Der etwas andere Volkstrauertag am Schubart-Gymnasium

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Oberstudienrat Sascha Lichter bei der Gedenkstunde zum Volkstrauertag am Aalener Schubart Gymnasium.
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Wie Schülerinnen und Schüler sich mit Propaganda und Krieg beschäftigen.

Aalen. Gedenktag etwas anders: 60 Schülerinnen und Schüler der Kursstufe II des Schubart-Gymnasiums haben sich aus Anlass des Volkstrauertags in besonderer Weise mit dem Zweiten Weltkrieg und dem Schicksal des „Aalener Bua“ Willi Klumpp beschäftigt. Ihre Eindrücke und Gedanken stellten sie bei einer Gedenkfeier in der Aula vor.

Initiiert hatte die Veranstaltung OB Frederick Brütting, den SG-Direktorin Christiane Dittmann als Gast begrüßte. Sie lobte: Er nehme damit Jugendliche bewusst in den Blick, gebe ihnen eine Stimme, zum Beispiel durch die Schaffung des neuen Jugendgemeinderats, und ermuntere sie, ihre Zukunft aktiv mitzugestalten.

Brütting betonte in seiner Begrüßung, dass der aktuelle Krieg in der Ukraine „uns auch in Aalen“ betreffe. Unter anderem, weil die Kocherstadt inzwischen 500 Geflüchtete aus der Ukraine aufgenommen habe. Es sei wichtig, „sie als Teil unserer Stadt zu begreifen“. Brütting sieht den Volkstrauertag als Tag der Erinnerung, aber auch als Impuls: sich Gedanken über das Miteinander zu machen und darüber, wie man die Demokratie wehrhaft machen könne. Und zu begreifen, „dass wir Teil der Geschichte sind und Geschichte verändern können“.

Die Schülerinnen und Schüler hatten sich mit ihren Lehrern, den Oberstudienräten Sascha Lichter und Thomas Groll, intensiv mit Krieg, mit Erinnerungsstätten in Aalen an die Kriege und ganz besonders mit dem Leben von Willi Klumpp auseinandergesetzt. Der wurde 1920 in Aalen geboren, machte 1939 an der damaligen Schubartoberschule Abi und starb 1941 im Krieg vor Moskau. Als Quellengrundlage für dessen Vita dienten Unterlagen aus dem Aalener Stadtarchiv - vor allem Briefe, in denen Willi ab 1939 von seinen Erlebnissen als Soldat berichtet. Stadtarchivar Dr. Georg Wendt gab in der Gedenkstunde einen Abriss über Willi Klumpps Jugend anhand von Bildern und Aufzeichnungen. Mucksmäuschenstill war es im Saal, als Wendt aufzeigte, wie der Junge zwar in einem bildungsbewussten Elternhaus aufwuchs, aber dennoch unter nationalsozialistischer Indoktrination zum „verblendeten jungen Mann“ wurde.

Sein Schicksal zeige, „welchen Einfluss Propaganda hat“ und „wie schwer es ist, sich zu entziehen“, äußerten Schülerinnen in der anschließenden Diskussion. Ein Schüler fragte zweifelnd: „Ist es möglich, effektiv gegen Propaganda vorzugehen, aber gleichzeitig Grundrechte zu gewährleisten?“ Manipulation der ganzen Bevölkerung wie bei den Nazis könne „immer wieder passieren. Wir müssen wachsam sein“, fanden andere. Oberstudienrat Lichter betonte in einem weiteren Impuls die Macht der Sprache. OB Brütting betonte, dass es einen Perspektivwechsel geben müsse: weg von den Tätern, hin zu den Opfern.⋌Bea Wiese

Stadtarchivar Dr. Georg Wendt in der Gedenkstunde zum Volkstrauertag am Aalener Schubart Gymnasium.
SG-Direktorin Christiane Dittmann in der Gedenkstunde zum Volkstrauertag am Aalener Schubart Gymnasium.
Gedenkstunde mit OB Brütting zum Volkstrauertag am Aalener Schubart Gymnasium.
Gedenkstunde zum Volkstrauertag am Aalener Schubart Gymnasium.
OB Brütting zu Besuch: Gedenkstunde zum Volkstrauertag am Schubart Gymnasium. Foto: Oliver Giers

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