Gemeinde stimmt der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare zu

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Zwei Männer oder zwei Frauen, die heiraten, können in der evangelischen Kirchengemeinde Unterkochen-Ebnat vielleicht bald den kirchlichen Segen dazu bekommen. Symbolfoto: pixabay

Wenn der Kirchengemeinderat zustimmt, wäre die Kirchengemeinde Unterkochen-Ebnat die erste im Kirchenbezirk, die das möglich macht.

Aalen-Unterkochen/Ebnat

In Bezug auf das Segnen von homosexuellen Paaren ist die evangelische Kirchengemeinde in Unterkochen-Ebnat tolerant. Bei der Gemeindeversammlung in der Friedenskirche haben zumindest die neun anwesenden Gemeindemitglieder nichts dagegen einzuwenden, dass Pfarrer Manfred Metzger, sollte der Kirchengemeinderat zustimmen, zukünftig Schwule und Lesben segnet.

Der Oberkirchenrat kann dann, nach positivem Abstimmungsergebnis des Kirchengemeinderats – worin Metzger keine Probleme sieht, eine Segnung offiziell genehmigen. Und damit wäre die Kirchengemeinde Unterkochen-Ebnat die erste Gemeinde im Kirchenbezirk, die gleichgeschlechtliche Paare offiziell segnen darf.

Bereits seit drei Jahren gehört die Kirchengemeinde der "Initiative Regenbogen" an, die sich für die volle Gleichberechtigung gleichgeschlechtlicher Paare in der evangelischen Landeskirche einsetzt. In seinen Ausführungen stellt Manfred Metzger wissenschaftliche Aspekte biblischen Aussagen zu dieser Thematik gegenüber. Er erzählt dabei die Geschichte eines Betroffenen, der von der Homosexualität "befreit", sogar evangelikal eingesetzt wurde, später aber wieder mit einem Mann eine Beziehung einging. Oft fragen sich Eltern, so Metzger, ob sie bei der Erziehung etwas falsch gemacht hätten oder ob man an Homosexualität etwas ändern könne.

Es geht in der Sache doch um Menschen, Liebe und Glaube.

Mitglied der Kirchengemeinde bei der Gemeindeversammlung

Er betont, dass man so geschaffen sei, wie man ist und dass man nicht schwul oder lesbisch gemacht werden könne. Weder durch den Einfluss schwuler, leiblicher Brüder noch durch Erziehung. "Das ist wie bei den Rechts- oder Linkshändern", so Manfred Metzger. Umerziehen funktioniert nicht. Und Luther habe die Ehe schließlich als "weltlich Ding" gesehen – und da sei es mittlerweile normal, dass sich auch Oberhäupter dazu bekennen.

Der Wissenschaft gegenüber steht jedoch die Bibel, wobei Metzger deutlich macht, dass er selbst beides miteinander verknüpfen kann. Jesus mache beispielsweise keine Aussagen über gleichgeschlechtliche Paare. Als Christ könne man biblische Texte unterschiedlich auslegen. Bei den Kritikern würde beispielsweise oft das dritte Buch Mose, Kapitel 18, angeführt. Auch die Geschichte von Sodom und Gomorrha, allerdings ginge es dabei um sexuellen Missbrauch – und der ist niemals richtig. In der Kirche müsse man stattdessen die Nächstenliebe im Auge behalten.

Eine Segnung, so Pfarrer Metzger, heiße ja, Gott wünscht Wohlergehen. Und zur Frage, ob die Homosexualität eine schlimmere Sünde sei als andere Sünden, gibt der Geistliche gleich selbst die Antwort: Wir sind alle Sünder. Und ein Kirchenmitglied meint dazu: "Es geht in der Sache doch um Menschen, Liebe und Glaube."

Der Beschluss der Landessynode

Gleichgeschlechtliche Paare äußern den Wunsch nach kirchlichem Segen, heißt es auf der Homepage der evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Nach Beschluss der Landessynode vom März 2019 ist ein Segnungsgottesdienst für gleichgeschlechtliche Paare seit Januar möglich. Doch nicht jede Kirchengemeinde bietet Segnungsgottesdienste an. Die Gemeinde Unterkochen-Ebnat wäre die erste im Kirchenbezirk Aalen, wenn der Kirchengemeinderat zustimmt.

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