Brief an Kretschmann: Warum ich nicht unterschrieben habe

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Frederick Brütting

Heubachs Bürgermeister Frederick Brütting zum Corona-Vorstoß seiner 35 Kollegen.

Heubach. 35 BürgermeisterInnen aus Baden-Württemberg haben Winfried Kretschmann aufgefordert, die Corona-Beschlüsse nicht umzusetzen und besonderes bei Kneipen, Gaststätten, Theatern und Hotels Ausnahmen zuzulassen. "Ich habe diesen Appell gelesen und bewusst nicht unterschrieben. So wie die allermeisten KollegInnen", sagt Heubachs Stadtoberhaupt Frederick Brütting. Warum?

Diese Frage beantwortet er auf Facebook wie folgt: "Also zunächst wurde das Schreiben von Boris Palmer initiiert. Ich werde keine Schreiben von ihm unterzeichnen ... (denn) ... insbesondere bei Corona sind seine Beiträge geradezu grotesk. Seine Positionen sind widerlegt und die Vorschläge haben sich zurecht nicht durchgesetzt.

Aber zur Sache: heute hat das RKI 18 681 neue Infektionen gemeldet. Damit hat sich der Appell von gestern schon fast von alleine erledigt. Die Pandemie hat nun eine Dynamik erreicht, die Diskussionen um Heizpilze und Abstände im Kino leider sehr schnell die Grundlage entziehen werden.

Auch ich würde gerne meinen GastronomInnen, SportlerInnen und Kulturschaffenden zurufen, dass die Maßnahmen nicht notwendig sind und wir Hoffnung haben können, dass man die Regeln noch verändern wird. Die Wahrheit ist aber, dass wir auch darauf nicht verzichten können und die Regeln (endlich!) bundesweit verbindlich vereinbart sind. Es wird keine Änderung geben. Gerade in dieser Phase haben wir als ReptäsentantInnen des Staates die Aufgabe, für ein kongruentes Verwaltungshandeln zu sorgen.

Natürlich kann man jetzt in dieser Situation jede betroffene Gruppe und jeden Berufsverband einzeln adressieren und dort die Likes abholen. Kein Problem. Tatsächlich haben sich die Gastronomen, Sporttreibenden und Kulturschaffenden auch massiv angestrengt und extrem viel getan, um die Pandemie einzugrenzen. Aber diese Einrichtungen bleiben notwendigerweise Orte der Begegnung. Hier sind immer Menschen über eine längere Zeit beieinander. Und diese Begegnungen sind potentielle Übertragungswege. Dem wird entgegengehalten, dass es in der Statistik wenige bestätigte Infektionen an diesen Orten gibt. Das relativiert sich aber, wenn man in Betracht zieht, dass 70-80 Prozent der Infektionen derzeit gar nicht nachvollziehbar sind. Die privaten Feiern sind in der Statistik so stark vertreten, weil dort die Kontakte und Übertragungswege viel leichter nachvollzogen werden können. Natürlich verbreitet sich der Virus leider auch in Gaststätten, Kneipen und in Theatern.

Die geforderten Ausnahmen würden in der Konsequenz heißen, dass wir wenig später weitere Bereiche der Gesellschaft länger und umfassender schließen müssen. In Spanien und Frankreich passiert das gerade schon. Das würde bei uns auch wieder Schulen und Kinderbetreuung betreffen. Das muss aber unbedingt vermieden werden! Soviel haben wir doch aus dem Frühjahr hoffentlich gelernt", so der Heubacher Bürgermeister.

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