Adventskalender, die fünfte Tür

Den Blick auch auf andere Dinge lenken

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Ich habe den Satz einer 90-Jährigen noch gut im Ohr. Er geht mir in diesen Tagen immer wieder durch den Kopf: "Man muss bloss warta könna!" ."Bloß" ist gut.

Ich habe den Satz einer 90-Jährigen noch gut im Ohr. Er geht mir in diesen Tagen immer wieder durch den Kopf: "Man muss bloss warta könna!" ."Bloß" ist gut. Wir wissen alle, wie schwer dieses "Bloß" ist. Denn das Wartenmüssen fällt vielen schwer und in diesen Tagen ganz besonders. Ich selbst bin schlecht im Warten und ich erinnere mich, wie ich vor Jahren mal einen Chefarzt nach vier Stunden Wartenmüssen angeblafft habe. Wenn die Ungeduld wächst, vergisst man zuweilen die Manieren. In den Liedern der Adventszeit finde ich meine Sehnsucht nach Öffnung und meine Ungeduld wird zum Ausdruck gebracht: "Macht hoch die Tür, die Tor macht weit" oder beinahe gewaltsam dränglerisch: "O Heiland, reiß die Himmel auf". Das Christentum ist, und das zeigt sich im Advent, eine Warte-Religion, die sich im Zuwarten übt. Wir müssen noch warten, auch wenn die Forscher und Virologen pressiert haben, um einen Impfstoff zu entwickeln. Und wenn wir Gott fragen, wie wir die Corona-Zeit vollends überstehen können, was sagt er wohl dann: "Du musst bloß warten können!" Uwe Quast, Pfarrer

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