Die Widerstandskraft des Waldes stärken

Wald und Klimawandel in einem Vortrag bei der Versammlung des NABU Aalen.

Aalen. Zur Jahreshauptversammlung trat der NABU Aalen e. V. vor Kurzem zusammen. Maren Bretzger vertrat den erkrankten Vorsitzenden Guido Bretzger. Sie berichtete über die im Jahre 2021 durchgeführten Pflegearbeiten in den zahlreichen Schutzgebieten, die für die kleine Gruppe der Aktiven den größten Zeitaufwand erforderte. Die angebotenen Führungen, insbesondere die Heilkräuterwanderung, fanden großen Zuspruch. Außerdem konnte in Oberalfingen in Zusammenarbeit mit der Grundschule Hofen ein Bienenhotel gebaut werden.

Vortrag zum Klimawandel

Der Höhepunkt der Versammlung sei der Vortrag „Noch zu retten? Unsere Wälder im Klimawandel“ vom Landesvorsitzenden des NABU, Johannes Enssle gewesen, so der Bericht des NABU Aalen. In seinem Vortrag sprach Enssle über Klimawandel, Forstwirtschaft und Naturschutz im Wald.

Hitze, Trockenheit, Stürme, milde Winter, Krankheits- und Schädlingsbefall hätten den Wäldern in Deutschland stark zugesetzt. Der Klimawandel treffe auf einen geschwächten Wald, so Enssle. Kleinflächige Waldstücke, teilweise starke Bewirtschaftung und zu hohe Stickstoffeinträge machen dem Wald zusätzlich zu schaffen.

Als Konsequenz müssen wir die Widerstandskraft des Waldes stärken, wofür der Referent fünf entscheidende Punkte anführte: erstens eine naturnahe und schonende Waldbewirtschaftung, zweitens eine standortgerechte und vielfältige Baumartenauswahl. Eine konsequente Naturverjüngung nannte Enssle als dritten Punkt. Dies beinhalte auch die Rehwildbejagung, da bei zu hohen Populationen zu viele Triebe junger Bäume abgefressen würden. Der vierte Punkt sei der konsequente Rückbau von Entwässerungen. Fünftens dürfe die Holznutzung die Belastungsgrenzen des Ökosystems Wald nicht überschreiten.

Holz zu kostbar für den Ofen

Johannes Enssle legte mit aktuellen Zahlenwerten dar, dass es viel effizienter ist, mit Windenergie- und Photovoltaikanlagen Strom für die Wärmegewinnung zu produzieren, als Holz zu verbrennen. Die Strommenge und die so eingesparte CO2-Menge einer Windkraftanlage sind um ein Vielfaches größer, als durchschnittlich ein 1 Hektar Wald im Jahr an CO2 aufnehmen kann. Außerdem setze verbranntes Holz sein gespeichertes CO2 wieder frei und erfülle somit keine Speicherfunktion mehr. Hinzu komme, dass Feuerholz nicht mehr als Bau- und Konstruktionswerkstoff zur Verfügung stehe.

Die Artenvielfalt im Wald liefere einen sehr wichtigen Beitrag zur Stabilität dieses Ökosystems. Neben sehr großen und alten Bäumen seien stehendes und liegendes Totholz sehr wichtig, lichte Inseln genauso wie schattige Bereiche. Kleine Waldstücke müssten miteinander zu zusammenhängenden Gebieten vernetzt werden können.

Die Diskussion im Anschluss habe einmal mehr die komplexen Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Aspekten deutlich gemacht. Die Ambivalenz zwischen Ökonomie und Naturschutz bleibe weiter schwierig – die goldene Lösung gebe es nicht.

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