Eine Perspektive für das Aalener Ostalb-Klinikum

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Die Villa Kupferschmid unmittelbar hinter dem neuen Klinik-Parkhaus.
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Wie sich der Erwerb der Villa Kupferschmid in Aalen auf die Klinikdebatte im Ostalbkreis auswirkt - und welche Möglichkeiten für ein Zentralklinikum OB Brütting sieht .

Aalen. Die Stadt Aalen hat am Montag einen Vorschlag gemacht, einen "Beitrag zur Klinikdebatte", wie Oberbürgermeister Frederick Brütting in einem Gespräch mit Medienvertretern sagte. Ziel dieses Vorschlages sei es, "eine Perspektive für das Ostalb-Klinikum" in Aalen aufzuzeigen. Schlüssel dazu sei der Erwerb eines Grundstückes durch die Stadt, der in den nächsten Tage vollzogen werde - der Gemeinderat habe bereits zugestimmt. Konkret geht es dabei um die sogenannte "Kupferschmid-Villa" in Aalen, eine knapp 3700 Quadratmeter große Fläche, die entscheidend sei für die Ideen, die der Oberbürgermeister am Montag vorstellte - und die direkt an die Klinikfläche angrenzt.

Man wisse um die Defizite des Aalener Klinikums, des mit 452 Betten größten Klinikums im Ostalbkreis. Zwar seien in den vergangenen zehn Jahren 53 Millionen Euro investiert worden. Aber es gebe weiter "bauliche Herausforderungen".  Um den Standort des Ostalb-Klinikums für die Zukunft zu stärken, seien umfassende Sanierungs- und Neubaumaßnahmen notwendig, räumte Brütting ein. Und diese Maßnahmen könnten auch nicht innerhalb des Klinikums während des laufenden Betriebes quasi "am offenen Herzen" durchgeführt werden. Aus diesem Grund, so die Analyse der Stadt, müssten Schwerpunkte am Standort Aalen "gänzlich neu" gebaut werden. Brütting nannte den Zentral-OP, die Intensivstation und die Notaufnahme - Bereiche, die im Sinne der Patienten eng miteinander zu tun haben. Hier kommt nun die Villa Kupferschmid, der ehemalige private Wohnsitz des mittlerweile verstorbenen Dr. Walter Kupferschmid, ins Spiel. Kupferschmid war von 1955 bis 1983 Chefarzt der Aalener Gynäkologie. Dieses Grundstück habe die Stadt für insgesamt rund 800 000 Euro erworben - und sie sei bereit, dieses Areal dem Landkreis als Träger der Kliniken zur Verfügung zu stellen. Dies ermögliche Folgendes:

In einem ersten Schritt, der Phase 1, könne das Parkhaus I am Klinikum abgebaut und auf dem Kupferschmid-Areal neu aufgebaut werden. Dies sei technisch "problemlos möglich", so Brütting. Mit den Architekten des Parkhauses habe man entsprechende Gespräche geführt. Und das Parkhaus sei "sowieso" an der falschen Stelle, wäre dort auf dem Villen-Areal deutlich besser positioniert. Interimsmäßig müsse der alte Hubschrauberlandeplatz wieder in Betrieb genommen werden.

In Phase 2 könnten die Kantine und die Pathologie in Containern untergebracht - und die Gebäude, in denen diese bislang sind, abgerissen werden. Das soll Platz schaffen für  den nächsten Schritt.

In diesem Schritt, der Phase 3, könnten dann ein neuer Zentral-OP gebaut werden, eine Notaufnahme, gegebenenfalls noch Radiologie, Zentralsterilisation, und zudem die Intensivpflege und eine neue Kantine.

Und in Phase 4 könnte der heutige OP-Bereich für eine neue Nutzung innerhalb des Klinikums genutzt werden.

