Warum das „Ott'a Häusle“ nun doch erhalten wird

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Das "Ott'a Häusle" im Fachsenfelder Pfannenstil soll vor dem Verfall und Abbruch gerettet werden. Das Haus aus dem 19. Jahrhundert, soll renoviert werden und später als Museum genutzt werden.
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Der Abriss des letzten Kolonistenhauses in der Fachsenfelder Schlossreute schien besiegelt. Jetzt die Kehrtwende. Wie es weitergeht.

Aalen-Fachsenfeld

Vor einem knappen Jahr noch schien der Abriss des „Ott’a Häusle“ – so nennen die Fachsenfelder das Kolonistenhäusle in der Schloßreute 6 - besiegelt. Jetzt zeichnet sich die Wende ab. An einem Samstagnachmittag vor knapp zwei Wochen rückte OB Frederick Brütting höchstpersönlich mit der Motorsäge in der Hand an, um das baufällige Häusle von wildem Gestrüpp und Buschwerk freizuschneiden.

Die Zusage des OB

Wie Ortsvorsteherin Sabine Kollmann berichtet, hatte der OB den Fachsenfeldern in seinem Wahlkampf zugesagt, sich für den Erhalt des Hauses aus dem frühen 19. Jahrhundert einsetzen zu wollen, sollte er gewählt werden. Der OB, so Kollmann weiter, wolle die Fachsenfelder Heimatgeschichtsgruppe „Jenisch diebra“* (übersetzt: Jenische sprechen, Anm. d. Red,) in ihrem Ziel bestärken, aus dem „Ott'a Häusle“ im Teilort Himmlingsweiler einen Gedenkort für die Geschichte der Jenischen zu machen. Mit Info- und Schautafeln im Inneren des „Ott'a Häusles“, die über das Leben der Jenischen im Pfannenstiel berichten, und mit einem schön gestalteten Platz mit Sitzbank und Blumenwiese davor.

Unterstützt wurde Brütting in seinem Arbeitseinsatz von privaten Helfern, von Ortsvorsteherin Sabine Kollmann und Mitgliedern der Heimatgeschichtsgruppe.

„Der OB will einen Facharchitekten mit der Begutachtung des Häusles beauftragen.“ Darüber freut sich nicht nur die Ortsvorsteherin, sondern auch Franz Starz. Der Sprecher der Fachsenfelder Heimatgeschichtsgruppe bemüht sich nach dem Tod seines engagierten Vorgängers Eberhardt Looser vor zwei Jahren, gemeinsam mit Jürgen Opferkuch und aktuell weiteren rund 15 bis 20 Frauen und Männern um die Aufarbeitung der Geschichte der Jenischen im früheren „Pfannenstiel“.

„Wir sind sehr froh, dass der OB so deutlich hinter unserem Vorhaben steht“, betont Opferkuch. Jetzt gelte es, die Fachsenfelder für das Projekt zu begeistern, damit später so viele wie möglich mithelfen bei der Sanierung des „Ott'a Häusles“. Die Finanzierung könnte man aus Fördermitteln des Entwicklungsprogramms Ländlicher Raum (ELR), mit Hilfe von Sponsoren und aus dem Ortschaftsbudget stemmen, habe der OB in Aussicht gestellt.

Ein ganz persönliches Anliegen

Vor einem Jahr noch war die Stimmung eine andere: Schweren Herzens, so erzählt Starz, habe die Heimatgeschichtsgruppe damals ihr Ziel aufgeben müssen, das „Ott'a Häusle“ zu sanieren. Denn allein hätte die Gruppe die geschätzt 120 000 Euro Sanierungskosten nicht stemmen können. Erst knapp 30 000 Euro seien durch gezielte Aktionen eingespielt worden, sagt Starz, der mit der geplanten Gedenkstätte auch ein ganz persönliches Anliegen verbindet. Auch seine Vorfahren stammen von der Schlossreute in Nachbarschaft zum Pfannenstiel; zählten zur Volksgruppe der Jenischen.

Dabei handelte es sich um Heimat- und Besitzlose, Vertriebene, ehemalige Söldner oder fahrende Händler. Sie waren bettelarm, mit eigener Sprache und Musik. Die Jenischen, so formulierte es einst Eberhardt Looser, Herausgeber des 150 Seiten starken Buchs „Flüchtlinge im eigenen Land - Die Ansiedlung der Jenischen im ehemaligen Pfannenstiel“, waren ökonomisch, rechtlich und sozial aus der Mehrheitsbevölkerung ausgeschlossen.

