Sommerserie Zukunftsthemen (6)

Corona: Wie das Leben in Aalen weitergeht

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Die Aalener Innenstadt hat unter den harten Corona-Einschränkungen sehr gelitten.
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Die Fraktionsvorsitzenden im Aalener Gemeinderat antworten auf die Frage, wie Wirtschaft, Kultur und öffentliches Leben wieder gestärkt werden können.

Aalen. In der Stadt bummeln, ein Konzert genießen oder die Veranstaltung eines Vereins oder Verbands zu besuchen: Was früher ganz selbstverständlich war, ist es heute längst nicht mehr. Gerade deswegen sind viele so dankbar, wenn Begegnungen trotzdem unter bestimmten Vorsichtsmaßnahmen stattfinden können. Die Hoffnung aus dem Frühsommer, dass keine vierte Corona-Welle mehr über uns hinwegschwappt, hat sich zerschlagen. Aber die Hoffnung, dass diese vierte Welle schwächer ausfällt, schneller wieder abflacht, weniger schwere Verläufe hervorbringt oder nicht so viele Opfer fordert, ist noch erlaubt. Die Fraktionsvorsitzenden im Aalener Gemeinderat antworten im letzten Teil der Serie auf die Frage: Vorausgesetzt die vierte Corona-Welle fällt schwächer aus: Wie können Wirtschaft, Kultur und öffentliches Leben in Aalen gestärkt werden?

Michael Fleischer, Grüne:

Michael Fleischer

Kitas und Schulen
haben diesmal absolute Priorität.“

Michael Fleischer

Die weitaus beste Unterstützung bestünde darin, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen. Nur so können wir den Spuk in überschaubarer Zeit beenden und wieder ein normales Leben führen. Im Übrigen liegt unser Fokus auf der Stärkung der Innenstadt mit dem 10-Punkte-Programm. Wir müssen noch mehr an der Aufenthaltsqualität der Innenstadt und der Ortskerne arbeiten, damit der Einzelhandel dem Onlinegeschäft Paroli bieten und die Gastronomie wieder Fuß fassen kann. Für die Kultur sollten öffentliche Räume für eine gewisse Zeit kostenlos zur Verfügung stehen. Und Kitas und Schulen haben diesmal absolute Priorität. Besonders wichtig ist aber, dass jetzt bereits parallel zu allem ein Plan B erarbeitet wird für den hoffentlich nicht eintretenden Fall massiv steigender Inzidenzen. Wir müssen ausgeklügelte Hygienekonzepte in der Schublade haben, um dieses Mal weitere Lockdowns zu verhindern. 

Hermann Schludi, SPD:

Hermann Schludi

Für unsere Vereine
müssen Alternativen geschaffen werden.“

Hermann Schludi

Betroffen von den Auswirkungen der Pandemie ist vor allem die Branche der Gastronomie, des Einzelhandels und der Kultur. Die Corona-Hilfen wurden leider zu spät ausgezahlt. Für die Abfederung der Corona Folgen ist der weitere Ausbau der Digitalisierung unbedingt erforderlich. Die Wirtschaftsförderung muss die Betroffenen beratend begleiten. Kultur ist mit ihren Angeboten wichtig, um wieder menschliche Begegnungen zu ermöglichen. Wir müssen die Funktion von Kultur und Stadtentwicklung, Öffentlichkeit und Demokratie und Zusammenhalt in der Gesellschaft neu gestalten. Wir dürfen nicht nur auf Schutzkonzepte und temporäre staatliche Hilfeleistungen setzen, sondern höhere Akzeptanz von Kultur in unserer Gesellschaft schaffen. Für unsere Vereine müssen Alternativen geschaffen werden, um die vielen ausgefallenen Veranstaltungen und den finanziellen Ausfall für die Vereinskassen zu kompensieren. 

Thomas Rühl, Freie Wähler:

Thomas Rühl

Es braucht eine Rückkehr zu Vor-Coronazeiten.“

Thomas Rühl

Dazu braucht es wieder eine ohne Erschwernisse geöffnete Gastronomie, die sich mit den Innenstadtgeschäften wieder zu einer lebendigen Stadt verbindet. Wir brauchen Bürger, die wieder in den örtlichen Geschäften aus einem attraktiven Angebot ohne Erschwernisse auswählen und einkaufen können - anstelle von zahllosen Bestellungen bei Amazon & Co. Es braucht wieder Theater und Konzerte und gemeinsame große Feste, um den Zusammenhalt der Bürgerschaft wieder zu festigen. Es braucht wieder ein unbeschwertes Vereinsleben und Vereinsfeste ebenso wie Dorffeste ohne Corona-Reglementierungen. Wir brauchen mehr Aufenthaltsqualität in der Innenstadt auch außerhalb der Gastronomiebereiche. Und in einer durch die Coronamaßnahmen gespaltenen Bürgerschaft brauchen wir wieder mehr Toleranz und Verständnis untereinander. Kurzum: Es braucht eine Rückkehr zu Vor-Coronazeiten.

