß. Große Ereignisse wie die Einweihung des VfR-Stadions im Rohrwang, eine Motorradmeisterschaft im Tannenwäldle mit 3000 Menschen, die zusehen, wie sich die Zweiradfahrer durch Schlamm und Geröll kämpfen.  "Große, spektakuläre Bilder", seien immer ein dankbares Thema, so Wendt. Das Publikum bekommt sie zu sehen. Dutzendfach. Sportereignisse wie ein Sprung von der Ostalbschanze Unterkochen vor hunderten Zuschauern. Das Kinderfest. Menschenmassen, die im Hirschbach-Freibad in der Sommerhitze das kühle Nass genießen. Zwanzigtausend Sängerinnen und Sänger beim Bundesliederfest, dazu rund 100 000 Gäste im Publikum auf den Straßen und Plätzen. 

MTV-Fasching und Modenschau


Dazu liefern Wendt und Moser immer wieder kleine Anekdoten und Kommentare aus der Schwäbischen Post. "Schuld am Schlamassel war die Sonne", so hatte ein Autor es dort beispielsweise kommentiert, dass drei Tage vor der offiziellen Eröffnung der Freibadsaison vorab in der Nacht viele Hirschbach-Fans schon mal dort eingestiegen und angebadet hatten. Die Historiker wechseln sich ab in ihren Moderationen, ermuntern nach jedem Clip, die Bilder zu ergänzen, falls sie jemand erkennen.  Abschlussball, MTV-Fasching und Kempf-Modenschau im Spritzenhaussaal. Politik, Technik, Sport, Mode, Eisenbahntradition - all diese Bilder begleitet das Städtische Orchester unter der Leitung von Daniela Müller quasi aus einer Art Orchestergraben vor der Leinwand heraus. Das Publikum liefert zwar keine Beiträge zu den Sequenzen, dafür singt es sogar mit bei Liedern wie "Auf der schwäbischen Eisenbahn", klatscht zu "Ja, wir san mit dem Radl da.  Verfolgt gebannt, wie im Pelzwasen Heimstättenhäuser entstehen und in Unterkochen das neue Schulhaus eingeweiht wird. "Man wollte sich als großes kulturelles Zentrum zeigen", kommentiert Carola Moser die Vergabe des ersten Schubart-Literaturpreises an Hugo Theurer und Eduard Thom im Jahr 1956. Mit dem OVA geht es schließlich sogar nach Österreich in die Berge - auch hier hat der Kameramann Sperle großartige Bilder eingefangen. 


"Besser geht es nicht", fasst Walter Heichel vom Kino am Kocher zusammen, als es wieder hell im Saal ist. Man hätte noch einmal drei Vorstellungen anbieten können angesichts des Andrangs. Die soll es voraussichtlich nun im Oktober geben. "Ich bin schon ein wenig platt, dass das Interesse so groß ist", sagt Dr. Georg Wendt dazu. Geschichte zum Anschauen ist offenbar ein Publikumsmagnet. 

Emil Sperle: 1917 in Aalen geboren, wurde er im Krieg zur Luftwaffe eingezogen. Nach dem Krieg war Sperle auch fotografischer Mitarbeiter der Schwäbischen Post. Später eröffnete Emil Sperle gegenüber dem heutigen Samocca ein eigenes Fotogeschäft. Seine Leidenschaft gehörte aber dem Filmen. Er starb 81-jährig im August 1998.

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