Fiktive Interviews mit den römischen Kaisern - hier als Hörversion

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Zunächst belächelt, doch erfolgreich: Claudius 

Kaiser Claudius (41 bis 54 . Chr.)

Claudius (41 bis 54 n. Chr.) gelangte als letzter männlicher Nachfolger seiner Familie nach der Ermordung Caligulas überraschend an die Macht über das römische Reich. Trotz gesundheitlicher Probleme und einer schwierigen Jugend erreichte der unscheinbare Kaiser viel:

Die Expansion beziehungsweise Stabilisierung des römischen Reiches ist eine seiner Errungenschaften – obwohl er persönlich nicht gern reiste. Zusätzlich schuf er mit Aquädukten, Kanälen und Verkehrswegen eine Infrastruktur, um die Römer mit Nahrung zu versorgen. Der Kaiser integrierte die Provinzbevölkerung, indem er den Sklaven großzügig Bürgerrechte gab. Andererseits zentralisierte er die öffentliche Verwaltung.

Privat war er weniger glücklich. Er wurde schließlich gar von seiner Ehefrau vergiftet.

Sein Erfolg ist auf die damals sehr innovative Kombination politischer Schwerpunkte zurückzuführen: die außenpolitische Absicherung des Reiches bei liberaler Bürgerrechtspolitik und Sicherung der Grundversorgung durch Infrastrukturmaßnahmen. Anja Borgmeier und Hannah Jarebica (10a)

Üble Mutter eines schlimmen Kaisers: Agrippina

Agrippina.

Sie wollten schon immer wissen, wer die Mutter von Nero war und welchen Einfluss sie auf ihren Sohn hatte? Dann sind Sie hier genau richtig!

Agrippina gilt als Stadtgründerin Kölns und war die Urenkelin des Augustus. Sie heiratete im Jahr 49 n. Chr. ihren Onkel Claudius. Da dies aber ursprünglich verboten war, ließ sie ein Gesetz ändern, damit ihr nichts mehr im Weg stand. Sie war außerdem die erste Römerin, der der Titel „Augusta“ noch zu Lebzeiten verliehen wurde. Diesen Titel bekam sie von ihrem Onkel und Ehemann Claudius.

Agrippina war eine herrschsüchtige Ehefrau und Mutter. Im Jahr 54 n. Chr. ließ sie Claudius ermorden. Möglicherweise nicht ihr einziger Mord. Anstelle von Agrippina wurde jedoch Nero der nächste Machthaber Roms.

Die ersten fünf Regierungsjahre Neros waren aufgrund des Einflusses seiner Ratgeber, des Philosophen Seneca und des Prätorianerpräfekten Burrus, eine Blütezeit.

Aber auch seine Mutter Agrippina übte in den ersten Jahren seiner Herrschaft starken Einfluss auf ihn aus. Später entzog sich Nero dem Einfluss seiner Mutter und verließ sich auf andere Ratgeber. Schließlich ließ er seine Mutter im Jahr 59 n. Chr. ermorden und inszenierte dies als einen Unfall. Rea-Franziska Markgraf und Michelle Meinecke (10a)

Ein Despot mit Größenwahn: Domitian

Kaiser Domitian.

Titus Flavius Domitianus (Domitian) wurde 51 n. Chr. in Rom als Sohn von Kaiser Vespasian geboren. Er hatte einen Bruder, Titus, zu dem er jedoch kein gutes Verhältnis hatte. Da dieser kinderlos starb, wurde Domitian sein Nachfolger.

Domitian wurde als schlechter Princeps angesehen, da er den Senat aus politischen Entscheidungen heraushielt und diesen schlecht behandelte. Sich selbst ließ er hingegen als Dominus et Deus – als Herr und Gott – anreden. Domitian galt als sehr paranoid und ließ jeden Verdächtigen hinrichten. Dies konnte sogar seine engsten Vertrauten treffen. Sein autokratischer Herrschaftsstil war äußerst unbeliebt. So war es nicht verwunderlich, dass er schließlich selbst einem Anschlag zum Opfer fiel: Ein gewisser Stephanus versteckte einen Dolch in einer Schiene am Arm. Diese hatte er vorher schon einige Tage getragen, um keinen Verdacht zu erregen. In einem Zweikampf, der erst entschieden wurde, als weitere Verschwörer sich einmischten, wurde der Kaiser schließlich getötet. Trauer herrschte nur bei der Armee, der Senat jubelte und die große Masse blieb gleichgültig. Domitian war der erste Kaiser, der der Damnatio memoriae anheimfiel, was bedeutete, dass im ganzen Reich nichts an ihn erinnern durft. Victoria Straub (10a) und Moritz Vogt (10b)

Auf dem Weg zur Alleinherrschaft: Caesar

Gaius Julius Caesar. 

