Dewanger Landwirte: keine Solaranlagen auf Nutzflächen!

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Landwirte aus Dewangen wehren sich gegen Photovoltaikanlagen auf ihren Nutzflächen – wie hier am Stapfelbach.
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Inhaber von Milchviehbetrieben sprechen über ihre Sorgen und Nöte. Warum sie die Aalener Stadtverwaltung kritisieren.

Aalen-Dewangen

Dewanger Landwirte fühlen sich in ihrer Existenz bedroht, seit die Stadtverwaltung das Konzept für Freiflächen-Photovoltaik vorgestellt hat.

Wir sind alle betroffen, egal ob im Haupt- oder im Nebenerwerb“, sagt Helmut Sorg, der Kollegen zum Gespräch auf seinen Hof eingeladen hat. Mit dabei ist auch sein Sohn Lukas, der zuerst in der Industrie gearbeitet, dann eine landwirtschaftliche Lehre in Vollzeit absolviert hat und derzeit die Meisterschule in Kupferzell besucht. „Es geht um unser aller Existenz“, sagt Lukas Sorg.

Alle anwesenden Landwirte haben Milchviehbetriebe. Die Kritik aller setzt am Vorgehen der Stadt an. Ein Unding sei, dass das Gespräch nicht vorab mit den Betroffenen gesucht wurde und stattdessen ein teures Gutachten mit Steuergeldern in Auftrag gegeben worden sei. Auch hätte man erwartet, dass ein Vertreter der Stadt im Ortschaftsrat Stellung bezogen hätte.

Auf die Landwirtschaft prassle immer mehr ein, dabei solle der Flächenverbrauch doch reduziert werden, betont Helmut Sorg. Die Stadt habe in den vergangenen Jahren mindestens 120 000 Quadratmeter verbaut bei einem Zugewinn von knapp 100 Einwohnern.

Riha legt ein Schreiben des Landesbauernverbands zum Entwurf der Freiflächenöffnungsverordnung in Baden-Württemberg vor, die Photovoltaik-Projekte auf Acker- und Grünlandflächen ablehnt. Man könne und dürfe nicht in Bewirtschaftungsmöglichkeiten landwirtschaftlicher Unternehmen eingreifen, heißt es darin. „Wir sollen eingekreist werden, in Dewangen wird es nur noch spiegeln“, fürchten die Betroffenen.

Mit Argusaugen

Beklagt werden ständig neue Vorgaben für die Landwirtschaft. Flächen müssten extensiviert werden, Weidehaltung stehe auf der Agenda und Umweltauflagen. Zukünftig müsse man 25 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen wegen des Landschaftsschutzes aus der Produktion nehmen, blickt Helmut Sorg voraus. „Die Lobby für die Landwirtschaft wird immer kleiner“, sagt Simone Riha. In der Vergangenheit hätten Grundstücksbesitzer Photovoltaik-Projekte in Angriff nehmen wollen, aber sie seien nicht genehmigt worden. „Die Dewanger Landwirtschaft hat ihre Hausaufgaben gemacht“, stellt Edmund Abele fest. Dringlich sei die Vorlage eines Konzepts für jetzt auslaufende Anlagen. Man spreche immer nur von Naherholung und Wohnen, aber von der Existenzgrundlage der Bauern rede keiner, beklagt Simone Riha.

„Ich bin sehr enttäuscht“, sagt Robert Zeller. Nur wenige Tage vor der Ortschaftsratssitzung habe man von Helmut Stark erfahren, was ansteht.

Die Landwirte hätten sich eng vernetzt, man werde den weiteren Fortgang mit Argusaugen verfolgen, sagt Helmut Sorg.

Wir sind alle betroffen, egal ob im Haupt- oder Nebenerwerb.“

Helmut Sorg, Landwirt

Mehr Solaranlagen: Darum geht es

In Baden-Württemberg werden landesweit Zielvorstellungen formuliert, etwa 2 bis 3 Prozent der Landesfläche für erneuerbare Energien bereitzustellen, unter anderem für Freiflächen-Photovoltaik. Die Aalener Stadtverwaltung hat in den jüngsten Ortschaftssitzungen ein Konzept von potenziellen Standorten für Freiflächen-Photovoltaikanlagen vorgestellt - auch in Dewangen. Die Grafik oben zeigt, wo Potenzialflächen für Dewangen gesehen werden.

Die Grafik zeigt die möglichen Standorte für Freiflächen-Solaranlagen bei Dewangen. Quelle: Stadt Aalen/Grafik: ca

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