Ein echt schwäbisches Wirtschäftle

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Alfons Brenner, Hobbywirt mit ganzem Herzen.
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Die Tradition wird bei Rosemarie und Alfons Brenner in der Onatsfelder "Traube" großgeschrieben. Was auf den herzhaften Vesperteller kommt, stammt aus eigener Schlachtung.

Aalen-Onatsfeld

Es ist oft der Fleiß und das persönliche Herzblut weniger Menschen, was alte und liebgewordene Traditionen am Leben hält. Im Gasthof „Zur Traube“ in Onatsfeld hat diese Leidenschaft einen – pardon: zwei – Namen. Rosemarie und Alfons Brenner betreiben hier noch ein echtes schwäbisches Wirtschäftle mit kräftigem Vesper und allerlei herzhafter Hausmacherwurst aus der eigenen Schlachtung.

Schwäbisch schwätzen fast alle ihre Gäste, die aus nächster Nachbarschaft und auch dem weiteren Umkreis den Weg in die Schanzenstraße 18 nach Onatsfeld finden. Viele von ihnen mit dem Rad, oder wandernd zu Fuß. Viele von ihnen sind Stammtischbrüder oder -schwestern, die sich regelmäßig hier „bei der Rose“ (der Wirtin, Anm. d. Red.) zum Hoierles (für Nichtschwaben: So nennt man im Schwäbischen einen zwanglosen Besuch mit Plausch, Anm. d. Redaktion) treffen. Dazu gibt's dann ein kräftigendes schwäbisches Vesper, also die kalte Zwischen- oder Hauptmahlzeit, ohne die ein echter Schwabe nicht existieren kann.

Hobbywirt aus vollem Herzen

Die Teller mit einem Allerlei an Brät, Leberwurst, Blutwurst, Schwartenmagen und Rauchfleisch, mit Wurstsalat oder Bratwürsten richtet der Herr des Hauses persönlich an. Dabei ist Alfons Brenner (58) eigentlich nur Hobbywirt, aber das aus vollem Herzen. Eigentlich verdient der gelernte Mechaniker seine Brötchen seit über 40 Jahren bei Alfing. Um 6.30 Uhr beginnt dort für ihn der Arbeitstag. Nach Feierabend gegen 15 Uhr geht's dann in der eigenen Wirtschaft weiter. Bis am Ende des Tages die Küche aufgeräumt ist, kann's schon mal 24 Uhr werden.

Doch für Alfons Brenner und seine Frau Rose überwiegt das Positive: „Das Schöne ist, wenn abends noch ein Stammtisch da ist und man miteinander ein Gläsle trinken kann“, sagt er. Und sie ergänzt: „Der ganze Stress ist vergessen, sobald die Gäste da sind.“

Wie lange die Familientradition des Wirschäftles schon zurückreicht, vermag der Hausherr gar nicht so genau zu sagen. Eine Ehrenurkunde an der Wand aus dem Jahr 2009 offenbart jedenfalls, dass die Geschäftsverbindung der Wasseralfinger Löwenbrauerei mit der Familie Brenner schon seit über 100 Jahren besteht.

Auf einem Schwarz-Weiß-Foto, das laut Brenner aus den beginnenden 1950er Jahre stammen muss, trägt das Gasthaus noch den Namen seines Großvaters. „Wirtschaft Josef Auchter“ ist da über der Tür zu lesen. Alfons und Hiltrud Brenner, die Eltern des heutigen Wirts, haben Ende der 1950er Jahre den Anbau mit Wirtschaft, Nebenzimmer und Toiletten erstellen lassen.

In der Wirtschaft aufgewachsen

Alfons Brenner ist in der Wirtschaft aufgewachsen. Er erinnert sich gern an die Zeit, in der seine Mutter im Nebenzimmer gebügelt hat und er mit seinen Geschwistern in der Wirtschaft über seinen Schulaufgaben saß.

Heute ist das traditionsreiche schwäbische Vesperlokal das Einzige in weiter Umgebung. Die Gäste wissen das zu schätzen. „Die Wirtsleute sind klasse“, schwärmt etwa Elsbeth Gary, die sich hier schon seit über 20 Jahren zum Mittwochsstammtisch trifft. „Die Mutter des Wirts hat uns schon als Kinder gekannt“, erzählt die 79-Jährige munter weiter, die sich hier früher schon mit dem „Schwartenmagenclub“ getroffen hat. „Aber den kennt heute niemand mehr“, lacht sie.