Ilse Schmelzle, FDI:

Ilse Schmelze

Unverständlich, dass noch so viele Menschen nicht geimpft sind.“

Ilse Schmelze

Es ist mir unverständlich, dass immer noch so viele Menschen nicht geimpft sind oder nicht sein wollen. Ich begrüße, dass Impfgegner die Tests bald selbst bezahlen müssen. Man sollte auch dringend die Jugend ab zwölf Jahren impfen. Denn die Corona-Krise trifft ja jetzt auch Jüngere. Außerdem muss man weitere Schulschließungen verhindern. Man muss die Bürger besser informieren, wie gut die Impfung vor Corona schützt. In den Tageszeitungen sollte man durchaus erschreckende Bilder von Infizierten zeigen. Wenn das auch nicht fruchtet, muss man am Ende Freiheitsbeschränkungen für Ungeimpfte einführen. Ansonsten lassen sich Wirtschaft, Kultur und öffentliches Leben nicht stärken.

Dr. Frank Gläser, AfD:

Dr. Frank Gläser

Wir müssen und können mit Corona leben lernen.“

Dr. Frank Gläser

Die Verödung der Innenstädte ist ein generelles Problem der sogenannten ersten Welt, erheblich verschlechtert durch die Coronamaßnahmen, die im internationalen Vergleich wenig gebracht, aber der dritten Welt schwer geschadet und dort für Hunger gesorgt haben. In Aalen gibt es seit Langem sehr erfolgreiche Programme zur Attraktivitätssteigerung der Stadt, zum Beispiel „Aalen blüht“. Aktuell ist das ausgebaut worden und um befristetes kostenfreies Parken erweitert, das allein schon 45 000 Euro Einnahmeverluste bedeutet. Wir sollten unseren Teil dazu beitragen, die Folgen eventuell weiterer oder erneuter zentral diktierter Einschränkungen im Rahmen unserer Möglichkeiten zu minimieren. Wir müssen und können mit Corona leben lernen wie mit anderen Infektionskrankheiten. Ich fordere mehr Freiheit und Eigenverantwortung für die Bürger anstatt staatlicher Bevormundung und rationale ideologiefreie Entscheidungen.

Christa Klink, Linke:

Christa Klink

Die Ortsmitten können mit Kunst belebt werden.“

Christa Klink

Bildungslücken und Beeinträchtigungen bei Kindern und Jugendlichen müssen aufgearbeitet, Versäumtes nachgeholt, Perspektiven und Zusammengehörigkeit vermittelt werden. Internet und Luftreinigungstechnik sind wichtig, aber gute Pädagogik und Zuwendung muss Priorität haben. Dazu muss mehr für Personal investiert werden. Dasselbe gilt für Klinik und Pflege, aber mehr Personal gibt es nur mit besserer Bezahlung und guten Arbeitsbedingungen. Damit Handel und Gastronomie nicht weiter in Stadt und Land verschwinden, müssen wir Impfbereitschaft fördern und für wirksame Hygieneregeln sorgen. Finanzielle Unterstützung muss weiteres Sterben der Ortskerne verhindern. Grundsätzlich müssen die steuerlich und wirtschaftlichen Vorrechte der Versandkonzerne beendet werden. Die Ortsmitten können mit Kunst, wie jetzt in Aalen, mehr belebt werden, das führt die Menschen zusammen und macht Lust auf Kultur.

Thomas Wagenblast, CDU:

Thomas Wagenblast

Nach den Lockdowns ist „Gemeinsam statt Einsam“ das Motiv.“

Thomas Wagenblast

Ein wichtiger Punkt nach der Corona-Pandemie ist, dass der Zusammenhalt in der Gesellschaft wieder wachsen muss. Nach den Lockdowns, nach Isolierung und Quarantäne ist „Gemeinsam statt Einsam“ das Motiv. Dazu braucht es Begegnungsmöglichkeiten: Dies betrifft das Vereinswesen, die Kultur und den Sport. Hier muss die Stadt mit einer starken Ehrenamtskoordination unterstützen, um das Ehrenamt wieder in Gang zu bringen. Die vorgeschlagene Kürzung der Übungsleiterpauschale war genau das Gegenteil, deshalb haben wir sie abgelehnt. Als Begegnungsort brauchen wir auch eine attraktive und zugängliche Innenstadt: Dies betrifft die Wege in die Innenstadt - vom Auto, mit dem ÖPNV und dem Fahrrad oder zu Fuß. Dazu gehört auch eine hohe Aufenthaltsqualität mit Blick auf Grünflächen, Spielmöglichkeiten, erlebbares Wasser sowie innovative Konzepte für den Innenstadthandel in Zusammenarbeit mit dem ACA.

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