Ballonfahrt: abheben trotz Corona

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Nun heißt es für Jürgen Wabersich und seine Gäste: Ab in die Luft!
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Wie Gundi und Jürgen Wabersich ihr Ballonfahrtunternehmen in Corona-Zeiten führen.

Gmünd-Großdeinbach. Für Jürgen Wabersich geht es bereits seit über 20 Jahren hoch hinaus. Der Grund dafür: seine nebenberufliche Tätigkeit als Ballonfahrer – auch "Ballöner" genannt. Und das sei er mit Leib und Seele. "Es ist einfach immer wieder ein tolles Gefühl; in die Luft zu steigen und die Sorgen dabei am Boden zu lassen", sagt er. Gemeinsam mit seiner Familie ermöglicht er es Paaren und Familien, das gleiche Gefühl zu erleben. Und das normalerweise das ganze Jahr über. Dieses Frühjahr hat ihnen Corona dabei einen Strich durch die Rechnung gemacht und für neue Situationen gesorgt.

"In der Hochphase der Pandemie durften wir natürlich auch nicht fahren", erklärt er. In den ganzen Jahren sei er noch nie so lange nicht in der Luft gewesen. Doch es sei wichtig, dass der Ballon ab und zu gefahren wird, "sonst kann man nämlich seine Lizenz verlieren", erklärt Jürgen Wabersich. Stattdessen fuhr er in dieser Zeit nur im privaten Kreise. "Ich bin dann mal mit der Familie oder mit Freunden gefahren", sagt er.

Er war froh, als er im Juli endlich wieder die Erlaubnis hatte, mit Fahrgästen zu fahren. Nun müssen die Fahrgäste aber vorneweg ein Formular ausfüllen, das bestätigt, dass sie gesund sind. Doch auch schon vor der Pandemie mussten die Gäste ein Formular ausfüllen, "nun wurde das Formular mit Fragen zur Gesundheit ergänzt", erklärt der Ballöner. Doch eines ist für Wabersich sicher: "Ohne das Fahren könnte ich, glaube ich, nicht mehr."

Dabei kam er nur durch reinen Zufall zum Ballonfahren. "Ich bin jahrelang Fallschirm geflogen und habe dabei viele Unfälle miterlebt", sagt er. Irgendwann sei ihm das Risiko zu hoch gewesen. Zwei Jahre war er ab da nicht mehr in der Luft. Bis er von einem seiner Kollegen von dem Ballonfahren erfuhr. "Er war selber eine Ballöner; und als ich das erste Mal mitgefahren war, beschloss ich direkt, selbst mit der Ausbildung anzufangen", erinnert er sich. Im Jahr 1998 habe er den Pilotschein, den man zum Ballonfahren braucht, gehabt, sagt er.

Seitdem fahre er regelmäßig, je nachdem, wie der Wind mitmacht. Der Wind beziehungsweise die Thermik – der Aufwind – sei schließlich das Wichtigste bei einer solchen Fahrt. Deshalb ist auch die Planung vorneweg sehr kompliziert. "Wir müssen immer genau schauen, wie die Thermik und auch die Böen sind", sagt er. Dafür nutzen sie direkt die Informationen des Deutschen Wetterdienstes.

Doch seine Erfahrung, die er sich in der ganzen Zeit angeeignet hat, sei ein wichtiger Punkt. "Sobald ich auch nur ein bisschen unsicher bin, fahre ich nicht", sagt er. Er möchte die Passagiere nicht einem unnötigen Risiko aussetzen.

Für die Sicherheit an Bord könne er zu 100 Prozent garantieren. "Alles wird vorneweg überprüft und einmal im Jahr macht das auch der Hersteller." Deshalb sei auch in 20 Jahren noch nichts passiert.

Bald ist man süchtig

Das erste Mal zu fahren, ist immer aufregend. Das war es auch für Jürgen Wabersich. "Doch spätestens nach dem dritten Mal ist man süchtig danach." Um den Ballon startklar zu machen, müssen die fünf Passagiere – die in dem Korb Platz haben – zuvor mitanpacken. "Früher haben das noch die Kinder gemacht", sagt Jürgen Wabersich. Um die Hygienevorschriften einzuhalten, müssen die Fahrgäste daher gerade ihre eigenen Handschuhe mitbringen.

Sobald in der Hülle genügend Luft ist, muss es ganz schnell gehen. Nacheinander klettern die Passagiere in den Korb, die restlichen stehen am Korb und halten ihn am Boden. Sobald alle drin sind, hebt der Ballon auch schon ab. Fast zwei Stunden können die Passagiere von oben nun auf die Stadt hinab gucken.

Nach der Ballonfahrt gibt es für diejenigen, die zum ersten Mal gefahren sind, normalerweise eine Sekttaufe "und anschließend einen Adelstitel". Doch in der Zeit der Pandemie müssen die Fahrgäste leider auf die Taufe verzichten, um die Hygienemaßnahmen einzuhalten. "Den Adelstitel bekommt man aber trotzdem", sagt der Ballöner.

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