Brütting gegen Klinikneubau auf der "grünen Wiese"

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Aalens OB, Frederick Brütting.
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Der Aalener Oberbürgermeister fordert eine offenere und breitere Debatte - und kämpft für den Klinikstandort Aalen.

Aalen. Es geht ihm nicht ums Kirchturmdenken, sagt Frederick Brütting. Aber die Debatte um die Neukonzeption der Kliniken im Ostalbkreis „muss an die Öffentlichkeit“, das ist, was der Aalener Oberbürgermeister verlangt. Seit Dezember berate der Verwaltungsrat Kliniken Ostalb über die geplante Neukonzeption der Gesundheitsversorgung im Ostalbkreis - und zwar immer in nichtöffentlicher Sitzung. Brütting ist davon überzeugt, dass man sich „in einem internen Kreis dabei bereits auf eine Variante festgelegt“ habe. Und diese Variante sehe eine Schließung der Klinikstandorte in Aalen und Mutlangen vor.

Angesichts „der großen Bedeutung der Kliniken für die Bevölkerung in der gesamten Raumschaft“ sei der bisherige Entscheidungsprozess „nicht angemessen“, kritisiert Brütting. Denn tatsächlich seien die Pläne zur Schließung der Kliniken im Landkreis schon ziemlich konkret, der Entscheidungsprozess „schon viel weiter fortgeschritten als der Öffentlichkeit bislang kommuniziert“, so zumindest die Befürchtung des Aalener Oberbürgermeisters.

Entscheidung schon am 26. Juli geplant

Zudem sähen die Varianten, die bisher auf dem Tisch lägen, alle eine Schließung des Aalener Klinikums vor, stellt Brütting fest. Der Kreistag solle nach dem bisherigen Fahrplan der Landkreisverwaltung erstmals am 26. Juli in öffentlicher Sitzung darüber beraten - und dann auch gleich entscheiden. „Es kann nicht sein, dass ohne einen öffentlichen Dialog zu führen, Entscheidungen dieser Tragweite gefasst werden“, so Brütting und weiter: „Als Oberbürgermeister dieser Stadt ist es meine Pflicht jetzt die Bürgerinnen und Bürger von Aalen zu informieren, dass uns nach den bisherigen Vorstellungen der Verantwortlichen beim Landkreis und in der Klinikleitung eine Zukunft ohne Klinik am Ort bevorsteht.“ Brütting fordert deshalb mehr Transparenz und eine öffentliche Debatte anstatt einem „Politikstil der Alternativlosigkeit“.

Konkret möchte der Aalener OB den Entscheidungsprozess zur Neukonzeption nicht ohne eine breite Bürgerbeteiligung fortführen. Damit die Debatte inhaltlich auf Augenhöhe geführt werden könne, müsse das Gutachten über die zukünftige Ausrichtung der Kliniken im Ostalbkreis „vollständig und nicht nur in Teilen öffentlich bekannt gemacht werden“. Dazu gehöre es auch, die in der Vergangenheit beschlossene organisatorische Neuausrichtung und Konzentration von Abteilungen der drei Kliniken weiter zu verfolgen. Grundsätzlich sei „eine integrierte Lage“ eines Klinikums dem Neubau „auf der grünen Wiese“ vorzuziehen, der auch einen erheblichen Ressourcenverbrauch an Fläche, Energie und Emissionen mit sich bringe. Zudem gelte es, die verkehrliche Anbindung und gute Erreichbarkeit des neuen Zentralklinikums zu bedenken – eine klimagerechte Mobilität sei Voraussetzung.

Brütting: Erhalt der Ellwanger Klinik „schwierig nachzuvollziehen“

Brütting verweist zudem auf die Aussage des Gutachters, der gerade die Schließung von Kliniken wegen mangelnder Rentabilität und Personalnot prognostiziert. Der favorisierte Erhalt gerade des kleinsten Klinikstandortes in Ellwangen sei vor diesem Hintergrund schwierig nachzuvollziehen.

Brütting warnt deshalb vor der Gefahr der langfristigen Schließung des verbliebenen Ellwanger Standorts, so dass nach Fertigstellung des Neubaus nur noch ein zentrales Klinikum für den gesamten Landkreis bestehen bleiben würde. „Mir ist an einem guten Ergebnis für den gesamten Ostalbkreis gelegen, dies ist nicht der Zeitpunkt für politisches Kirchturmdenken, sondern für eine lösungsorientierte Debatte“, sagt Brütting.

OB befürchtet Verschlechterung der Versorgung

Im Interesse „der ganzen Raumschaft“ gelte es nun zusammenzustehen. „Eine optimale Gesundheitsversorgung für alle Bürgerinnen und Bürger muss unser oberstes Ziel sein. Und deshalb bedarf es jetzt eines öffentlichen Dialogs an dem alle Beteiligten, von der Bürgerschaft, über die Beschäftigten der Kliniken bis zu den Krankenkassen, den Kommunen im Ostalbkreis und den niedergelassenen Ärzten, alle beteiligt werden“, so lässt sich der OB zitieren.

Sollte die Schließung des Aalener Klinikums beschlossen werden, befürchtet Brütting zudem eine wesentliche Verschlechterung der gesundheitlichen Versorgung, da dringend notwendige Investitionen in die Infrastruktur mit Blick auf den geplanten Neubau ausbleiben würden. Und die gerade im Bau befindliche zentrale Notaufnahme in Mutlangen und der onkologischen Tagesklinik mit einer Gesamtinvestitionssumme von rund 28 Millionen Euro habe dann „eine viel zu kurze Halbwertszeit“, sollte der Standort geschlossen werden. Zudem rechnet der Oberbürgermeister mit einer Verschärfung des Fachkräftemangels und einem Rückgang der Nachfrage, „da sich Patienten an andere Kliniken umorientieren würden“. Eine Folgenutzung für die Gebäude in Aalen und Mutlangen sei wegen der speziellen Infrastruktur nicht einfach. Mit rund 500 Millionen Euro rechnet der OB für den geplanten Neubau zwischen Aalen und Schwäbisch Gmünd. Kosten, die auch die Kommunen des Ostalbkreises über die Kreisumlage mitfinanzieren müssten.

Viel Geld wurde in die Kliniken investiert

Zudem seien in den vergangenen Jahren in die beiden Klinikstandorte Aalen und Mutlangen bedeutende Summen investiert worden, und wie mit diesem öffentlichen Vermögen umgegangen werden solle, darüber sollten die Bürgerinnen und Bürger entscheiden dürfen.

Die Kliniken des Ostalbkreises verfügten gegenwärtig „noch über eine hervorragende medizinische Versorgung mit herausragenden Leuchttürmen“. Brütting zitiert beispielhaft die in den vergangenen drei Jahren in den Kliniken Aalen und Mutlangen gestiegenen Geburtenzahlen.

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