Das Pfingstwunder in Blau auf der Aalener Heide

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Georg Sternbacher hat das Thema Pfingsten im 1986 eingeweihten ökumenischen Gemeindezentrum Peter und Paul auf der Heide realisiert. Der 1995 verstorbene Unterriffinger Künstler hat dort in drei Glasfenstern dem Heiligen Geist Form und Farbe verliehen.
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Georg Sternbacher hat dem Heiligen Geist in drei Glasfenstern im ökumenischen Gemeindezentrum Peter und Pau Form und Farbe verliehen.

Aalen

Pfingsten, dieses Hochfest feiern – neben Weihnachten und Ostern – die Christen an diesem Sonntag. Es gilt als der Geburtstag der Kirche, als Fest des Heiligen Geistes. Viele wissen, dass Pfingsten mit dem Heiligen Geist zu tun hat. Doch für die meisten bleibt das Verhältnis zum Heiligen Geist ein abstraktes. Damit sind sie sogar in bester Gesellschaft. In der Apostelgeschichte fragt Paulus die Anhänger Jesu, ob sie den Heiligen Geist empfangen hätten; er erhält als Antwort: „Wir haben noch nicht einmal gehört, dass es den Heiligen Geist gibt.“

Dass Pfingsten ein eher „sperriges Fest“ ist, zeigt sich auch in der Kirchenkunst. Zwar gibt es diverse Kirchen, die den Namen „Heilig Geist“ tragen, etwa in Ellwangen, doch das Pfingstwunder ist in vergleichsweise wenigen Gotteshäusern künstlerisch dargestellt. Im Gegensatz dazu findet man in zahlreichen Kirchen Fresken oder Glasfenster zur Auferstehung (Abteikirche Neresheim) oder zu Christi Himmelfahrt (Stadtkirche St. Nikolaus in Aalen).

Einer, der sich mit dem schwierigen Thema Pfingsten befasst hat, ist Georg Sternbacher. Der 1995 verstorbene Unterriffinger Künstler hat im ökumenischen Gemeindezentrum auf der Heide in Aalen dem Pfingstwunder in drei Glasfenstern Farbe und Form gegeben. Dabei hat Sternbacher nicht die klassischen pfingstlichen Symbole wie die Taube, das Feuer, Flammen oder den Wind gewählt. Er hat in seiner modern interpretierten Pfingstsymbolik vor allem mit der Farbe blau „gespielt“ und damit der Kraft des Glaubens, für die der Heilige Geist steht, Ausdruck verliehen.

Siegfried Leidenberger, der Mitautor des 2016 erschienen Buches „Evangelische Kirchenbauten im Dekanat Aalen“ hat sich mit dem Gemeindezentrum und dessen Glasfenster intensiv beschäftigt. Ihn persönlich spricht das Fenster in der Gebäudeecke links vom Tabernakel besonders an. „Gerade zu Pfingsten verkörpert es wunderbar die Lebenszusage Gottes an die Menschen“, stellt Leidenberger fest.

Georg Sternbacher habe die Fenster in fünf Teile gegliedert. Unten, „im Ursprung“, dominiert das dunkle Blau. „Daraus erwächst – fast in der Mitte – das Leben und strebt nach oben, dem Hellen entgegen'“, interpretiert der Architekt und ehemalige Ellwanger Stadtbaumeister das Fenster rechts vom Altar. Dunkelblau stehe für die Taufe, das Hellblau in den drei oberen Teilabschnitten für den Himmel und die Ewigkeit. „Dazwischen entfaltet sich mit in der Zusage des Heiligen Geistes in Rot das Leben“, urteilt Leidenberger. Der Heilige Geist begleite die Gläubigen bei ihrem Weg auf dieser Erde vom Anfang bis ans Ende. „Auch wenn es zu Brüchen und Verwerfungen in unserem Leben kommt, er ist immer da und hilft, das Ziel vor Augen zu haben“, beschriebt Leidenberger die Intention des Künstlers weiter. Dabei erinnert der Kirchenkunst-Experte auch an das Gleichnis mit dem Weizenkorn und den Ähren: Man höre das Wort Jesu und es trage Frucht. Leidenberger interpretiert die feinen Linien ab dem zweiten Fensterteil als solche Ähren.

„Sicher kann jeder für sich anderes und noch viel mehr aus der Symbolik dieses Kunstwerkes interpretieren“, betont Siegfried Leidenberger. Inspirierend seien die drei Fenster von Georg Sternbacher auf jeden Fall.

Dazwischen entfaltet sich mit in der Zusage des Heiligen Geistes in Rot das Leben.“

Siegfried Leidenberger, Architekt

Georg Sternbacher und das Hochfest Pfingsten

Georg Sternbacher (1933-1995) hat im Betrieb seines Vaters in Unterkochen eine Ausbildung zum Kunstglaser absolviert. Bedeutender Teil seines Werks als freischaffender Künstler ist die Kunst am Bau; sowohl in öffentlichen als auch in kirchlichen Gebäuden. Zu Letzterem zählt das ökumenischen Gemeindezentrum Peter und Paul, wo Sternbacher neben Altar, Ambo und Tabernakel auch drei Glasfenster geschaffen hat.
Der Pfingstsonntag ist der 50. Tag nach Ostern und gleichzeitig das Ende der Osterzeit. Die Christen feiern an Pfingsten die Entsendung, die Ausgießung, des Heiligen Geistes. Das Wort Pfingsten, das seinen Ursprung im Judentum hat, geht auf den griechischen Begriff „Pentekoste“ zurück, der für „fünfzig“ steht.

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