Erinnerungen eines Düsseldorfer Oberbürgermeisters von der Ostalb

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Thomas Geisel: "Grenzgänger". Erinnerungen eines Düsseldorfer Oberbürgermeisters.

Thomas Geisels Buch: „Grenzgänger. Sechs Jahre Leben für die Politik“.

Ellwangen/Aalen/Düsseldorf. Sechs Jahre lang, von 2014 bis Oktober 2020 stand er an der Stadtspitze Düsseldorfs: Thomas Geisel, ehemaliger Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens. Der heute 57-Jährige hat seine Wurzeln im Ostalbkreis. Seine Kindheit und Jugend erlebte er in Ellwangen. Vater Alfred Geisel war von 1980 bis 1996 sozialdemokratischer Vizepräsident des Landtags von Baden-Württemberg.

Jetzt hat Thomas Geisel ein Buch geschrieben. „Grenzgänger. Sechs Jahre Leben für die Politik“. Als einer der Ersten hat es Aalens früherer OB Ulrich Pfeifle gelesen. Er kannte Thomas Geisel als „aufgewecktes Bürschchen“ schon in dessen Ellwanger Zeit, wo er als Sohn des damaligen sozialdemokratischen Landtagsvizepräsidenten zur Schule ging.

Der Titel des „Cleverle“ sei ja im Schwäbischen mit der Person des ehemaligen Ministerpräsidenten und späteren Jen-Optik Chefs Lothar Späth schon besetzt. „Schade“, findet Pfeifle. Denn zu Thomas Geisel würde diese Umschreibung auch sehr gut passen.

Thomas Geisels Karriereweg hat Pfeifle aufmerksam verfolgt. Der führte über das Jurastudium in Tübingen und Genf weiter nach Washington D.C. Es folgte ein Stipendium an der Harvard Universität.

Und es ging weiter über die Treuhandanstalt in die Managertätigkeit als Gaseinkäufer bei der E.ON bis zur überraschenden Wahl als Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Düsseldorf. Pfeifle: „Dieser Weg rechtfertigt in der Tat die Bezeichnung Cleverle, und daran ändert sich meiner Meinung nach auch nichts durch die nach sechs Jahren erfolgte Abwahl.“

Warum dies so kam und was in den sechs turbulenten Jahren auf dem OB Sessel sich so alles ereignete, dies alles kann man nachlesen im Buch „Grenzgänger“. Natürlich dreht sich dabei vieles um Düsseldorfer Kommunal-Internas. Aber im Buch finde man vieles mehr, auch Allgemeingültiges. Pfeifle empfiehlt „Grenzgänger“ als lesenswert für jeden, der sich für (Kommunal)- Politik interessiert. Der Titel „Grenzgänger“ weise hin auf den bunten Lebensweg des Verfassers als einer der Wenigen, der die Grenze von der Wirtschaft hin zur Politik überschritten hat, mit allen Risiken und Nebenwirkungen. „Leider geschieht dies ja recht selten“, meint Pfeifle.

Viele Themen der Kommunalpolitik, wie sie sich überall für Räte und Bürgermeister stellen, werden in lesenswerten Kapiteln dargestellt, so Pfeifle weiter. Etwa die aktuellen Fragen zum Wohnungsbau, zum Klimaschutz, zur Verkehrswende und zur Bürgerbeteiligung sowie des Achtens auf Toleranz und Respekt.

Unterhaltsam sei die Schilderung von Begebenheiten wie der Trauung von Marco Reuss, dem umstrittenen Start der Tour de France, der Absage des Konzerts mit Ed Sheeran sowie den Turbulenzen um eine Umweltspur.

Wie man so etwas bewältigen kann, wenn man mit einer ebenfalls sehr erfolgreichen Powerfrau verheiratet ist und so „nebenbei“ fünf Töchter aufzieht – dieses Rätsel löse sich erst bei der Lektüre des Buches.

Hochaktuell im Hinblick auf die derzeitigen Koalitionsverhandlungen in Berlin sei die Beschreibung des nicht immer reibungslosen Funktionierens der Ampel im Düsseldorfer Gemeinderat. Als interessant und aufschlussreich bewertet Pfeifle die Schlussbetrachtungen zur Abwahl des „Grenzgängers“. Abgesehen davon, dass es für die CDU von NRW und ihren Ministerpräsidenten nahezu unerträglich war, in der Hauptstadt einen schwäbischen Sozialdemokraten ertragen zu müssen, gehe Thomas Geisel durchaus auch selbstkritisch mit einigen Aspekten seiner Rathauspolitik um.

Die Vorwortschreiber Günter Oettinger und Ulrich Tukur haben recht, wenn sie vom „Grenzgänger“ auch in Zukunft noch einiges erwarten.

Das Buch ist im Droste Verlag erschienen und kann über den örtlichen Buchhandel bezogen werden. Preis 22 Euro.

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