Guten Morgen:

Darf man jetzt fröhlich sein?

+
Chefredakteur Lars Reckermann
  • schließen

Lars Reckermann über Frohsinn in Krisenzeiten.

Ich bin hin- und hergerissen. Unsere kleine Glosse namens „Guten Morgen“ an jedem Morgen und an dieser Stelle soll die Leserinnen und Leser auf einen fröhlichen Tag einstimmen. Ich sitze hier vor dem leeren Bildschirm und mir will heute partout nichts einfallen. Wir haben wieder einen Krieg vor der Haustür. Während Putin seinen Einmarsch in die Ukraine fortsetzt und Menschen sterben, soll ich zumindest punktgenau geistreich und witzig sein. Darf man das überhaupt? Jetzt? In diesen Zeiten? Ich sage ja. Ich persönlich will und brauche die Fröhlichkeit. Fröhlich sein, sollte nie moralisch verwerflich sein. Damit entwerte ich nicht die Tragik um die schrecklichen Ereignisse. Ich sammeln vielmehr Kraft für all das, was noch kommen mag. Haben Sie mitbekommen, dass gerade in Russland die Restaurantkritiken extrem zunehmen? Über Google wird erst das Essen gelobt, dann Putin aufgefordert den Krieg zu beenden. So soll die russische Zensur umgegangen werden. So steht da als eine Restaurantbewertung: "Das Essen war super. Leider hat Putin uns den Appetit verdorben, als er die Ukraine angegriffen hat. Lehnt euch gegen euren Diktator auf, stoppt den Mord an unschuldigen Leuten.“ Das finde ich zumindest geistreich.

Zurück zur Übersicht: Aalen

Mehr zum Thema

Kommentare