Erinnerungen an den Bombenangriff 1945

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Der riesige Bombentrichter in der heutigen Wilhelm-Zapf-Straße. Zeichnung: Hugo Theurer

Wie eine Aalenerin und ihre Kinder im Weinkeller des „Olga“ überlebten.

Aalen. Der aus Aalen stammende Prof. Dr. Oskar Betsch hat seine „Grüne Reihe“ über die Aalener Stadtgeschichte mit einem 13. Band fortgesetzt. Nicht zuletzt mit neuen Details über das Kriegsende in Aalen. Vor allem über den schweren Bombenangriff auf Aalen am 17. April 1945.

In der Truhe seines Großvaters Hugo Theurer, dem ersten Schubart-Literatur-Preisträger, fand Betsch nämlich eine Fülle neuen Materials, das er nun aufbereitet hat. Interessant ist vor allem die lückenlose Auflistung der 61 Toten der Bomben- und Tieffliegerangriffe. Mit jeweiliger Angabe der Todesursache. Die Hälfte starb, weil sie verschüttet wurde. Wie durch ein Wunder blieb Frau Vestner verschont. Hier ihr Erlebnisbericht vom Abend des 17. April 1945:

„Diesen Angriff verbrachten wir mit den Kindern im Weinkeller vom Hotel Olga (Anm.: heute Commerzbank in der Bahnhofstraße), den wir in den vergangenen 14 Tagen sechs- bis achtmal, aus dem Parterrefenster unseres nebenstehenden Hauses springend, aufsuchen mussten. Alles rückte bei den Bombeneinschlägen in die entfernteste Ecke und die Kinder schrien. Es kam ein starker Windstoß (von der Explosion der Bomben), der das Fenster aufriss und die Scheiben zertrümmerte. Dann hörte man ein Krachen und Zischen – man atmete nur noch Staub. Danach kamen die ev. Gemeindeschwestern und Frau Schwenk vom Gemeindehaus (Anm. heute VR-Bank), zitternd und vollständig erschöpft. Auf unsere Frage, wie es droben aussieht, konnten sie uns gar nicht antworten. Bei ihnen hatte es das halbe Haus (den Gemeindesaal) weggerissen, während sie sich im angrenzenden Keller befanden.

Nun gingen einige Ausländer (Zwangsarbeiter) nach oben, kamen aber schnell zurück und sagten nur: alles kaputt.

Um 20 Uhr gingen wir dann auf die Straße und standen verstört umher und betrachteten das Geschehene. Wie durch ein Wunder stand unser Haus (Foto Baur) noch, während ringsum alles zerstört war. Wir hatten allerdings auch keine Fenster und Türen mehr im Haus. Das Dach war abgedeckt und innen große Schäden. Aus dem Bombentrichter vor unserm Haus waren Erdklumpen und Steine durch die Fenster und Decken und Wände geflogen. Die Garage war durch Erd- und Steinbrocken total zerschlagen. Unser Garten glich einem Gebirge. Das nächste Haus (Anm. Gärtner Schwarz) war total verschwunden. Die Bewohner alle tot. Der Bombentrichter vor diesem Haus war der größte unter den sieben in der näheren Umgebung. Ich blieb an diesem Abend bei Böhringers (Anm.: Besitzer des Olga) im Keller und auch an den folgenden Tagen. Wir sollten danach auf Anordnung der Stadtverwaltung während der Verteidigung Aalens die Stadt verlassen. Am Freitag früh um 7 Uhr machten wir uns auf den Weg nach Waldhausen. Und wurden von Jagdfliegern verfolgt ... Am Sonntag, 22. April, machten wir uns bei Schneegestöber wieder auf den Heimweg. Es bot sich uns ein lähmender Anblick. Ausländer (Zwangsarbeiter) waren ins Haus eingebrochen und hatten schrecklich darin geplündert. Wir haben bei der Oma im Keller geschlafen ...“Erwin Hafner

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