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Erkenne dich selbst

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Bernhard Hampp sieht sein Ich in der Videokonferenz gespiegelt

Das Fatale an diesen Videokonferenzen ist, dass wir immer auch unser eigenes Gesicht auf dem Bildschirm sehen. Also mir ist das gar nicht angenehm. So sehen mich also die anderen? Furchtbar. Ich kann gar nicht wegschauen. "Ich denke mir mein Ich durch ein Vervielfältigungsglas", schrieb der Autor E.T.A. Hoffmann. Der hatte anno 1809 aber auch leicht reden – er musste sich nicht täglich als peinliche Online-Kachel betrachten. Sonst hätte er sich vielleicht auch seiner Lockdownfrise geschämt. Geben Sie ihn ruhig mal bei der Google-Bildersuche ein. Erkenne dich selbst, ja, ja.

Also ich sehe viel lieber den Splitter im Auge meines Bruders als mein eigenes Brett vor dem Schädel. Natürlich gab es auch in Zeiten vor Skype, Teams, Zoom und Co. schon Menschen, die ausschließlich sich selbst gesehen haben. Die den Selfie-Modus gleichsam ab Werk eingestellt haben. Für die ist das toll. Andere behelfen sich mit Alkohol, der ja bekanntlich das Blickfeld verengt – vielleicht so sehr, dass man die eigene Kläglichkeit nicht mehr sieht? Oder aber, wenn es schief geht, doppelt? Schluss jetzt, muss mich für die nächste Videokonferenz rasieren …

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