Dramatische Situation in den Kliniken

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Die Intensivstationen in den drei Kliniken im Ostalbkreis arbeiten am Limit. Von 35 Intensivbetten sind 32 belegt. Landrat Bläse bezeichnet die Situation als dramatisch.

Landrat Bläse appelliert Appell an die Bevölkerung: „An diesem Freitag sind unsere Intensivbetten an den Kliniken Ostalb fast alle belegt! Verzichten Sie auf risikoreiche Freizeitaktivitäten!“

Aalen

Die 7-Tage-Inzidenz im Ostalbkreis beträgt aktuell knapp 230, allein diesen Donnerstag waren 194 Neuinfektionen im Landkreis zu verzeichnen. Erschwerend kommt inzwischen hinzu, dass die 35 Intensivbetten in den Kliniken Ostalb an diesem Freitag nahezu belegt sind. Das Stauferklinikum in Mutlangen und die St. Anna-Virngrund Klinik in Ellwangen haben keine Intensivbetten mehr frei. Dies hat das Landratsamt am Freitagnachmittag mitgeteilt.

Konkret bedeutet das: Von den 35 Intensivpflegeplätzen sind 32 belegt, davon 23 mit Covid-19-Patienten, wovon inzwischen zwölf beatmet werden müssen. Was in den vergangenen Wochen immer deutlicher wurde: Das Alter der stationär aufgenommenen Covid-19-Patienten sinkt. Immer mehr Erkrankte zwischen 50 und 70 Jahren müssen hospitalisiert, also in einer Klinik behandelt werden.

Landrat: Auf risikoreiche Freizeitaktivitäten verzichten

Angesichts dieser dramatischen Entwicklung, die sich in kürzester Zeit vollzogen habe wendet sich Landrat Dr. Joachim Bläse erneut an alle Bürgerinnen und Bürger im Ostalbkreis. „Spätestens mit dem heute in Kraft getretenen geänderten Bundesinfektionsschutzgesetz und den damit geltenden Regelungen je nach Inzidenzwert muss jeder und jedem von uns klar sein: Wir werden nur dann die dritte Welle der Corona-Pandemie brechen und zu einem normalen Leben mit geöffneten Einzelhandel, Gastronomie und kulturellen Angeboten zurückkommen können, wenn wir die Zahl der Neuinfektionen drastisch reduzieren!“, betont der Ostalb-Landrat und weiter: „Ich bitte Sie daher eindringlich um Ihre Solidarität und darum, sich unbedingt an die geltenden Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen zu halten. Trotz des angesagten frühlingshaften Wetters an diesem Wochenende bitte ich Sie außerdem, möglichst auf gefährliche und risikoreiche Freizeitaktivitäten zu verzichten.“

Mit Blick auf die aktuelle Notsituation an den drei Kliniken in Aalen, Ellwangen und Mutlangen hätten Ärzte und Pflegepersonal „kaum noch Spielraum, weitere Intensivpatienten in unseren Häusern aufzunehmen“. Und auch sogenannte elektive Operationen müssten „bedauerlicherweise“ verschoben. Bläse: „Die Lage ist sehr ernst!“

Impfen geht mit zusätzlichem Impfstoff weiter

Ein kleiner Lichtblick sei in der momentanen Situation aus Kreissicht die Zusage des Sozialministeriums Baden-Württemberg, dem Kreisimpfzentrum des Ostalbkreises für nächste Woche zusätzlichen Impfstoff bereitzustellen. „Quasi als Dankeschön für die guten Impfleistungen der Teams in unserem Impfzentrum in Aalen erhalten wir 1170 weitere Impfdosen mit Biontech-Impfstoff.“ Das Land habe bescheinigt, „dass wir zu den besten Impfzentren im Land gehören und den gelieferten Impfstoff schnellstmöglich an die impfberechtigten Bürgerinnen und Bürger verimpfen“. Über diese Anerkennung, die Bläse „gerne an die ärztliche Leitung unseres Kreisimpfzentrums sowie die dort arbeitenden Teams“ weitergebe, „freuen wir uns natürlich sehr“, so der Landrat. Die hohe tägliche Zahl der Impfungen im KIZ von rund 800 kann damit beibehalten werden.

Einhaltung der Corona Verordnung wird vor Ort kontrolliert.

Wie bereits Anfang der Woche angekündigt, habe sich der Landkreis mit den Kommunen darauf verständigt, die Einhaltung der Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen, aber auch die Hygienevorgaben für den geöffneten Lebensmitteleinzelhandel und Dienstleister, die unter Auflagen geöffnet haben dürfen, verstärkt zu kontrollieren und Verstöße zu sanktionieren. Auch die Polizei werde im öffentlichen Raum das Einhalten der Maskenpflicht und die Einhaltung der Ausgangsbeschränkungen überprüfen.

Antigen-Testungen für Kinder in Kitas bleiben vorerst freiwillig

In ihrer wöchentlichen Videokonferenz haben sich Landrat Bläse und die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister außerdem darauf verständigt, an der freiwilligen Testung von wöchentlich ein bis zwei Antigen-Schnelltests pro Kind in den Kitas festzuhalten. „Ich empfehle allen Eltern dringend, diese Testangebote wahrzunehmen.“ Nachdem die Kitas seit diesem Mittwoch nur noch Notbetreuung anbieten dürften, sei es „äußerst wichtig, dass zumindest diese Betreuungsmöglichkeit für unabkömmliche Eltern noch aufrechterhalten werden kann“.

In aller Regel muss, sobald ein Kind in einer Gruppe positiv getestet wurde, die gesamte Gruppe für zwei Wochen in Quarantäne. Um ein solches Szenario zu verhindern, sei es wichtig, dass alle teilnehmenden Kinder getestet werden. „Wir werden mit den Kommunen die nächsten Tage das Infektionsgeschehen im Rahmen der Notbetreuung in den Kitas bewerten und denken bei Bedarf über eine Pflicht zum Tragen von Mund-Nase-Schutz für alle Erziehenden auch bei der Arbeit mit den Kindern nach“, kündigt der Landrat an.

Unabhängig davon stehe es den Kita-Trägern im Rahmen ihres Hausrechts jetzt schon frei, verpflichtende Tests bei Kindern für den Besuch der Notbetreuung einzuführen, so der Landrat.

Teststrukturen im Ostalbkreis wachsen weiter

Seit dem Start der sogenannten Bürgertestungen wurden bis einschließlich 18. April im Ostalbkreis von den Teststellen über 53 000 Antigen-Schnelltests, davon knapp die Hälfte in den vier großen Testzentren in Aalen, Bopfingen, Ellwangen und Gmünd, durchgeführt. Die Positivquote lag in der vergangenen Woche bei 0,68 Prozent.

Auswirkungen des neuen Bundesinfektionsschutzgesetzes

Das Land habe angekündigt, seine Corona-Verordnung im Laufe dieses Freitags anzupassen und ab Samstag, 24. April in Kraft zu setzen. Im Ostalbkreis dürfte davon im Wesentlichen die nächtliche Ausgangsbeschränkung betroffen sein, die dann nicht mehr um 21 Uhr, sondern um 22 Uhr beginnen würde.

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