Aber zur Wahrheit gehört auch: Die Jenischen haben die Fachsenfelder Heimatgeschichte wesentlich mitgeprägt. Ab 1750, so hat die Heimatgeschichtsgruppe herausgefunden, begann ihre Ansiedlung im heutigen Himmlingsweiler unter Freiherr Christoph Heinrich von Woellwarth. Ab dem frühen 19. Jahrhundert sollen dann immer mehr Männer aus dem Pfannenstiel in die Bergwerke in Oberalfingen und später in Wasseralfingen marschiert sein, um dort unter Tage zu schuften. An diesen harten Alltag erinnert das vor vier Jahren eröffnete „Arbeiterwegle“, dessen Beginn künftig ans „Ott'a Häusle“ verlegt werden soll. Dieses etwa um 1830 entstandene Kolonistenhaus steht laut Starz seit etwa 25 Jahren leer und befindet sich inzwischen im Besitz der Stadt Aalen. Benannt ist es nach der Familie Ott, die hier bis Anfang der 1950er Jahre gelebt hat.

* Dieser Artikel wurde aktualisiert. In der vorherigen Version hatten wir geschrieben "Jenisch drieba".

Ortsvorsteherin Sabine Kollmann (r.) und Jürgen Opferkuch von der Fachsenfelder Heimatgeschichtsgruppe "Jenisch drieba" vor dem "Ott'a Häsule" in der Schlossreute 6.
Das "Ott'a Häusle" hat die Adresse Schlossreute 6 in Himmlingsweiler.
Dieses Zimmer direkt über der Küche ist wohl im Zuge eines späteren Anbaus entstanden und hat zuletzt als Kinderzimmer gedient.
Otta´s Häusle im Fachsenfelder Pfannenstil soll vor dem Verfall und Abbruch gerettet werden. Das Haus aus dem 19. Jahrhundert, soll renoviert werden und später als Museum genutzt werden.
Rechts die Haustür. Geradeaus geht es in ein Zimmer, das zuletzt als Küche genutzt wurde. Die Fachsenfelder Heimatgeschichtsgruppe geht davon aus, dass dieses Zimmer im Zuge eines späteren Anbaus entstanden ist.
Hinter dem Brett geht es in den Gewölbekeller. Ein Treppe dort hinein gibt es nicht mehr. Seit langer Zeit war niemand mehr dort unten.
Das "Ott'a Häusle" im Fachsenfelder Pfannenstiel soll vor dem Verfall und Abbruch gerettet werden. Das Haus aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts, soll saniert werden und in eine Gedenkstätte für die einst angesiedelten Jenischen verwandelt werden. Das Bil
Unterstützt wurde OB Frederick Brütting (5. v.l.) in seinem Arbeitseinsatz von privaten Helfern, von Ortsvorsteherin Sabine Kollmann und Mitgliedern der Heimatgeschichtsgruppe.
Otta´s Häusle im Fachsenfelder Pfannenstil soll vor dem Verfall und Abbruch gerettet werden. Das Haus aus dem 19. Jahrhundert, soll renoviert werden und später als Museum genutzt werden.
Das „Ott'a Häusle“ in der Fachsenfelder Schlossreute soll vor dem Verfall und Abbruch gerettet werden. Das Haus aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat viel über die Geschichte der Jenischen in Fachsenfeld zu erzählen.
Franz Starz an der Eingangstür des rund 200 Jahre alten „Ott'a Häusle“.
Franz Starz (r.), Sprecher der Fachsenfelder Heimatgeschichtsgruppe "Jenisch drieba" und Ortsvorsteherin Sabine Kollmann vor dem "Ott'a Häusle" in der Schlossreute 6.
Ein Blick ins frühere Schlafzimmer im Obergeschoss. Aufgrund der eingedrungenen Feuchtigkeit lösen sich die Tapeten von den Wänden.
Ein Blick ins Obergeschoss: rechts die Eingangstür zum früheren Schlafzimmer. Die steile Holztreppe führt hoch zum Dachboden, auf dem früher wohl die Kinder geschlafen haben sollen.
Ein Blick ins Innere des "Ott'a Häusle" im Fachsenfelder Pfannenstiel. Dach und Mauerwerk sind undicht, Nässe dringt ein. Der Putz platzt von den Wänden, die Tapeten haben sich gelöst und fallen ab. Eine Sanierung drängt, will man das Haus erhalten.

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