Campus Braunenberg noch teurer: jetzt 15 Millionen Euro

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Die Baustelle des Bildungscampus Braunenberg. Gut zu erkennen ist der Rohbau von Mensa und Kita (rechts am Eck). Foto: opo
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Das Budget für den 1. Bauabschnitt muss erneut erhöht werden. Zudem verzögert sich die Fertigstellung der Gebäude.

Aalen. In seiner Haushaltsrede im Wasseralfinger Ortschaftsrat hatte es OB Frederick Brütting schon angedeutet. Nun liegt die bittere Wahrheit auf dem Tisch: Das Budget für den ersten Bauabschnitt des Bildungscampus Braunenberg muss erneut erhöht werden - von 13,95 Millionen Euro auf jetzt 14,88 Millionen Euro.

Mit geballter Faust in der Tasche, aber erstaunlich moderat im Ton stellten sich die Gemeinderatsmitglieder des Technischen Ausschusses einstimmig hinter den Beschlussantrag der Stadtverwaltung. Schließlich gebe es keine Alternative, hieß es. Die Entscheidung trifft der Gemeinderat in öffentlicher Sitzung am 15. Dezember.

Rückblick: Bei der Vorstellung des Projekts im Mai 2019 ging man noch von 5,3 Millionen Euro Kosten für den ersten Bauabschnitt aus. Beim Spatenstich für den Bildungscampus im Januar 2022 waren 8,1 Millionen Euro angesetzt. Bereits vier Monate später, im Mai 2022, gab die Stadtverwaltung bekannt, dass mit Mehrkosten von 50 Prozent zu rechnen seien. Ende Juni 2022 wurden erstmals konkrete Zahlen genannt: Der Kostenrahmen von 8,1 Millionen Euro musste um 5,8 auf 13,95 Millionen Euro erhöht werden. Genannt wurde ein ganzes Bündel von Ursachen: von Planungsfehlern über fehlende Positionen im Leistungsverzeichnis, zusätzliche Wünsche des Gemeinderats, bis hin zu unerwarteten Überraschungen, wie belastete Böden, die ausgetauscht werden mussten.

Mehrere Gründe für die neuerliche Kostensteigerung benannte Projektsteurer Valentin Brenner vom Büro Brenner aus Ellwangen in der jüngsten Ausschusssitzung: Weil der Schulhof durch die laufenden Baumaßnahmen stark beschädigt worden sei, wolle man die ursprünglich erst im 2. Bauabschnitt geplante Sanierung des Schulhofs nun vorziehen in den 1. Bauabschnitt. Das bedeute eine Planungs- und Baukostensteigerung von insgesamt 706 000 Euro. Nach einer Abstimmung mit dem Beirat für Menschen mit Behinderung müsse man nun die ursprünglich im 2. Bauabschnitt vorgesehene zweite Aufzugsanlage ebenfalls in den 1. Bauabschnitt vorziehen, und auch den unteren Pausenhof barrierefrei gestalten. Mehrkosten: etwa 110 000 Euro. Unter Berücksichtigung eines finanziellen Puffers von 5 Prozent (708 000 Euro) errechnet sich das neue Budget von 14,88 Millionen Euro.

Die gute Nachricht: Die Photovoltaik-Anlage wird über die Ostalb Bürgerenergie geplant und finanziert. Die Stadt spart sich also die veranschlagten Kosten von 232 000 Euro. Weiter hilft eine haushaltsinterne Budgetverschiebung, die Kostensteigerung zu schönen: Für die „unerwartet notwendigen Unterfangungen“ am Schulverwaltungsgebäude und für die statische und geologische Untersuchung des Klassentrakts werden 600 000 Euro reserviert. Diese Summe taucht aber nicht im Budget des Bildungscampus auf, sondern wird in den Bereich „Unterhalt“ des städtischen Etats verschoben.

Verzögerte Fertigstellung: Laut Projektsteurer ist das ursprüngliche Ziel, Juni 2023, nicht zu schaffen. „Wir peilen jetzt eine Fertigstellung der Gebäude bis Ende der Sommerferien 2023 an“, sagte Brenner, wie aber auf „umfangreiche Risiken“ hin. Weil sich die Fensterlieferung verzögert, wolle man über den Winter provisorische Folienfenster einbauen - Kosten: ca 20 000 Euro.

Unerwartete Setzungsrisse seien aufgrund des trockenen Sommers am Gebäudetrakt an der Steinstraße entstanden. Das Ergebnis der Untersuchungen: „Das Fundament ist gut, der Baugrund tragfähig - es besteht kein akuter Handlungsbedarf“, so Brenner. Abfangungen würden nur zu weiteren Setzungen führen, meinte er.

Andrea Hatam (SPD) meinte pragmatisch: „Wir sind mitten in der Bauphase, das Projekt muss fertiggestellt werden. Es gibt keine Alternative.“ Der Wasseralfinger Ortschaftsrat und die SPD-Fraktion trage die Entscheidung mit.

Sigrun Huber-Ronecker signalisierte die Zustimmung von Bündnis 90/Grüne „unter Bauchschmerzen“.

Josef A. Fuchs (CDU) freut sich wie Hatam über diese „absolut richtigen und wichtigen Maßnahmen“. Die neuerliche Baukostensteigerung empfindet er als „nicht gar so dramatisch“. Die Gründe seien nachvollziehbar. Trotzdem sei es dringend notwendig, am Ende des Projekts die Rechnung aufzumachen: Welche Verteuerungen sind der allgemeinen Preissteigerung zuzuordnen, und welche einer unglücklichen Planung. „Wir müssen wissen: Was ist da schief gelaufen.“

Manfred Traub (Zählgemeinschaft Birkhold/Traub) ergänzte: „Angsichts des Budgets, das sich inzwischen beinahe verdoppelt hat, ist Aufklärung klar angesagt. Und dabei sind auch Verantwortlichkeiten zu benennen!“

Claus Albrecht (FW) warnte, die im Sommer aufgetretenen Setzrisse klein zu reden. „Wenn man da jetzt nichts unternimmt, wird uns das ein Jahr später einholen“, meinte er sinngemäß.

Markus Haas, Amtsleiter der städtischen Gebäudewirtschaft, antwortete, dass für den Unterhalt deshalb ein Betrag von 600 000 Euro in den Haushalt eingestellt werden soll, für mögliche weitere Unterfangungen.

Kosten: Es bestehen weiterhin Risiken

Über 80 Prozent der Gewerke des 1. Bauabschnitts sind ausgeschrieben und vergeben, so Projektsteurer Valentin Brenner. In der Schlussberechnung für den Rohbau zeichne sich ab, dass man hier um etwa 20 000 Euro unter der Prognose liege.

Brenner bezeichnet es als realistisch, dass ein finanzieller Puffer von 5 Prozent ausreicht. „Aber ich kann es nicht garantieren. Es bestehen weiterhin Risiken.“

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