Eine Million Euro Umsatz lief über schwarzes Konto

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Selbstständiger hinterzieht in Aalen 384000 Euro Steuern: 18 Monaten Haft auf Bewährung.

Aalen/Ellwangen. Für die Finanzbeamtin, die am 24. Juli 2014 in einer Steuerberatungskanzlei die Akten eines Malerei- und Stuckateur-Betriebs in Aalen unter die Lupe nimmt, ist es nur eine routinemäßige Überprüfung. Bis die erfahrene Beamtin Unstimmigkeiten im Zahlenwerk findet, das der Einzelunternehmer seinem Steuerberater mitgeteilt hat.

Deshalb geht der Staat wegen Verdachts einer Straftat – der Steuerhinterziehung – dem Fall nach. Bei genauer Prüfung entdecken die Steuerfahnder ein Konto des heute 47-Jährigen, das nicht in der Buchhaltung aufgeführt wurde. Insgesamt, so die Ermittlungen, sollen darüber Umsätze in Höhe von über einer Million Euro nicht ausgewiesen worden sein, was den Gewinn in den betroffenen zwei Jahren um fast 600 000 Euro zu gering habe ausfallen lassen.

Staatsanwalt Ulrich Karst verlas in der Anklageschrift vor dem Schöffengericht des Ellwanger Amtsgerichts im Prozess am Dienstag, was dadurch dem Fiskus in den Jahren 2010 und 2011 entgangen sei: 193 000 Euro Einkommenssteuer, 75 000 Euro Gewerbesteuer und 116 000 Euro Umsatzsteuer – zusammen gerechnet 384 000 Euro.

Früher Insolvenzverschleppung

Über seinen Rechtsanwalt, Martin Bücher, ließ der Angeklagte die Vorwürfe einräumen und schildern, wie es dazu gekommen war. Schon 2006 sei sein – 1993 vom Maler- und Lackierermeister in Aalen gegründeter - Betrieb in Schieflage geraten, weil ein Großauftrag einer renommierten Firma zu Mängeln geführt und letztlich zu einem Umsatzausfall von 600 000 Euro.

Der damals 35-Jährige, der gerade zum zweiten Mal Vater geworden war, habe nur noch gearbeitet "um Löcher zu stopfen", wie sein Anwalt schilderte. Doch es reicht nicht, die Firma geht pleite. 2007 und 2009 wird der Unternehmer deshalb vom Amtsgericht Aalen zweimal verurteilt: Er hatte Löhne an sieben Mitarbeiter nicht ausgezahlt und schuldhaft die Insolvenz verschleppt.

Die richtigen Schlüsse hat der Mann aber scheinbar nicht gezogen, denn danach gründet er eine neue Firma als Einzelunternehmer – und hinterzieht schließlich die Steuern.

"Er hat Gelder abgezwackt, aber nicht, um seinen privaten Lebensstandard zu erhöhen, sondern zur Schuldentilgung", führte Bücher aus.

Der Angeklagte ist pleite

Immerhin: Von der Steuerfahndung ertappt, versuchte der Mann schließlich seit 2015 die Wogen zu glätten, ging mit dem Finanzamt eine Verständigung ein und zahlte bisher 75 000 Euro Steuern nach.

Die exakten Schuldbeträge sind derzeit offen, ein Verlustrücktrag von 325 000 Euro wurde vom 47-Jährigen inzwischen für 2011 gestellt. Was allerdings noch auf die Forderung drauf kommt, sind ein Prozent monatliche Säumniszahlungen.

Der 47-Jährige wohnt inzwischen in Köln, arbeitet als angestellter Bauleiter und hat inzwischen eine eidesstattliche Versicherung abgegeben, mittellos zu sein.

Das Schöffengericht unter Amtsgerichtsdirektor Norbert Strecker verurteilte den Mann zu 18 Monaten Haft, ausgesetzt auf eine dreijährige Bewährungsdauer.

Trotz einschlägiger Voreintragungen habe sein umfassendes Geständnis und sein Werdegang seit dem Vorfall eine günstige Sozialprognose zugelassen. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

Die Steuerschuld verfällt trotz Privatinsolvenz nicht. Wann und in welcher Höhe der 47-Jährige seine Schulden begleichen soll, steht angesichts der hohen Beträge allerdings in den Sternen.

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