Abschiedsbesuch im Ott'a Häusle

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An dieser Brücke über den Bodenbach beginnt der Arbeiterweg, den Männer von 1809 bis 1928 zum Attenhofer Stollen liefen – täglich hin und zurück. Heute lohnt es sich, dort zu wandern.
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Das Wohnhaus von Jenischen im Pfannenstiel ist zwar nicht mehr zu retten. Aber dort soll bald ein besonderer Platz entstehen – als Einstieg in den Arbeiterweg

Aalen-Fachsenfeld

Für die einen mag es ein Schandfleck sein, für die anderen ist es eine Art Denkmal an die Jenischen im Pfannenstiel: das sogenannte "Ott'a Häusle" in der Schloßreute 6 im Fachsenfelder Teilort Himmlingsweiler. "Wir haben uns lange bemüht, das kleine Haus mit Spendengeldern zu retten und zu renovieren", berichtet Franz Starz. Er ist der Vorsitzende der Fachsenfelder Heimatgeschichtsgruppe "Jenisch diebra". Er erzählt weiter: Dieses Ziel habe die Gruppe jetzt aufgegeben. Das "Ott'a Häusle" werde demnächst abgerissen. "Vergangene Woche hat uns OB Thilo Rentschler zugesagt, dass wir mit Unterstützung der Stadt dann hier eine Gedenkstätte errichten können – mit Schautafeln über unsere Vorfahren, die die Jenischen, und über ihren Arbeiterweg.

Den Arbeiterweg haben die "Jenisch diebra" bereits 2017 ausgebaut. Eben zur Erinnerung an die Jenischen, eine Gruppe von verarmten Heimatlosen. Sie hatten sich ab 1750 im Fachsenfelder "Pfannenstiel" angesiedelt, heute Himmlingsweiler. "Von dort gingen Männer täglich den 6,7 Kilometer langen Arbeiterweg zum Attenhofer Stollen nach Wasseralfingen und zurück", erzählt Franz Starz.

Wo jetzt das "Ott'a Häusle" steht, solle demnächst der Arbeiterweg beginnen, sagt er. Bei einem Treffen in der Schloßreute mit der SchwäPo-Redaktion macht er gleich auf etwas aufmerksam, das aber unbedingt vom "Ott'a Häusle" erhalten bleiben sollte: der Gewölbekeller, der von außen begehbar ist. "Das ist das Beste am ganzen Haus", sagt Franz Starz. "Dort können wir Moscht einlagern für die Feschdle der Bewohner von Schloßreute." Dafür solle an dem Platz auch eine Sitzgruppe entstehen.

Für die Erhaltung des Häusles seien zwar 18 000 Euro Spendengelder zusammengekommen, sagt Franz Starz. Aber Sachverständige hätten dann erläutert, dass eine Renovierung des Hauses mehr als 100 000 Euro kosten würde. "Da wäre noch keine Einrichtung im historischen Stil mitgerechnet." Der Vorsitzende der Heimatgeschichtsgruppe Fachsenfeld zeigt auf die Risse in der Hauswand und viele Stellen, an denen der Putz abgebröckelt ist. "Die Wände müsste man Stück für Stück abtragen, das wäre ein Riesenaufwand, sagt er.

Der letzte Bewohner des Häusles ist bei Nacht verschwunden.

Franz Starz Vorsitzender der "Jenisch diebra"

Dann öffnet Franz Starz die Haustüre und deutet auf ein kleines Spülbecken gleich neben dem Eingang. "Hier haben anfangs zehn Leute gelebt, erzählt er. Das Spülbecken sei ihre einzige Waschgelegenheit gewesen. Das Wohnzimmer und das darüberliegende Schlafzimmer sind jeweils 2,5 auf 2,5 Meter klein. "Bestimmt hat ein Teil der Kinder auf der eiskalten Bühne geschlafen", befürchtet Starz. Nichts sei da isoliert. "Im Winter ist gewiss Schnee reingeweht."

1848 hätten Jenische das Haus gebaut, weiß Franz Starz. Einer der letzten Besitzer habe "Ott" geheißen, daher der Name des Häusles. Zuletzt darin gewohnt habe ein Lediger. Der sei jedoch vor 30 Jahren "über Nacht" ausgezogen und habe dabei sogar seine Zahnbürste, Bettdecke und sonst noch alles Mögliche zurückgelassen. Seit 2019 gehöre das Haus nun der Stadt.

Franz Starz ist zuversichtlich: Nach dem Abriss werde das bestimmt ein schöner Ausgangspunkt für Wanderer.

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