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Das große Krabbeln

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Anja Müller über naturnahes Gärtnern und Natur, die zu viel Nähe sucht

Ja, diese Wildblumen lassen wir mitten im Rasen stehen, damit die Bienen eine Weide haben und Käfer und anderes Getier dort Unterschlupf finden, sagt der Gartenbesitzer tapfer zum Etepetete-Besuch, für den nichts anderes in Frage kommt als dichtes, sortenreines Vier-Millimeter-Grün. Schon weniger Mäharbeit, gewinnen die Gäste dem Wildwuchs dennoch höflich etwas Positives ab. Das schon, sagt, der Insektenmann. Aber von seligem Nichtstun kann beileibe keine Rede sein, im Gegenteil, soviel Naturnähe ist Stress pur. Statt des Rasenmähers nennt er nun ein Marmeladenglas samt einem Stück Karton als Abdeckung sein wichtigstes Werkzeug. Denn dass das Krabbelgetier sich Lebensraum über das wilde Wiesle hinaus erschließt, davon zeugen mehrmals täglich hysterische Rufe der Hausbewohner. Und während selbst der englischste aller Rasen auch mal auf die nächste Schur warten kann, ist diesen Hilfeschreien Folge zu leisten. Sofort. Darüber hinaus gilt: Klappe halten. Herablassende Bemerkungen über die Definition von "riesengroß", "wahnsinnig schnell" und "so eklig" werden nicht geduldet.

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