Der Aalener Steg bleibt ein Kostenrisiko

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Der Sobek-Steg in der geänderten Version. Der Aufzug ist nach aktuellem Plan nur noch oben verglast. Das soll Kosten sparen. Trotz solcher Sparmaßnahmen steigen die Kosten für das Projekt immer weiter. Visualisierung: Sobek
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Nach aktuellem Stand kostet das Projekt 10,39 Millionen Euro. Eventuell kommen weitere Kosten wegen des Ukrainekriegs hinzu.

Aalen. Einst war die Rede von 6,57 Millionen Euro. So viel sollte der geplante Fußgängersteg über die Bahngleise bis vor etwa einem Jahr noch kosten. Im Mai 2021 hat der Gemeinderat dann Kosten von 8,71 Millionen Euro zugestimmt. Eine Kostensteigerung, obwohl Architekt Werner Sobek eine abgespeckte Version des Projekts im Gremium präsentierte. „Leider sind die Preise für Rohstoffe (insbesondere Stahl und Holz) auf dem Weltmarkt in den letzten Monaten gestiegen“, hieß es in der Sitzungsvorlage damals.

Die nächste Kostensteigerung wurde im September 2021 bekannt. Der Gemeinderat wurde per E-Mail über den damaligen Gesamtprojektkostenstand in Höhe von circa 9,3 Millionen Euro informiert.

Eine weitere Kostensteigerung ließ nicht lange auf sich warten. Im März dieses Jahres informierte Oberbürgermeister Frederick Brütting über den aktuellen Stand: 10,39 Millionen Euro.

Endgültig fertiggestellt ist der Fußgängersteg voraussichtlich im Februar oder März

Karin Haisch, Pressesprecherin Stadt Aalen

Vergaben werden teurer: Der Ausschuss für Umwelt, Stadtentwicklung und Technik (AUST) beschäftigt sich an diesem Donnerstag, 5. Mai, ab 15 Uhr im Rathaus wieder mit dem Thema Steg. Auf der Tagesordnung steht die Vorberatung zu den beiden letzten großen Vergaben. Es geht um die Förderanlagen und die Fassadenbauarbeiten. Die Firma ATH GmbH & Co. KG bietet als günstigste Bieterin die Förderanlagen für rund 400 000 Euro an. Rund 80 000 Euro mehr als das Büro Sobek errechnet hatte. Die Firma Lacker GmbH bietet an, für rund 380 000 Euro die Fassadenbauarbeiten zu erledigen. Rund 170 000 Euro mehr als das Büro Sobek gedacht hatte.

Puffer einberechnet: An den Gesamtkosten für den Steg von 10,39 Millionen Euro ändert sich laut Sitzungsvorlage durch diese Mehrkosten nichts. „Für die einzelnen Gewerke wurden vorausschauend, prozentual zur Auftragssumme, finanzielle Puffer in Höhe von rund 616 000 Euro angenommen, welche in den rund 10,39 Millionen Euro enthalten sind“, heißt es da. Die Summe umfasse die aktuellen Gesamtkosten des Bauvorhabens von den ersten Planungskosten bis zu den prognostizierten Fertigstellungskosten. In Karin Haischs Worten heißt das: „In den Kosten sind die Ausschreibungsergebnisse sowie noch zu erwartende Ausgaben enthalten.“ Außerdem sind der städtischen Pressesprecherin zufolge „die derzeit nur schwer abschätzbaren kriegsbedingten Kostensteigerungen berücksichtigt“.

Kosten wegen Krieg unsicher: Dass es aber künftig noch zu weiteren Kostensteigerungen kommen kann, will die Stadtverwaltung nicht ausschließen. In der Sitzungsvorlage heißt es dazu: „Aufgrund des anhaltenden Krieges in der Ukraine und den damit verbundenen hohen und unvorhersehbaren Rohstoff- und Energiekosten bestehen weiterhin Kostenrisiken.“

Zuschüsse noch nicht bewilligt: 700 000 Euro Fördergeld vom Land für die Planungskosten sind bereits geflossen. Ob es weitere Zuschüsse gibt, ist im Moment noch unklar. Bei einem Gespräch mit dem Hischbachclub im März war Oberbürgermeister Frederick Brütting noch davon ausgegangen, dass der Förderantrag abgelehnt wird. Als die SchwäPo tags darauf beim zuständigen Ministerium nachhakte, hieß es von dort, dass die Entscheidung noch nicht gefallen sei. Zum aktuellen Stand sagt Karin Haisch: „Hierzu gibt es keine neuen Informationen, nach wie vor stehen wir dazu in Kontakt mit dem Land.“ Der OB werde am Donnerstag in der Sitzung des AUST dazu berichten.

Große Gewerke erledigt: Der Gemeinderat entscheidet in der Sitzung am Donnerstag, 19. Mai, über die Vergaben. Auf die Frage, ob noch weitere Ausschreibungen für weitere Gewerke folgen, antwortet die städtische Pressesprecherin Karin Haisch: „Alle Hauptgewerke sind nach dem Beschluss des Gemeinderats im Mai 2022 vergeben.“ Kleinere Arbeiten, wie Prüfungen oder Gutachter seien aber teilweise noch zu beauftragen.

Steg soll Ende des Jahres stehen: Bereits Anfang April hat laut Karin Haisch die Produktion des Überbaus begonnen. Auch die Stützen werden schon hergestellt. Mitte Mai soll es dann an der Baustelle vor Ort in Aalen losgehen. „Wir rechnen bis Ende dieses Jahres mit einer Fertigstellung des Brückenbauwerks, allerdings ohne Fassadengestaltung“, sagt Karin Haisch. „Endgültig fertiggestellt ist der Fußgängersteg voraussichtlich im Februar oder März 2023.“

Ein umstrittenes Projekt

Der Gemeinderat hat den Bau des Stegs mehrheitlich beschlossen. Teile des Bauwerks werden schon vorproduziert. Baubeginn vor Ort ist Mitte Mai. Von den 10,39 Millionen Euro Gesamtkosten sind laut Stadtverwaltung bereits rund 8,9 Millionen ausgegeben oder vertraglich gebunden.

Das Projekt ist bis heute umstritten. Gegner kritisieren die hohen Kosten und bezweifeln, dass es die Überführung vom Stadtoval Richtung Innenstadt überhaupt braucht, da es in der Nähe bereits zwei Unterführungen unter den Bahngleisen gibt. Kritiker bemängeln außerdem, dass vom Steg kein direkter Zugang zu den Bahnsteigen möglich ist. 

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