Dreister Betrug? Teures Fahrzeug vermietet und nicht zurückbekommen

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Diesen schwarzen 9-Sitzer hat Stefan Maier vermietet, statt ihn zurückzubekommen haben die Mieter ihn mit gefälschten Dokumenten abgemeldet und verkauft.
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Stefan Maier aus Wasseralfingen ist wohl Opfer einer Betrügerbande geworden. Der Fahrservice-Inhaber steht vor einem großen Problem.

Aalen/Westhausen

Unglaublich klingt die Geschichte, die Stefan Maier aus Wasseralfingen erzählt. Über seinen Fahrservice mit Sitz in Westhausen habe er seinen VIP-Bus vermietet und nicht zurückbekommen. Betrüger haben wohl versucht, es mit gefälschten Papieren in Berlin auf einen anderen Namen umzumelden. Doch dort flogen sie auf. Maier zufolge steht das Fahrzeug nun beschlagnahmt bei der Polizei in Berlin. Wann er es wieder bekommt, weißt er nicht.

Der VIP-Bus: Die ganze Geschichte von vorne: Seit etwa einem Jahr hat Stefan Maier ein ganz besonderes Fahrzeug in seinem Fuhrpark. Der Mercedes-Sprinter hat Platz für neun Personen mit Gepäck. Von außen wirkt er unauffällig, doch innen ist er luxuriös ausgestattet. „Ledersitze, Kühlschrank, Satteliten-TV und Video-Anlage“, zählt Maier unter anderem auf. Der Unternehmer bietet ihn an für Gruppenausflüge oder für einen besonderen Shuttle-Service für Hochzeitsgesellschaften. „Überwiegend buchen ihn aber Firmenkunden“, sagt Maier. Auch Prominente seien damit schon unterwegs gewesen. Einen bekannten Fußballtrainer und einen bekannten Politiker nennt er als Beispiel.

Gefälschter Ausweis: Im März hat Maier den Bus an eine angebliche irische Reisegruppe vermietet. Ein Vertreter der Gruppe habe ihm Reisepass und Führerschein vorgelegt, die Maier überprüft, miteinander abgeglichen und kopiert habe. Später wird sich herausstellen, dass beide Dokumente gefälscht waren. „Das war für mich nicht zu erkennen“, sagt Maier. „Die Fälschungen waren so professionell gemacht.“ Den weiteren Vorgang beschreibt Maier als „ganz normal“. Der Mann sei freundlich gewesen, habe 1000 Euro Kaution in Bar hinterlegt und mit ihm den Mietvertrag abgeschlossen.

Anruf aus Berlin: Als die Mietdauer beinahe vorbei ist, am 1. April, bekommt Maier einen Anruf von der Polizei in Berlin. Dass sein Kleinbus in Berlin ist, weiß er, da das Fahrzeug GPS-überwacht wird. Die übrige Geschichte aber, die der Beamte am Telefon erzählt, will Maier zunächst nicht glauben. Er hält sie für einen April-Scherz. „Als ich begriffen habe, dass das kein April-Scherz ist, lief es mir eiskalt den Rücken hinunter“, erzählt der Inhaber des Fahrservice.

Der Betrug fliegt auf: Wohl mit gefälschten Papieren, einem angeblichen Kaufvertrag, dem gefälschten Fahrzeugbrief und einer gefälschten Vollmacht mit Maiers gefälschter Unterschrift haben die Betrüger versucht, das Fahrzeug umzumelden. Doch auf der Zulassungsstelle in Berlin flog der Schwindel auf. Die Mitarbeiterin rief die Polizei. Das Fahrzeug wurde beschlagnahmt.

Bus erst einmal weg: Stefan Maier ist froh, dass die Mitarbeiterin so aufmerksam war. Froh, dass das Fahrzeug sicher bei der Polizei in Berlin steht und nicht von den Betrügern außer Landes gebracht wurde. Trotzdem hat er jetzt mehrere Probleme. Bisher konnte er noch nicht in Erfahrung bringen, wann er den VIP-Bus zurückbekommt. Die Polizei in Berlin gebe ihm aus ermittlungstaktischen Gründen keine Auskunft. Auch Anfragen der SchwäPo haben am Montag noch nichts ergeben.

Bus bereits reserviert: Doch seinen VIP-Bus habe Maier ab kommender Woche für beinahe das ganze restliche Jahr vermietet. Die Kunden hätten Anzahlungen gemacht, die er nun zurückzahlen müsse. Auch die Finanzierung für den Bus laufe weiter. „Ein, zwei Monate halte ich das durch“, sagt der Inhaber des Fahrservice. Wenn er dann sein Fahrzeug noch nicht wieder hat, sieht er die Existenz seines Betriebs bedroht. Nach schwierigen Zeiten in der Pandemie ziehen die Aufträge nun wieder an. „Ausgerechnet jetzt fehlt mir mein wichtigstes Fahrzeug“, sagt Maier.

Unterschlagung, kein Diebstahl: In Erfahrung hat Maier aber bringen können, dass es sich in diesem Fall wohl nicht um Diebstahl, sondern um Unterschlagung handelt. „Jemand, der etwas mietet und nicht zurückgibt, macht sich der Unterschlagung schuldig“, erläutert er. Seine Vollkaskoversicherung deckt Diebstahl ab, nicht aber Unterschlagung. Und: Maier geht davon aus, dass der angebliche Käufer seines Fahrzeugs mit den Betrügern unter einer Decke steckt. Sollte der Verkauf aber wider Erwarten rechtmäßig stattgefunden haben, erläutert Maier, hätte der Käufer unter Umständen das Recht, das Fahrzeug zu behalten.

Warnung: Stefan Maier möchte daher jeden, der etwas vermietet, warnen. Er denkt dabei zum Beispiel an die Menschen in der Region, die Wohnmobile verleihen oder auch Werkzeuge wie Motorsägen oder Ähnliches. Maier rät, beim Vermieten noch genauer hinzuschauen und sich entsprechend abzusichern. Mit einer Versicherung, die auch Unterschlagung abdeckt.

Ausgerechnet jetzt fehlt mir mein wichtigstes Fahrzeug.“

Stefan Maier, Fahrservice-Inhaber
Stefan Maier wähnte sich in gewohnter Sicherheit beim Mietvertrag für seinen Neunsitzer-Bus.
Stefan Maier wähnte sich in gewohnter Sicherheit beim Mietvertrag für seinen Neunsitzer-Bus.
Diesen schwarzen Neun-Sitzer hat Stefan Maier vermietet. Die Mieter haben versucht, ihn mit gefälschten Papieren umzumelden.

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