Familiäre Atmosphäre

Die Tische auf der geräumigen Terrasse sind an diesem sonnigen Mittwoch alle besetzt. An einem hat das Ehepaar Steinmann Platz genommen. Sie sind die „Neuen“ unter den Gästen. „Wir waren kürzlich hier zu einer Familienfeier eingeladen. Die heimelige und familiäre Atmosphäre hat uns so gut gefallen, dass wir heute gleich einen Termin für unsere Goldene Hochzeit im Oktober vereinbaren wollen“, verrät Gottfried Steinmann. Dann wird freilich nicht gevespert, sondern warm und frisch aufgekocht. „Für Familienfeiern bereiten wir nach Absprache zweierlei Braten zu. Dazu gibt's verschiedene Beilagen, von Spätzle über Kroketten bis zum Kartoffelgratin und sogar Griabaschneckla.“

Viele Zutaten für das Salatbüffet holt Rosemarie Brenner dann aus dem eigenen Garten. Und die Kartoffeln und Eier kommen sowieso vom benachbarten Landwirt.

Speck und Wurst übrigens auch: Denn drei Mal im Jahr werden Schweine vom Nachbar-Landwirt geschlachtet. Dazu mieten die Brenners einen Schlachtraum an, in dem ein befreundeter Metzger für sie schlachtet. „Wir schneiden dann vor Ort unseren Speck selbst, schmecken die Wurst ab, binden die Bratwürste ab und befüllen die Wurstdosen“, erzählt der Wirt. Hinterher gibt's jedes Mal ein zweitägiges Schlachtfest in der „Traube“, mit Bratwurst, Schlachtplatte, Blut- und Leberwurst mit Sauerkraut und Kesselfleisch.

Und das eine oder andere Mal findet Rosemarie Brenner nach getaner Arbeit ein mit Kugelschreiber aufgemaltes Herz auf ihrem Kellnerblock und die Notiz: „War wieder richtig schön bei Dir.“ In diesen Momenten, sagt die gelernte Handelsfachwirtin, ist die ganze Anstrengung vergessen. Und sie denkt sich dann: „Du bist hier am richtigen Platz.“

Was die Gäste wissen müssen:

Besonders beliebt: die Hausmacherplatte. Von allem ein bisschen auf dem Brot: Schwartenmagen, Schinkenwurst, Rauchfleisch roh und gekocht.

Das Schmankerl: ebenfalls die Hausmacherplatte. Im Sommer auch der Wurstsalat mit frischer Schinkenwurst.

Das teuerste Vesper: 7,50 Euro zahlt man für einen schwäbischen oder Schweizer Wurstsalat; für eine Rauchfleischplatte oder die Hausmacherplatte.

Das günstigste Vesper: ein Schmalztöpfle mit Zwiebeln und Brot zu 3 Euro.

Sitzplätze: innen 32 im Nebenzimmer und 20 in der Wirtschaft; außen 35 bis 40 auf der Terrasse.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag ab 14.30 Uhr; Samstag nur für größere Familienfeste auf Anfrage; Sonntag von 10 bis 12.30 Uhr und ab 14.30 Uhr.

Auch das Brät stammt aus eigener Schlachtung.
Diese Urkunde bescheinigt der Familie Brenner eine über 100-jährige Geschäftsverbindung mit der Wasseralfinger Löwenbrauerei.
Vor allem im Sommer sehr beliebt: der Wurstsalat.
Das Hausmacherbrot mit einem Allerlei an herzhaften Wurstsorten.
Rosemarie Brenner ist die gute Seele des Hauses.
Anfang der 1950er Jahre trug das Gasthaus noch den Namen "Wirtschaft Josef Auchter".
Rosemarie Brenner ist die gute Seele des Hauses. Links Kurt Sturm, Dirigent aus Dalkingen.
Alfons und Hiltrud Brenner, die Eltern des derzeitigen Wirts.
Kehren regelmäßig "bei der Rose" ein: Kaspar Merz (l.), Rudolf Faul (r.) mit Hans Deeg (hinten links) und Dieter Maier.
Seit über 20 Jahren trifft sich diese Stammtischrunde schon in der "Traube": v.r. Elsbeth Gary, Karl Gary, Hans Angstenberger, Eugen Brenner, Walter Dangelmaier.
Die "Neuen" unter den Gästen: Gerlinde und Gottfried Steinmann schätzen die familiäre Atmosphäre.
Das Gasthaus "Zur Traube" in Onatsfeld.

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