Im Jahr 100 v. Chr. wurde der wohl bekannteste Römer geboren: Gaius Julius Caesar. Schon in jungen Jahren hatte er Kontakt mit der großen Politik und geriet in Konflikt mit den Machthabern: Der damalige Diktator Sulla befahl ihm, sich von seiner Frau, die eine Tochter des Sulla-Gegners Cinna war, scheiden zu lassen. Caesar lehnte ab!

Caesar war ein machthungriger römischer Politiker: Seine Ziele verfolgte er eisern, mitunter rücksichtslos. So eroberte er Gallien, das das heutige Frankreich, die Niederlande und Belgien umfasste. Er unterwarf unzählige gallische Stämme und schlug Aufstände nieder.

Auch vor Kriegsverbrechen schreckte er nicht zurück. Als er deshalb vor Gericht gestellt werden sollte, entschied er sich, seine Armee nicht zu entlassen und lieber einen Bürgerkrieg zu riskieren als angeklagt zu werden. Er überschritt den Rubikon, kämpfte erbittert gegen seinen einstigen Freund Pompeius, den er um das halbe Mittelmeer jagte. Caesar beanspruchte die alleinige Macht – dies stand im krassen Widerspruch zur römischen Republik. Dennoch lehnte er den Titel „König“ ab. Schlussendlich verbündeten sich zahlreiche Senatoren gegen ihn und ermordeten ihn mit 23 Dolchstößen. Simon Rettenmaier (10a) Luca Tagger (10b)

Der erste Princeps der Römer: Augustus

Kaiser Augustus.

Caesar ist wohl der bekannteste Römer. Doch wer beerbte ihn, als er ermordet wurde? Der junge Kaiser Augustus, der früher noch Octavius hieß. Er hatte unter Caesar gedient, dieser hatte ihn adoptiert und so rächte er auch dessen Mord. Der junge Mann wollte selbst unbedingt an die Macht und setzte sich in der Schlacht bei Actium gegen Marc Anton durch. Während der Bürgerkriege, die seinen Weg zur Macht markierten, wurden 200 Senatoren und 2000 Leute aus dem Ritterstand hingerichtet.

Er richtete eine völlig neue Herrschaftsform ein unter Beibehaltung der alten Strukturen, den Principat. So gab er dem Senat alle Befugnisse zurück, nur den Oberbefehl über das Heer und die römischen Provinzen und die Macht über die Stadt Rom behielt er für sich: Mit diesem Trick hatte er sich die ganze Macht gesichert.

Für Rom war Augustus ein Glücksfall: Die Stadt wurde unter Augustus weit ausgebaut, es entstanden viele Aquädukte und Tempel. Unter ihm entstand ein goldenes Zeitalter – das Reich blühte.

Allerdings erhielt sein Plan, das Reich bis zu Elbe auszuweiten, einen herben Dämpfer: In der Schlacht im Teutoburger Wald wurde sein Feldherr Varus vernichtend geschlagen und verlor drei Legionen. Der kluge und tatkräftige Augustus starb in hohem Alter durch Krankheit. Marc Hegele und Julius Eberhard (10b)

Ein schlechter Kaiser? Tiberius

Kaiser Tiberius.

Tiberius war Kaiser von 14 bis 37 n. Chr. Er war der zweite Kaiser des römischen Reiches. Seine Regierungszeit war eine der längsten Alleinherrschaften eines römischen Kaisers.

20 v. Chr. hatte Tiberius sein erstes Kommando während eines Krieges. Es gelang ihm ein großer diplomatischer Erfolg. Er konnte Feldzeichen zurückholen, die die Armee nach schweren Niederlagen verloren hatte.

Augustus adoptierte nicht etwa seinen Stiefsohn Tiberius, sondern die Söhne seiner Schwester Julia, Gaius und Lucius. Diese starben aber noch vor ihm. So hat Augustus den „ungewollten“ Tiberius zum Nachfolger ernannt. Tiberius erwies sich als guter und sparsamer Verwalter des Reiches. Er wählte eine konservative Außenpolitik und beendete riskante Offensiven. In den Provinzen baute er die Verwaltung aus.

In Notfällen investierte er großzügig in den Wiederaufbau. Nach Katastrophen spendete er sehr großzügig und gewährte Steuererlässe.

Die zahlreichen Prozesse wegen Majestätsbeleidigung machten ihn in den Augen vieler zum Tyrannen. Darüber hinaus soll Tiberius mit sadistischem Vergnügen andere Menschen gequält haben. Personen, die er nicht mochte, ließ er einfach von den Klippen werfen. Am 16. März 37 n. Chr. starb Tiberius als ein höchst unbeliebter Herrscher. Durch zahllose Prozesse gegen Senatoren und Bürger sowie durch hohe Steuern hatte er sich alle Sympathien verspielt. Dilara Kütük und Valentin Fetahu (10b)

Diplomat im Kaisergewand: Hadrian

Kaiser Hadrian.

Lässt sich Herrschaft mit Diplomatie vereinbaren? Durchaus!

