Damit die Innenstadt nicht stirbt

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Aktionen wie Aalen City blüht oder Musik vom Rathausdach, Abschaffung der Maskenpflicht, bessere Erreichbarkeit: Das sind einige Ideen zur Stärkung der Innenstadt. Archivfotos: opo, hag; Grafik: ca
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Wie die Einzelhändler unterstützt werden können und das Aalener Städtle noch attraktiver werden kann. Darauf antworten die Fraktionssprecherinnen und -sprecher. 

Aalen. Schon vor Corona sind für Einzelhändler harte Zeiten angebrochen. Immer wieder musste die SchwäPo über Schließungen in Aalen berichten. Spielwaren Wanner, Leder Böhringer, Bücher Jahn: Das sind nur drei von vielen Geschäftsaufgaben in den vergangenen Jahren. Viele Kunden kaufen inzwischen lieber im Online-Handel statt vor Ort ein und finden es dann schade, wenn die Innenstädte sterben. Ein Trend, den die Corona-Krise noch verstärkt hat. Hinzu kommt, dass so mancher dank Kurzarbeit weniger Geld zum Ausgeben hat oder sich Sorgen um die Zukunft macht und große Anschaffungen daher lieber verschiebt. Die Fraktionssprecherinnen und -sprecher im Aalener Gemeinderat antworten auf die Frage:

Wie kann man die Einzelhändler in schwierigen Zeiten unterstützen? Wie kann die Innenstadt noch attraktiver werden?

Thomas Wagenblast (CDU)

Es braucht weitere Verbesserungen, die die Aufenthaltsqualität steigern.

Thomas Wagenblast CDU

Die Innenstadt ist ein Aushängeschild von Aalen. Hier fühlen wir uns wohl und können Heimat genießen. Deshalb ist es wichtig, die Innenstadt und die Gastronomie sowohl mit kurz- als auch langfristigen Maßnahmen zu unterstützen. Kurzfristig können wir das Innenstadtmarketing mit Aktionen steigern, die an die Corona-Pandemie angepasst sind. Deshalb hat sich die CDU dafür eingesetzt, dass die Aktion Aalen City blüht auf jeden Fall umgesetzt wird. Langfristig müssen wir dafür sorgen, dass die Innenstadt attraktiv bleibt. Es braucht weitere Verbesserungen, die die Aufenthaltsqualität steigern, zum Beispiel Sitz- und Verweilmöglichkeiten sowie Spielgeräte für die Kinder. Wichtig wäre zum jetzigen Zeitpunkt, den Tourismus in der Region weiter zu stärken und die vorhandenen Potenziale sinnvoll auszuschöpfen. Urlaubs- und Ausflugsgäste sind gerade für Einzelhandel und Gastronomie sehr wertvoll.

Michael Fleischer (Grüne)

Für die Samstage wünschen wir uns ein kostenloses ÖPNV-Marktticket.

Michael Fleischer Grüne

Der Gemeinderat hat einmütig ein Handlungsprogramm Innenstadt mit einer Vielzahl von Maßnahmen unterstützt. Begrünungsaktionen, Sitz- und Aufenthaltsmöglichkeiten gehören dazu wie Veranstaltungen und eine verbesserte Erreichbarkeit der Stadt mit dem ÖPNV oder Rad. Das Wichtigste ist aber, dass die Einhaltung der Corona-Regeln gewährleistet wird, denn nichts würde die Händler mehr treffen als ein zweiter Lockdown. Für die schwierigere kalte Jahreszeit sollten wir uns Aktionen überlegen, die die Stadt nicht nur am Wochenende, sondern auch an schwächeren Einkaufstagen attraktiv machen, um Besucherströme zeitlich besser zu verteilen. Unterstützend könnten wir uns eine Online-Plattform der Stadt vorstellen, die es Einzelhändlern und Gastronomen erleichtert, ihre Angebote regional auch über das Internet zu vertreiben. Für die Samstage wünschen wir uns ein kostenloses ÖPNV-Marktticket.

Hermann Schludi (SPD)

Schaffung zusätzlichen Wohnraums macht das Zentrum noch attraktiver.

Hermann Schludi SPD

Nach Wochen der Schließung zahlreicher Geschäfte und der Gastronomie ist eine einladende Innenstadt wichtig. Aktionen wie "Aalen City blüht" oder "Musik vom Rathausdach" und die geplanten kleinen Konzerte in der Fußgängerzone sind ein wichtiger Baustein. Die Menschen sehnen sich nach Abwechslung und zugleich nach Normalität. Initiativen wie die Gastronomiegutscheine für Jubilare der Stadt Aalen oder die Gutscheine von Arbeitgebern an Mitarbeiter, können eine große Hilfe sein, den Umsatz anzukurbeln. Der Zusammenhalt aller Bürgerinnen und Bürger muss jetzt groß geschrieben und der lokale Handel gefördert werden. Viel Grün, Sitzbänke und Spielmöglichkeiten für Kinder, aber auch Sauberkeit und die Erstattung von Bus- und Parktickets sind für einen Einkauf in der Innenstadt wichtig. Die Schaffung zusätzlichen Wohnraums macht das Zentrum noch attraktiver.

