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Besonnene Reaktionen

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Lars Reckermann
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Über Straßenblockaden, Aktivisten und Anstifter.

Vier Klimaaktivisten haben sich zur besten Berufsverkehrszeit auf die B29 gestellt und die wichtige Bundesstraße für mehr als eineinhalb Stunden blockiert. Der Verkehr staute sich kilometerlang. Die Nerven der meisten Autofahrer lagen brach. Was ich von den Asphaltklebern halte, habe ich bereits einmal kommentiert. Ich bin überzeugt, dass diese Aktionen dem wichtigen Thema Klimaschutz mehr schaden als nützen. Sie rücken die Akteure in den Vordergrund nicht die Sache. Das wichtige Thema Klima bleibt sprichwörtlich auf dem Asphalt kleben.

Besonnen haben sich am Montagmorgen viele Autofahrer verhalten, aber auch die Einsatzkräfte. Die standen in den sozialen Medien stellenweise ebenso im Kreuzfeuer wie die Klimaaktivisten. „Warum zieht die Polizei die Menschen nicht einfach von der Straße?“ „Warum dauert es so lange, bis der Kleber gelöst ist?“ „Warum erklärt der Mann vom Ordnungsamt den Aktivisten auch noch ausführlich die Situation und Rechtslage?“ Ganz einfach: Weil wir in einem Rechtsstaat leben. Weil das Recht auf freie Meinungsäußerung und das Versammlungsrecht hohe Güter sind, die es zu schützen und zu verteidigen gilt. Jeder Querdenker darf über die Straßen ziehen. Da kam es übrigens auch schon zu Staus. Jeder Mensch darf sagen, was ihn stört. Wenn er gegen geltendes Recht verstößt, muss er sich vor Gericht verantworten und darf sich verteidigen.

Wie gesagt: Ich finde die Straßenblockaden sinnlos und nervig. Sie entzweien selbst Klimaschützer. Was mich aber regelrecht anwidert, sind die Reaktionen in den sozialen Medien. Da erfüllen zuweilen einige Äußerungen mehr Straftatbestände als mehrere Klebeaktionen zusammen. Die Anstifter, die sich dort herumtreiben, sind die wahre Gefahr für unsere Demokratie. Lars Reckermann

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