Mit diesem Konzept, so sagte Brütting, könnten "die Probleme an der baulichen Substanz des Ostalb-Klinikums behoben werden" - und das Klinikum erhalte "neue und effiziente Strukturen". Auch in Bezug auf die Verkehrserschließung würden sich Vorteile ergeben. Die Notfallpatientenanlieferung erfolge dann direkt über die Steinbeisstraße - mit dem Nebeneffekt, dass die jetzige Notaufnahme verlegt wird. Der Notfallverkehr müsse nicht mehr durchs südliche Wohngebiet mit der Hopfenstraße, die Zufahrt zum Haupteingang werde entlastet. Auch werde die Parksituation verbessert, weil sich die Parkflächen am Vordereingang der Klinik konzentrierten - mit kürzeren Wegen für alle Beschäftigte, Patienten und Besucher der Klinik. Weil es sich um Neubauten handle, könnten die entsprechenden Zuschüsse des Landes gefördert werden. Und dann macht Brütting den Vergleich mit einem neu auf der grünen Wiese geplanten Zentralklinikum: "Die Kosten sind im Vergleich zu einem kompletten Neubau an einem bisher nicht bekannten Standort deutlich geringer" und damit von Vorteil für die gesamte Region, die das Ganze ja bezahle mit ihren Steuermitteln.

Brütting sieht auch Platz für weiteres Wachstum. Wenn etwa der Kreistag sich für ein Zentralklinikum im Ostalbkreis entscheide, dann seien am Standort Ostalb-Klinikum noch "erhebliche Flächenpotenziale", die anderswo erst teuer eingekauft werden müssten. Zudem sei das Ostalb-Klinikum "nicht einmal drei Kilometer vom geografischen Mittelpunkt des Ostalbkreises entfernt".

Als weiteren Pluspunkt führt Brütting auf, dass das Aalener Klinikum bereits mit Wärme aus dem Nahwärmenetz der Stadt Aalen versorgt werde, das zu 60 Prozent aus erneuerbarer Energie betrieben werde. Auf der grünen Wiese sei die Anbindung an ein kommunales Nahwärmenetz nicht möglich.

Würde ein Zentralklinikum hingegen weiter westlich gebaut, dann wäre das schlecht für den östlichen Teil des Ostalbkreises. Und da das Ostalb-Klinikum bereits heute der Standort mit den meisten Geburten sei, sollte dieser Bereich weiter ausgebaut und als Schwerpunkt definiert werden.

Ob Brütting dies als Bewerbung für Aalen als Standort eines Zentralklinikum verstanden wissen will? Das verneint der OB. Ihm gehe es vor allem darum, eine Perspektive für das Aalener Klinikum aufzuzeigen. Eine politische Aussage zur Zukunft der Kliniken wolle er jetzt noch nicht abgeben. Damit warte er, bis sich Landrat Dr. Joachim Bläse nächste Woche im Kreistag positioniere. Brütting machte aber keinen Hehl daraus, dass er sich als Oberbürgermeister von Aalen für den Standort Aalen stark mache. Brütting geht es auch darum, "die aktuellen Entwicklungen der vergangenen Monate unbedingt in die Überlegungen" einzubeziehen. Brütting nannte den Rückgang der Wirtschaftsleistung, weswegen man vorhandene Infrastruktur "nicht stilllegen", sondern weiterhin "im Rahmen eines intelligenten Konzeptes" nutzen müsse.

Den Rückgang der Zahl der niedergelassenen Ärzte nannte Brütting als weiteres Argument, die bisherigen Klinikstandorte "nicht einfach aufzugeben", denn an den Kliniken müssten diese Defizite ausgeglichen werden.

Hinzukomme, dass sich der Ostalbkreis zum Ziel gesetzt habe, bis 2040 klimaneutral zu werden. Um dies zu erreichen, müssten der "Primärenergieaufwand", die sogenannte "graue Energie" stärker in den Fokus gerückt und sparsam mit Flächen umgegangen werden.

Für die Sitzung des Kreistages am 8. November hat Landrat Dr. Joachim Bläse eine Erklärung in Sachen Kliniken angekündigt.

Umbau Klinik - Schritt 1
Umbau Klinik - weitere Schritte
Die Villa Kupferschmid unmittelbar hinter dem neuen Parkhaus am Ostalbklinikum. Foto UW
Oberbürgermeister Frederick Brütting stellt die Pläne vor, die eine Perspektive für das Ostalb-Klinikum ermöglichen sollen.

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