Ein Leuchtturm für einen Unort

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Diese als Parkplatz genutzte Brache soll bebaut werden. Damit erhoffen sich die Stadtverantwortlichen einen Impuls für die Ecke. Vor einigen Jahren wurde bereits das ehemalige Frauengefängnis (ganz links) mit Teilen der Stadtmauer daran saniert.
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Die Familie Seibold möchte in Aalen am Östlichen Stadtgraben ein Geschäftshaus bauen - das architektonisch spannende Gebäude soll die „untergenutzte Ecke“ aufwerten.

Aalen

Am Ende des Pressegesprächs waren sich alle einig: Oberbürgermeister Thilo Rentschler für die Stadtverwaltung. Claus Albrecht und Josef Funk als Vertreter des Handels in der Innenstadt. Die Architekten Jürgen Stark und Johannes Birkhold - und auch Wolfgang Riehle, Ehrenpräsident der Landesarchitektenkammer und Berater für dieses Projekt: Das ist ein Freudentag. Zuvor hatten sie das Projekt der Familie von Gerhard Seibold vorgestellt, die am Östlichen Stadtgraben in Aalen ein Geschäftshaus erstellen möchte, und zwar in einer ganz besonderen Architektur, die Wolfgang Riehle als „mutig“, „außergewöhnlich“, „selbstbewusst“ und „skulptural“ bezeichnet hat. Das Haus zwischen dem Östlichen Stadtgraben und der Rittergasse werte einen „langjährig als Parkplatz genutzten Unort“ im Zentrum Aalens auf - und zwar grundlegend.

Die Zahlen: Konkret geht es um ein Gebäude mit fünf Geschossen und einer Nutzfläche von rund 2140 Quadratmetern, die, auf unterschiedliche und flexible Weise gestaltbar, an gewerbliche Interessenten vermietet werden sollen. Im Erdgeschoss soll es ein Café geben oder eine andere Gastronomie - auf jeden Fall mit Außenbewirtschaftung. Ins Untergeschoss kommen 19 Autostellplätze - angedeutet wurde im Pressegespräch, dass diese Tiefgarage angeschlossen werden könnte „an eine eventuelle Nachbargarage“.

Wie eine Skulptur: Spannend ist das Gebäude vor allem wegen seiner ungewöhnlichen Form und wegen des Materials für die Außenwände - verzinkte Stahlplatten, teils perforiert, dienen als Fassade des insgesamt vieleckigen, eher an eine Skulptur denn an ein Haus erinnernden Gebäudes. Interessant ist das Gebäude zudem durch die Art, wie es in die Umgebung eingefügt werden soll: „Als eine Art Insel zwischen Alt- und Neustadt“ - die unterschiedlichen Maßstäbe der Nachbarbebauung aufnehmend mit ganz unterschiedlichen First- und Traufhöhen. Dieser Baukörper soll so in die bisherige Brache integriert werden, dass dieser Bereich der Stadt „revitalisiert wird“ und „Impulsgeber“ werden könnte für andere Objekte in dem Bereich, wie Architekt Jürgen Stark sagte.

Die Umgebung im Blick: Bei der Planung sei zudem darauf geachtet worden, dass das System der Gassen und Sträßchen in dem Bereich wiederhergestellt wird - so sei der Verlauf der historischen Stadtmauer „Identität stiftendes Gestaltungselement“. Wichtig war den Planern auch der Blick in Richtung Stadtkirche: „Die hatten wir immer im Fokus“, sagt Stark, der die Stadtverwaltung gelobt hat für die gute Zusammenarbeit in diesem Projekt.

Die Investoren: Drei Jahre lang hat es gedauert von ersten Überlegungen zu den Plänen, für die die Familie Seibold jetzt den Bauantrag stellen kann, wie Gerhard Seibold berichtete. Seibold sagt auch, „wir hätten gern größer gebaut“, aber jetzt stehe eine Lösung, die in vielen Runden hart erarbeitet worden sei. Seibold spricht von einem „guten Ergebnis“ , das zeige, dass seine Familie sich „stark mit Aalen verbunden“ fühle.

Der Zeitplan: Wie Baubürgermeister Wolfgang Steidle sagte, könne die Familie „jederzeit“ den Bauantrag stellen. Nach der Entscheidung in den Gremien könne dann gebaut werden.

Lob für die Innenstadtakteure: Das Vorhaben komme „genau zum richtigen Zeitpunkt“, sagt der Aalener Oberbürgermeister Thilo Rentschler. „In dieser Ecke“, einer „untergenutzten Ecke“, habe „immer der entscheidende Impuls“ gefehlt. Der sei jetzt dank des Engagements der Familie Seibold da. Ohne solche Akteure gebe es „keine lebendige Innenstadt“. Die Aufwertung an dieser Stelle könne helfen, dass das Areal „Teil der pulsierenden Innenstadt werden kann“ - eine Innenstadt, die „mit ihrem sensationellen Mix“ wieder mit Leben gefüllt sein werde, wenn die Pandemie überstanden und wenn wieder „Normalität“ erreicht sei. „Und diese Innenstadt wird die Pandemie überstehen“, sagte Rentschler kämpferisch. Dass der Bau aus architektonischen Gründen Stahlplatten verwende für die Fassade, das stehe Aalen gut zu Gesicht in Anbetracht der Rolle, die Eisen in der Stadt gespielt habe in den vergangenen Jahrhunderten.

Die Einzelhändler: Josef Funk, Vorsitzender, des Innenstadtvereins Aalen City Aktiv (ACA), äußerte sich „begeistert“ über das Vorhaben, sprach von einem architektonischen „Leuchtturm“, der der Stadt guttue - und der vielleicht, so Funks Hoffnung, Anreize setze für weitere Investitionen. Ähnlich äußerte sich Claus Albrecht, der von einem „Freudentag“ für Aalen sprach. Albrecht lobte die „Gründlichkeit“ mit der alle Akteure gemeinsam dafür gesorgt hätten, dass ein „einmaliger Entwurf“ auf dem Tisch liege. Funk und Albrecht sprachen aber auch an, dass auf der Brache Parkplätze für rund 30 Autos seien - und appellierten an die Stadt, diese zu ersetzen, mindestens. „Auch Elektroautos brauchen Parkplätze“, sagte Funk und Albrecht ergänzte, die Innenstadt müsse weiter attraktiv sein für Menschen, die mit dem Auto kommen. Rentschler verwies auf die andeutungsweise geäußerten Pläne in Bezug auf ein Parkhaus in dieser Ecke der Stadt. Es gebe entsprechende Überlegungen, diese seien aber noch nicht spruchreif.

So soll das Gebäude aussehen - von Süden her betrachtet. Auffällig ist die Form des Gebäudes und die Fassade aus Stahlplatten.
Gerhard Seibold stellte die Pläne vor, die seine Familie auf dem Areal am Östlichen Stadtgraben umsetzen möchte.

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