Gedenken und szenische Lesung in der Stadtkirche

+
Die Aalener Stadtkirche.
  • schließen

Erwin Hafner berichtet über seine Recherchen zu Georg Elser in den 60er Jahren.

Aalen. Der Hitler-Attentäter Georg Elser aus Königsbronn ist in Aalen besser bekannt geworden, seitdem nach ihm der Platz beim Kultur-Bahnhof benannt worden ist. Dort ist auch noch bis 27. Januar eine Ausstellung zu sehen, die, wie berichtet, mit informativen Erläuterungen von Joachim Ziller, dem Leiter der Georg-Elser-Gedenkstätte eröffnet wurde.

Hafners Erinnerungen:

Weil der Schreiner Georg Elser auch eine Zeit lang in der Möbelfirma Rieder in der Gmünder Straße beschäftigt war, also einen Bezug zu Aalen hatte, wollte der damals noch junge Journalist Erwin Hafner Anfang der 60er-Jahre wissen, wie die Königsbronner 1939 auf das Attentat des Alleintäters reagiert hatten. Woran sich der spätere SchwäPo-Chefredakteur Erwin Hafner erinnert:

Im Königsbronner Rathaus saß ein noch relativ junger Bürgermeister, von dem bekannt war, dass er „in der Wolle“ immer noch „braun“ - also ein alter Nazi - war. Kaum dass ich zum Sprechen kam, wies er mich schroff ab. „Das darf doch nicht wahr sein“, dachte ich. Und versuchte mein Glück an den Türklingeln in der Umgebung von Elsers einstigem Geburtshaus. Überall ging die Haustür nur kurz auf. Und gleich wieder zu, als ich auf Elser zu sprechen kam.

Ich fragte mich, ob denn all diese Leute möglicherweise das Attentat immer noch missbilligten? Keine Frage: Elser wurde damals nicht nur in „Attentatshausen“, wie Spötter Königsbronn nannten, mehr oder weniger totgeschwiegen. Alle Welt sprach nur vom Attentat des Generalstabsoffiziers Graf Stauffenberg. Was dagegen war ein einfacher Arbeiter wie Georg Elser? Auch wenn der sich ganz allein aus eigenem Antrieb zu dem Attentat entschloss. Weil für ihn klar war: Hitler bedeutet Krieg!

Gründe für das Schweigen

Erst viel später wurden die Gründe für das Schweigen und die abrupte Abkehr der Königsbronner klar. Die Gestapo witterte hinter jedem Arbeitskollegen Elsers einen Mittäter. „Man packte und schüttelte mich durch. Ich hatte solche Angst, dass ich schier in die Hose machte...“, berichtete einer von ihnen. Auch andere, die Elser kannten, wurden von der Gestapo als Mitwisser verhaftet und zum Teil durch Folter verhört.

In neuen Dokumenten wird auch Christoph von Dohnanyi zitiert – Sohn des 1945 am gleichen Tag wie Elser erschossenen Widerstandskämpfers Hans von Dohnanyi. Der 15-Jährige fand in der zerbombten Gestapo-Zentrale in Berlin Akten über Georg Elser. Diese musste er jedoch auf „Befehl“ seiner entsetzten Mutter sofort vernichten.

Bemerkenswert: Die bundesdeutsche Justiz stufte noch Mitte der 50er-Jahre die versuchte Tötung Hitlers als kriminelles Delikt ein. Erst mit der Auffindung der Gestapo-Verhörprotokolle war der Weg zur unumstrittenen Anerkennung Georg Elsers als Widerstandskämpfer geebnet. Für die Königsbronner aber war Georg Elser längst zum Trauma geworden. Nach 50 Jahren begann auch bei ihnen die Rehabilitierung und das Gedenken an den einstigen Mitbürger.

Finissage der Ausstellung „Allein gegen Hitler“

Anlässlich des Internationalen Auschwitz-Gedenktages wird am Freitag, 27. Januar, ab 19 Uhr an den Königsbronner Hitler-Attentäter Georg Elser in der Aalener Stadtkirche (Alter Kirchplatz 11) gedacht. Es gibt es eine Finissage der Ausstellung „Georg Elser - Allein gegen Hitler“. „Szenische Lesung mit Musik - Eine Collage aus dem Verhörprotokoll Elsers und Liedern des Widerstands“.

Ausführende sind das Ensemble „freywolf“: Klaus-Peter Preußger und Engelbert Frey, Joachim Ziller, Hartmut Schmitt-Wolf und Martin Sandel. Pfarrer Bernhard Richter wird die Veranstaltung eröffnen und Oberbürgermeister Frederick Brütting Grußworte sprechen.

Zurück zur Übersicht: Aalen

Kommentare