Thomas Rühl (Freie Wähler)

Die radikalste Sofortmaßnahme wäre die Abschaffung der Maskenpflicht.

Thomas Rühl Freie Wähler

Die Einzelhändler könnte man am besten unterstützen, indem die Verbraucher dort wieder vermehrt einkaufen. Dort und nicht im Internet. Aber gerade der Internethandel ist durch die Coronakrise massiv forciert worden. Die Innenstadtakteure und die Innenstadtvereine im Zusammenspiel mit der Stadt könnten sicher wieder mehr Leute in die Stadt bringen. Mit Events und Verkaufsaktionen. Man kann Angebote ausweiten, sodass sie wirklich jeden Bedarf auch in Aalen abdecken. Man könnte mit angenehmeren und zahlreicheren Sitzgelegenheiten sicher mehr Menschen in die Innenstadt locken. Aber ob die Verbraucher, die zum Beispiel wegen Kurzarbeit spürbar weniger Geld zur Verfügung haben, dann auch wirklich bei den Einzelhändlern einkaufen? Die radikalste Sofortmaßnahme wäre die Abschaffung der Maskenpflicht in den Geschäften – aber das wird wohl auf längere Zeit hinaus Utopie bleiben.

Ilse Schmelzle (FDI)

Kleinere Händler sollten mithilfe eines Digital-Beraters unterstützt werden.

Ilse Schmelzle FDI

Die Einzelhändler leiden sehr darunter, dass die Kunden in der Zeit des "Shutdowns" nicht zum Einkaufen in die bekannten Geschäfte kommen konnten. Deshalb wurde bei Bedarf über das Internet eingekauft. Damit die Kunden wieder vermehrt in Aalen einkaufen, sollten die städtischen Einzelhändler auch Einkauf über das Internet anbieten, kleinere Händler sollten dabei mithilfe eines Digital-Beraters unterstützt werden. Bei Einkäufen in großen Geschäften muss man darüber nachdenken, ob hier nicht die Maskenpflicht gelockert werden kann, wenn die Abstände eingehalten werden können. Außerdem müssen wir alle uns besinnen, verstärkt in der eigenen Stadt einzukaufen und in den Restaurants vor Ort zu konsumieren, statt in Metropolen das Geld auszugeben. Die Aktivitäten Aalen City blüht und die vielen Sommer-Sonder-Angebote sind hilfreich. Das Kopfsteinpflaster ist endlich zu sanieren.

Dr. Frank Gläser (AFD)

Menschen wollen kurze Wege zwischen Einkauf und Auto.

Dr. Frank Gläser AFD

Entscheidend wäre für uns die Beendigung der Coronamaßnahmen samt Maskenpflicht. Das ist leider nicht auf kommunaler Ebene entscheidbar. Für viele Mitbürger und auch für mich bedeuten die Einschränkungen, dass ich das Unabdingbare einkaufe, aber nicht bummeln gehe. Solange das anhält, werden Handel und Gastronomie weiter kümmern. Die Stadt muss sauber, sicher und vertraut sein. Die Stigmatisierung des Autoverkehrs ist zu beenden. Dazu gehören auch keine weiteren Tempo-30-Zonen und Blitzer. Die An- und Abfahrt darf kein Spießrutenlauf sein. Menschen aus dem Umfeld, aber auch der Stadt, kommen zum Einkauf vorzugsweise mit dem Pkw und wollen kurze Wege zwischen Einkauf und Auto. Da möchten die Meisten nicht bepackt ÖPNV oder gar Rad fahren. Die Parkmöglichkeiten sind zu verbessern und es sollte generell ein kostenfreie Parkzeit von zum Beispiel 30 Minuten geben.

Christa Klink (Linke)

Die Ansiedlung von Amazon in unserer Region sollte verhindert werden.

Christa Klink Linke

Der Einzelhandel kämpft schon seit Jahren gegen ein verändertes Kaufverhalten und darf nicht weiter geschwächt werden. Die Innenstadt lebt vom Einzelhandel mit Nahversorgung und als Treffpunkt für Menschen. Unter einem kommunalen Rettungsschirm sind Zuschüsse, Kredite und Mietminderung statt Schließung für Einzelhandelsgeschäfte zu gewähren. Der Onlinehandel darf nicht weiter gefördert werden. Die Ansiedlung von Amazon in unserer Region ist das falsche Signal für unsere Innenstädte und sollte verhindert werden. Die Aufenthaltsqualität kann noch verbessert werden: mehr Sitzgelegenheiten für Besucherinnen und Besucher, auch mit Beschattung. Kostenlose Trinkwasserbrunnen oder Wasserspender, in vielen Städten üblich, machen den Aufenthalt angenehmer und dämmen den Gebrauch von Einwegflaschen. Wer sich entspannt aufhalten kann, nimmt auch Angebote in der Innenstadt wahr.

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