Kommentar Tobias Dambacher

Digitales Entwicklungsland

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über die Fehler bei der Erfassung der Corona-Zahlen

Die im November im Landratsamt gemachten Fehler bei der Erfassung der Zahlen für die Corona-Statistiken sind ärgerlich. Wer sagt, das darf nicht passieren, macht es sich aber zu einfach. Man muss schon genauer hinschauen. Es ist gut, dass die Landkreisverwaltung die Fehler öffentlich und transparent zugegeben hat. Es gilt nun, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Die Probleme traten auf, als der Ostalbkreis ein neues Erfassungssystem einführen musste – weil es nicht mehr anders ging. Ein Dreivierteljahr nach Beginn der Pandemie gibt es noch immer keine Entscheidung – geschweige denn Unterstützung – für ein einheitliches System in Deutschland – oder wenigstens in Baden-Württemberg. Während in Afrika das als Entwicklungshilfe in Deutschland entwickelte System Sormas gegen Ebola erfolgreich im Einsatz ist, basteln deutsche Verwaltungen aus der Not mit ungeeigneten Excel-Tabellen, kämpfen mit fehlenden zentralen Schnittstellen oder verschicken in manchen Landkreisen tatsächlich noch Faxe. Digitalisierung in Deutschland – auch im Jahr 2020 langsam und schwerfällig. Jetzt treten die strukturellen Schwächen offen zutage, kosten Nerven und Zeit, die für eine sinnvolle und effiziente Bekämpfung der Pandemie und ihrer Folgen fehlt. Die Landes- und Bundespolitik hat es versäumt, ihre kommunalen Verwaltungen digital fit zu machen – nicht nur mit Geld. Wir benötigen dringend digitale Entwicklungshilfe.

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