Erdbeeren pflanzen, pflegen, pflücken - So machen Sie es richtig

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Beim Klostergut in Neresheim können Besucher ihre Erdbeeren noch selbst pflücken.
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Wo es noch Erdbeerfelder zum Selbstpflücken auf der Ostalb gibt. Und was bei der Ernte und beim Anbauen beachtet werden muss.

 "Das letzte Drittel der Erdbeer-Saison hat begonnen", sagt Rolf Weinzierle, Inhaber der 29 Schilling-Erdbeerfelder rund um die Region Ostwürttemberg. Auf den Wochenmärkten sind sie die Dauerrenner und auch die Felder zum Selbstpflücken sind ein beliebtes Ausflugsziel an der frischen Luft, bei dem der coronabedingte Mindestabstand gut eingehalten werden kann. Doch wo gibt es in der Region überhaupt noch Erdbeerfelder und was muss bei der Ernte beachtet werden? Die Erdbeer-Experten Ulrich Streif, Inhaber des Erdbeerfeldes am Kloster Neresheim, und Rolf Weinzierle klären auf.

Schnell den Eimer gepackt, die Kinder ins Auto gesetzt und los auf ein Erdbeerfeld in der Region, um für eine selbstgemachte Marmelade oder einen Erdbeerkuchen, die frischen Früchte zu pflücken. Solch spontane Ausflüge zu einem nahegelegenen Selbstpflückerfeld sind vermutlich bald Geschichte. Immer mehr Erdbeerfelder verschwinden. "Auch auf der Ostalb werden Erdbeerfelder zum Selbstpflücken weniger", sagt Ulrich Streif, Betreiber des Klosterguts Neresheim. So wurden beispielsweise die Aalener Erdbeerfelder an den Limes-Thermen und im Grauleshof aufgegeben, ebenso das Feld in Hermannsfeld nahe Mögglingen. In Bopfingen hinter dem städtischen Bauhof: gleiches Spiel.

Die Erdbeerpflücker von der Ostalb müssen heute weit fahren, um an die roten Früchte zu kommen. Am Neresheimer Klostergut, in Donzdorf, Wäschenbeuren oder in Crailsheim gibt es sie noch. Doch warum verschwinden die Felder - liegt es am Kaufverhalten der Kunden oder dem geringen wirtschaftlichen Ertrag? "Beides sind Faktoren dafür", bestätigen Weinzierle und Streif.  "Erdbeeren sind sehr wetterempfindliche Pflanzen, die viel Pflege brauchen" so Streif. Auch das extreme Klima mache den Anbau von Erdbeeren immer schwieriger. Lange Trockenphasen und Starkregen nehmen die empfindlichen Pflanzen besonders mit.  Und: "Ein Besuch auf dem Erdbeerfeld wird immer mehr zum Event". Diesen Trend beobachtet zumindest Rolf Weinzierle, der seit 1984 Erdbeeren anbaut. "Die typische Hausfrau, die sich einen kiloschweren Erdbeervorrat zulegt, wird immer seltener", sagt Weinzierle. Doch genau diese Kundschaft sei es, warum es sich lohne, solche Felder zu betreiben.

Dennoch, das Geschäft boomt in dieser Saison. "Durch die Corona-Krise haben viele Familien unser Angebot als keines Ausflugsziel genutzt", bilanziert Streif. Sicherlich haben in dieser Zeit viele Menschen nicht nur gelernt, Brot zu backen, sondern auch Erdbeermarmelade zu kochen, scherzt Streif. Ernst wird  er dann, wenn er über diejenigen spricht, die mehr naschen als kaufen. "Wenn jeder so handelt, ist das das Ende der Erdbeerfelder", sagt Streif. Diese Aussage kann Weinzierle bestätigen. "Naschen gehört natürlich dazu, aber wir müssen jedes Jahr einen Verlust von rund 20 Prozent Ernte einkalkulieren", sagt Weinzierle.

Von der Ernte zur Lagerung - Experten geben Tipps:

Ernte-Zeit:

Wann: Anfang Juni startet die Erdbeersaison. Am Vormittag, wenn es noch kühl ist, ist die ideale Erntezeit. Warum? Die Früchte sind sehr hitzeempfindlich und bekommen schneller Druckstellen, wenn sie bei zu hohen Temperaturen gepflückt werden.

Wie: Die Pflücker auf dem Feld sollten sich eine Reihe vornehmen und dann alle reifen Früchte pflücken, ob groß oder klein. Denn auch kleine überreife Beeren können schimmeln und auf die anderen Erdbeeren verbreiten. Außerdem sollten die roten Früchte immer mit den Kelchblättern gepflückt werden.

Kühl und trocken lagern:

  • Im Keller bei 15 Grad bleiben die frischen Früchte einen Tag nach der Ernte frisch.
  • Im Kühlschrank Sollen die Früchte haltbarer sein, ist der Kühlschrank der richtige Ort. Aber Achtung: Weinzierle empfiehlt, vor dem Verzehr die Früchte auf Zimmertemperatur erwärmen zu lassen. "Dann entfaltet sich wieder das Aroma", sagt er.
  • Einfrieren: Für fleißige Erdbeerpflücker empfiehlt Weinziele das Einfrieren der Früchte, bis  dann im nächsten Jahr wieder neue geerntet werden können.

Erdbeerren selber anpflanzen - eine innovative Idee: 

Wer jetzt Lust bekommen hat, im nächsten Jahr sich selbst am Anbau der Sommerfrüchte zu versuchen, hat Weinzierle eine innovative Idee: "eine Erdbeerampel aus einem Abwasserrohr". Dafür braucht man ein circa 1,5 meterlanges Rohr, einen Steckdosenbohrer, einen Bewässerungsschlauch, Erdbeers-Setzlinge und etwas Erde. Mit dem Bohrer sollten dann in das Rohr spiralförmig Löcher mit einem Durchmesser von rund 5 cm gebohrt werden. Dann kommen  Bewässerungsschlauch und Erde in das Rohr. Von der Seite können die Erdbeer-Setzlinge in die Löcher gepflanzt werden. Schon ist die Erdbeerampel fertig.

Die Vorteile dieser Art von Anbau seien zum Einen die eigenständige Bewässerung durch den integrierten Schlauch und zum Anderen kommen Schädlinge nicht so leicht an die reifen Früchte. "Außerdem bildet sich bei dieser Form des Anbaus kaum Schimmel, weil die Früchte nicht auf dem Boden liegen", sagt Weinzierle. Wer seine Erdbeeren aber lieber traditionell anpflanzt, solle sobald die Pflanze Früchte trägt, Stroh unterlegen. Dann dürfe nichts schief gehen. Welche Sorte sich gut eignet, überlässt der Experte dem Geschmacksinn.

Für Parkmöglichkeiten an der Plantage ist auch gesorgt.
Auch auf dem Feld in Wäschenbeuren wird in diesem Jahr fleißig geerntet.

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