Ellwangen ist am Wasser gebaut

  • Weitere
    schließen
+
Die Ellwanger Stadtmühle, vom Schießwasen aus gesehen: Dieses Bild zeigt die Jagst noch vor der Vertiefung des Flussbetts im Rahmen der Jagstbegradigung 1952. Die Bilder auf dieser Seite stammen aus der Postkartensammlung von Hermann Sorg.
  • schließen

Der Siegerentwurf der Landesgartenschau 2026 vom Berliner Büro relais orientierte sich auch an alten Bildern von der Jagstaue.

Ellwangen

Ohne die Jagst wäre die Stadt Ellwangen beziehungsweise das Benediktinerkloster, das der Stadtgründung vorausging, vermutlich gar nicht entstanden. Wasser war schon immer elementar für eine Ansiedlung von Menschen. Inmitten von Urwald wäre der Fluss im Jahre 764 trotzdem unattraktiv gewesen. Doch weil die Jagst dort, wo heute Ellwangen liegt, offenbar leichter zu queren war als ein Stück weiter flussauf- beziehungsweise -abwärts, verlief hier eine alte Fernstraße. Der Verkehr auf dieser Straße, mithin die gute Erreichbarkeit des Ortes, war wohl der entscheidende Grund, weshalb Hariolf und Erlolf genau hier ihr Kloster gründeten.

Alte Furt durch die Jagst

Der Fernweg vom Rhein an die Donau war bedeutsam für den Handel von der Nordseeküste bis zum Schwarzen Meer. Er wird auch als "Nibelungenweg" bezeichnet, weil im Nibelungenlied die Mörder Siegfrieds von Worms zum Hof des Hunnenkönig Etzel reiten. In Ellwangen querten sie die Jagst und bei Donauwörth stießen sie auf die Donau, deren Lauf sie bis Budapest folgten. So weit die Sage.

Es ist die Furt und das Wasser der Jagst, beides ist unverzichtbar für die Menschen des frühen Mittelalters. Der Fluss führt bei Ellwangen ausreichend Wasser, um Mühlen anzutreiben, eine Energiequelle, die später für alles mögliche bis hin zur Stromerzeugung genutzt wird.

Die Jagst dient zudem als Viehtränke, als Waschplatz, am Ufer wird Wäsche gebleicht. Und man betrachtet den Fluss auch als natürlichen Schutz vor feindlicher Annäherung.

Viel Wiese, wenig Bäume

Auf alten Bildern von Ellwangen sieht man viel Wiesen in der Jagstaue. Der flache Bereich, in dem sich der Fluss dahin schlängelt, gelegentlich sein Bett verändert und Altarme bildet, zeigt nur vereinzelt Bäume. Man sieht Schafe, die an der Jagst geweidet werden und Schilfzonen, aber keine Häuser. Bebauung war in der Aue nicht sinnvoll, wegen der häufigen Überflutungen. Die Jagst führte immer wieder Hochwasser, im Frühjahr bei der Schneeschmelze, aber auch im Frühsommer bei Starkregen.

Die Landesgartenschau 2026 soll den Flusslauf wieder naturnaher machen. Das ist ein Ziel, das die Pläne des Büro relais nach Meinung der Jury vorbildlich umsetzen. Vor allem zwischen Schrezheim und Rotenbach wird eine Flusslandschaft entstehen mit Schilfzonen und Mäandern, die an die alten Postkartenmotive anknüpft.

Menschen sollen sich dort möglichst wenig aufhalten, um die Fauna nicht zu stören. Deshalb werden dort nur sehr sparsam Wege oder Stege angelegt. In Stadtnähe dagegen soll die Jagst erlebbar werden, so nahbar und nutzbar wie einst.

Wasserintensives Handwerk spielt heute in Ellwangen keine Rolle mehr. Wer viel Wasser braucht, verfügt über eigene Quellen, wie etwa die Rotochsen Brauerei. Färber, Gerber, Hirten, Fischer und Schmiede, nach denen in Ellwangen Straßen benannt sind, gibt es nicht mehr. Eine Pferdeschwemme zum Waschen der Reittiere braucht man nicht mehr, so wenig wie eine Viehtränke.

Das Ufer wird nach den Plänen von relais auf Höhe Schießwasen trotzdem so abgeflacht, dass man leicht das Wasser erreichen kann. Der "Stadtstrand" auf Höhe des Wellenbades, der als Spiel- und Planschmöglichkeit geschaffen wird, kann daran erinnern, dass solche abgeflachte Stellen am Fluss einst auch von den Hirten für das Vieh genutzt wurden.

Auf dieser wahrscheinlich kolorierten Postkarte könnte man vermuten, dass die Jagst zum See aufgestaut ist.
Ein Schäfer mit seinen Tieren an der Jagst auf Höhe Rotenbach: Der Fluss war nicht nur für die Viehwirtschaft bedeutsam.

Zurück zur Übersicht: Aalen

WEITERE ARTIKEL