Folgen des Kriegs auf dem Wochenmarkt: "Wir wollen die Preise beibehalten, solange es geht.“

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Manfred Holtz baut viele der Produkte, die er am Marktstand in Aalen anbietet, in seiner Gärtnerei in Essingen selbst an.
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Fleisch wird teurer. Fisch, Obst, Gemüse, Blumen kosten etwa so viel wie vor dem Ukrainekrieg. Händler müssen mehr ausgeben für Energie, Sprit und Öl. Die Stimmung ist trotzdem gut.

Aalen. Martin Baum kauft jeden Mittwoch und jeden Samstag auf dem Wochenmarkt ein. „Der Wochenmarkt gehört zu Aalen“, sagt er. Dazu gehört für ihn auch, immer wieder mal anzuhalten und ein Schwätzle zu halten. Manchmal brauche er eine halbe Stunde, um über den Marktplatz zu gehen, sagt er und lacht. Nun, da es keine Maskenpflicht mehr gebe, sei es wieder leichter, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Dass manche Produkte wegen des Kriegs in der Ukraine teurer werden, stört den Aalener nicht. „Ich brauche ja nicht viel“, sagt Baum. Seit 30 Jahren isst er auf dem Markt eine Wurst vom Imbiss Irtenkauf Keefer. Auch das gehört für ihn dazu.

"Wir wollen die Preise beibehalten, solange es geht.“

Klaus Irtenkauf, Imbiss Irtenkauf Keefer

Imbiss Irtenkauf Keefer: Die Wurst ist wegen des Ukrainekriegs noch nicht teurer geworden. Im November 2021 hat der Imbiss den Preis zuletzt auf 3,50 Euro erhöht, erzählt Klaus Irtenkauf, der auch Vorsitzender des Vereins der Marktbeschicker ist. Die Erhöhung damals sei der allgemeinen Inflation geschuldet gewesen. Nun hat er wegen des Kriegs höhere Ausgaben. Fett zum Beispiel kostet ihm zufolge nun über 40 Euro statt wie früher 20 Euro pro Eimer. Doch an die Kunden weitergeben möchte er das nicht. „Vier Euro für eine Wurst bezahlt keiner“, ist er sich sicher. „Wir wollen die Preise beibehalten, solange es geht.“

Familie Nieß: Am Stand der Familie Nieß gibt es Obst, Gemüse, Fleisch und mehr. Laut Johannes Nieß sind die Preise für Obst und Gemüse stabil geblieben, da es sich um regionale Produkte handelt. Fleisch allerdings sei teurer geworden. Johannes Nieß führt das darauf zurück, dass der Getreidepreis stark angezogen habe und sich dadurch das Tierfutter verteuert. „Rindfleisch ist 20 bis 30 Prozent teurer geworden“, bestätigt sein Vater Hans Nieß. Die Familie spürt außerdem, dass Benzin nun so teuer ist. Denn mit dem Stand sind sie viel unterwegs, viermal die Woche auf verschiedenen Märkten. Zwei-, dreimal, im Sommer auch viermal, die Woche geht es zum Einkaufen auf den Großmarkt nach Stuttgart. Zudem holen sie Produkte direkt bei den Erzeugern ab, zum Beispiel in Heilbronn.

Gärtnerei Holtz: Obst, Gemüse, Blumen: Die Preise sind laut Manfred Holtz noch stabil. Manche Produkte, die er auf dem Aalener Markt anbietet, kauft er auf dem Großmarkt in Stuttgart. Vieles aber baut er selbst in der Gärtnerei in Essingen an. Gewächshäuser müssen beheizt werden. Da Energiekosten gestiegen sind, weiß er nicht, ob die Preise für die Produkte aus Gewächshäusern stabil bleiben, ob sie teurer werden müssen oder ganz im Gegenteil die Preise vielleicht sogar verfallen. „Vielleicht gibt es bald auch eine Überproduktion“, sagt er. Denn im Moment würden viele Gärtnereien ihre Gewächshäuser so wenig heizen wie möglich. Später, wenn das Wetter wärmer werde, würden dann viele Produkte gleichzeitig erntereif.

Hamburger Fischkutter Haberlandt: Die Preise für Fisch sind laut Karin Haberlandt wegen des Kriegs nicht gestiegen. Die Preise für Speiseöl dagegen schon. Das betrifft die Fisch-Salate, die sie und ihr Team anbieten. Manche werden mit Mayonnaise zubereitet und für Mayonnaise braucht es Öl. Karin Haberlandt denkt, dass sie die Preise für die Fisch-Salate wohl erhöhen muss.

Kunden kommen gerne : Mehrere Marktbeschicker erzählen, dass so mancher Stammkunde stöhnt, weil das Leben insgesamt teurer wird. Auf den Wochenmarkt kämen Kundinnen und Kunden aber immer noch gerne zum Einkaufen, wegen der Beratung oder für ein Schwätzle.

Wochenmarkt in Aalen ist mittwochs und samstags von 7 bis 12.30 Uhr.

Klaus Irtenkauf betreibt den Imbisswagen am Marktbrunnen und ist der Vorsitzende des Vereins der Marktbeschicker.
Preise für Blumen auf dem Wochenmarkt sind zurzeit stabil.
Am Stand der Familie Nieß gibt es Obst, Gemüse, Fleisch, Käse, Eier und weitere regionale Produkte. Johannes Nieß (vorne) packt Spargel für eine Kundin ein. Im Hintergrund steht Hans Nieß.
Karin Haberlandt, Andrea Heidrich und Wolfgang Schaupp (von links) vom Hamburger Fischkutter Haberlandt.

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