Es war das Jahr 117 n. Chr., als Hadrian den römischen Thron bestieg. Er folgte seinem Adoptivvater Trajan und war somit der erste Herrscher Roms, der nicht aufgrund seines Geburtsrechts, sondern durch Adoption an die Macht gelangte. Er lebte von 76 bis 138 n. Chr.. Geprägt war seine Herrschaft durch seine exzentrische Art, die wenig Kritik zuließ.

Hadrian war aber auch wissensdurstig, tatkräftig und sonnte sich gerne in seinen Taten. Sich zu profilieren war ihm nicht fremd, aber letztendlich konnte er auch auf einige positive Veränderungen zurückblicken. So setzte er sich verstärkt für Frauenrechte ein. Frauen konnten nun endlich selbst entscheiden, wen sie heiraten wollten.

Hadrian war zudem mehr an einer Festigung und Grenzsicherung des römischen Reiches interessiert als an einer Vergrößerung des Reiches durch Kriege. So entstand unter anderem der nach ihm benannte Hadrianswall in England.

Diplomatie stand für ihn im Vordergrund. Er blieb vielen als Friedensherrscher in Erinnerung.

Unvergessen war sicher auch der Umstand, dass er der erste bekennende Homosexuelle war. Hadrian liebte nicht nur seinen langjährigen Lebenspartner Antinoos, sondern auch die Kunst und die Wissenschaft.

Sein Wirken zeigt auch heute noch, dass man nicht nur mit kriegerischer Konfrontation etwas erreichen kann. Seine weltoffene Art und vielseitigen Interessen sollten uns ein Beispiel sein. Isabella Raspe und Kim Weber (10a)

Ein Mann der Veränderung? Marc Aurel

Kaiser Marc Aurel.

Engagement für die Schwachen der Gesellschaft – aus unserer heutigen Sicht selbstverständlich, zur Zeit der Antike geradezu revolutionär. Genau dafür setzte sich der im Jahr 121 geborene Marc Aurel ein, einer der letzten großen Stoiker.

Der Versuch, jene Ziele durch die Umsetzung seiner philosophischen Ideale der Freiheit und Gleichberechtigung zu verwirklichen, scheint dem ihm verliehenen Titel des Philosophen auf dem Kaiserthron gerecht zu werden. Dennoch trüben fragwürdige Aktionen das Bild: Christenverfolgungen, außenpolitisches Versagen, militärische Inkompetenz.

Fairerweise gilt zu sagen, dass sich während seiner Herrschaft Katastrophen außerhalb seines Einflusses ereigneten, etwa die Antoninische Pest und eine Überschwemmung des Tibers. Dennoch führte sein militärisches Versagen zur Destabilisierung der Grenzen und Verschlimmerung der Hungersnöte. Eine kontroverse Persönlichkeit also, ein Mann der Veränderung, positive wie negative.

Marc Aurel war ein Philosoph, dem die Last der Verantwortung eines Kaisers viel abverlangte, vielleicht zu viel, mit dem die goldene Ära Roms endete. Was Marc Aurel uns dennoch nahebringt: Ein Herrscher sollte dem Volk dienen und ist keineswegs unfehlbar. Madita Mühlberger Elias Malisi (10a)

Brudermörder und Thermenbauer: Caracalla

Kaiser Caracalla.

Der römische Kaiser Caracalla herrschte von 211 bis 217 n. Chr.. Der Name Caracalla leitete sich von seinem Kapuzenmantel ab. Rombesucher können noch heute die unter seiner Herrschaft erbauten Caracallathermen bewundern.

Caracalla war der Nachfolger seines Vaters Septimius Severus, des Begründers der Severischen Herrscherdynastie. Ursprünglich trat er die Herrschaft zusammen mit seinem Bruder Geta an, den er aber nach kurzer Zeit in eine Falle lockte und im Beisein seiner Mutter ermordete. Es folgte eine Hinrichtungswelle, in der er 20 000 (vermeintliche) Anhänger seines Bruders ermorden ließ. Ein weiteres Beispiel seiner Grausamkeit war ein Massaker unter den Einwohnern Alexandrias, von denen er sich verspottet fühlte.

Caracalla stützte seine Macht hauptsächlich auf die Armee. Er führte mehrere Feldzüge, unter anderem gegen die Germanen und Parther und nahm dabei die gleichen Strapazen auf sich, wie die einfachen Soldaten. Im Jahr 217 wurde er im Rahmen einer Verschwörung ermordet.

Caracalla war ein grausamer Herrscher, der aber auch dafür berühmt ist, dass er allen freien Bewohnern des römischen Reichs das römische Bürgerrecht verlieh, womit sich die rechtliche Stellung und die Aufstiegschancen vieler Einwohner des Reichs deutlich verbesserten. Johannes Kürz und Katerina Severin (10a)

Rubriklistenbild: © OLIVER GIERS

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