Gas-Krise: Wie sich Aalen auf den Ernstfall vorbereitet

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Über ein Drittel des in Deutschland verbrauchten Erdgases stammt aktuell aus Russland.
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Die Stadt Aalen kann einen potenziellen Gasausfall nicht selbst kompensieren. An welchen Stellschrauben sie dennoch drehen kann.

Aalen. Was passiert, wenn nichts mehr kommt? Was ist, wenn Russland nach Beendigung der Wartungsarbeiten an der Pipeline Nordstream 1 die Gaslieferung komplett einstellt? Was bedeutet das für Aalen und wie bereitet sich die Stadt auf den Ernstfall vor? Über den aktuellen Planungsstand für die Stadt Aalen haben OB Frederick Brütting und Christoph Trautmann, Geschäftsführer der Stadtwerke Aalen, am Mittwoch in einem Pressegespräch informiert.

Das Wichtigste zuerst: „Das von der Bundesregierung heraufbeschworene apokalyptische Szenario ist keineswegs sicher. Es gibt immer noch die Chance, dass wir über den Winter mit einem blauen Auge davonkommen, wenn es uns allen gelingt, den Gasverbrauch zu reduzieren“, relativiert der Stadtwerkechef die allgemeine Hysterie. Aber freilich müsse man sich - zumindest gedanklich - auch auf die von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck zitierten Szenarien vorbereiten.

Eins aber ist laut OB Brütting schon jetzt sicher: Es ist das Wissen um eine langfristige Verteuerung der Energiepreise. „Die Stadt Aalen kann den Gasausfall nicht selbst kompensieren“, so Brütting. Hier sieht er vor allem auch die Bundesregierung in der Verantwortung. „Bei Einmalzahlungen kann es nicht bleiben. Zumindest über den Winter hinweg werden wir einen Sicherheitspuffer brauchen“, stellt er fest. Er, Brütting, könne sich vorstellen, dass es von Staatsseite für die Verbraucher eine Deckelung gibt, um die Energiepreise auf dem Niveau vor dem Ukrainekrieg zu halten.

Keine konkreten Maßnahmen

Im übrigen sind in der Stadt Aalen die Pläne angesichts einer möglichen Gasknappheit noch nicht so konkret. „Aber wir müssen uns situativ vorbereiten. Wir als Stadtverwaltung erarbeiten erst einen Plan für den Katastrophenfall, wenn es tatsächlich kein Gas mehr für die Privathaushalte geben sollte“, sagt Brütting. Aber so ein Katastrophenszenario, dass das Gas komplett ausbleibt, trete nicht von heute auf morgen ein, ergänzt Trautmann. „Das werden wir mit einem Vorlauf von sechs bis acht Wochen wissen.“

Aktuell stellt die Stadtverwaltung im Hinblick auf den Winter einen Maßnahmenplan für öffentliche Gebäude auf. Der OB spricht momentan noch von Empfehlungen und keinen verbindlichen Vorgaben, was die Energieeinsparungen etwa in den Gebäuden der Stadtverwaltung und in anderen öffentlichen Gebäuden angeht.

Was bisher klar ist

Kindergärten, Krankenhäuser und private Verbraucher sind gemäß dem Energiewirtschaftsgesetz geschützte Verbraucher und werden auch im Fall einer Gasmangellage weiter versorgt und beliefert und nicht abgeschaltet. Das bestätigt der Stadtwerkechef. Nicht geschützt seien etwa Großverbraucher wie Industrieunternehmen. Allerdings sei dieser Leitfaden für kurzzeitige Krisen definiert worden und nicht für länger andauernde Worst-Case-Szenarien.

Trautmann: „Wenn sich eine Gasknappheit abzeichnen sollte, werden wir den Unternehmen gezielt anordnen, ihren Verbrauch zu reduzieren oder einzustellen.“ Diese Anordnung könne von den Stadtwerken kommen, gewissermaßen im Auftrag der vorgelagerten Netzbetreiber, oder per Direktverfügung von der Bundesnetzagentur. Zu den Entscheidungskriterien, so Trautmann weiter, zählten etwa die Höhe des potenziellen Schadens durch eine Betriebsunterbrechung und die Frage, ob der Verbraucher auch mit anderen Brennstoffen arbeiten kann. Trautmann spricht von einer Meldekette: „Wir als Stadtwerke müssten dann an die Bundesnetzagentur das Potenzial melden, dass potenziell zur Abschaltung zur Verfügung stünde.“

Dass hingegen eine erhebliche Verteuerung der Energiepreise auf alle Verbraucher zukomme, sei so sicher wie das Amen in der Kirche. Trautmann appelliert daher an alle Bürgerinnen und Bürger, Gewohnheiten umzustellen und den monatlichen Energieabschlag vorsorglich um 20 bis 30 Euro zu erhöhen. „Seien Sie nicht so blauäugig zu glauben, einer wird's schon richten“, warnt der Stadtwerkechef.

Bäderschließungen oder eine Absenkung der Wassertemperaturen stehen in Aalen (noch) nicht an. „Zumal unsere Bäder intensiv für Vereinssport- und Schulbetrieb genutzt werden“, so der OB. Auch die nächtliche Stadt- und Straßenbeleuchtung wird nicht abgeschaltet. Der OB betont: „Wir werden sicherheitsrelevante und soziale Bereiche schützen. Alles andere wäre Symbolpolitik und bringt uns nicht weiter.“

Abschläge ändern kann man online über das Kundenportal der Stadtwerke.

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