Hochsaison für Motorradfahrer: So kontrolliert die Polizei Biker

  • Weitere
    schließen
  • schließen

Kein TÜV oder fast 30 Kilometer pro Stunde zu schnell – was Verkehrspolizisten bei ihren Motorradkontrollen erleben und wie sie dabei vorgehen.

Rainau-Buch/Hüttlingen-Niederalfingen

Das sonnige Wetter nutzen viele Motorradfahrer für eine Tour durch den Ostalbkreis. Im Einsatzgebiet des Polizeipräsidiums Aalen kamen im vergangenen Jahr jedoch 26 Menschen bei Unfällen, an denen Motorradfahrer beteiligt waren, zu Tode. Darum ist die Verkehrspolizei an diesem Sonntag mit Lasergerät und Winkkelle unterwegs.

Polizeihauptkommissar Otto Hogenfeld leitet den Einsatz. "Das ist heute eine vergleichsweise kleine Kontrolle", sagt er. Verkehrsüberwachungen seien eine Maßnahme, um Unfälle und ihre Folgen zu reduzieren. Dieses Mal nimmt das Team besonders Motorradfahrer unter die Lupe. Mit drei Kollegen postiert es sich erst auf der B290 am Bucher Stausee, später im Kochertal bei Niederalfingen. Darüber hinaus wird es von zwei Kollegen in Gmünd unterstützt.

Gegen 10.30 Uhr beginnt die Kontrolle: Hogenfeld und sein Kollege Martin Werner überwachen das Display des Lasergeräts in einer Parkbucht an der B290. Ist ein Fahrzeug schneller als die hier zulässigen 100 Kilometer pro Stunde, funken die beiden Polizisten ihre Kollegen Heiko Eberhard und Rainer Kessler an. Diese ziehen den jeweiligen Fahrer dann wenige hundert Meter weiter aus dem Verkehr.

Meistens technische Verstöße

Unabhängig von der Geschwindigkeit kontrollieren Eberhard und Kessler die Motorradfahrer auch allgemein. Dass diese Kontrollen begründet sind, zeigt sich schnell: Führerschein und Fahrzeugpapiere des kontrollierten Bikers sind in Ordnung – doch der TÜV ist seit zwei Jahren überfällig. Sowas sei jedoch eher unüblich, wie Eberhard erläutert: "Technische Verstöße sind häufiger." Das seien beispielsweise bearbeitete Schalldämpfer oder unzulässige Bremshebel.

Auf der B290 bleibt es ruhig. Am Nachmittag verlagert das Team die Kontrollen daher ins Kochertal bei Niederalfingen. Die Geschwindigkeitsbegrenzung liegt hier bei 60 Kilometern pro Stunde. Schließlich geht ein Funkspruch bei Eberhard ein: Ein Motorradfahrer wurde mit 90 Kilometern pro Stunde gelasert. Er zeigt sich sofort reumütig. Seit etwa 13 Jahren fahre er unfallfrei Motorrad. "Ich weiß, dass man sowas nicht macht. Heute war ich irgendwie in Gedanken", sagt er.

Wenn er Glück hat, greift das alte Bußgeldregister: Derzeit steht im Raum, den neuen Katalog wieder zu mildern. In diesem Fall würde der Fahrer einen Punkt und einen Bußgeldbescheid in Höhe von 80 Euro erhalten. Greift der neue Katalog, erhält er ein einmonatiges Fahrverbot. "Jetzt kann ich das Fahren erst mal nicht mehr genießen", sagt der Fahrer. Eberhard versucht ihn aufzuheitern. Ihm sei es wichtig, den Bürgern auf Augenhöhe zu begegnen: ,,Selbst wenn einer zu schnell ist, reißen wir ihm ja nicht den Kopf ab."

Ein ruhiger Kontrolleinsatz

Kurz danach müssen die Beamten den nächsten Verstoß aufnehmen: Ein Pkw wurde mit einer Geschwindigkeit von 92 km/h gelasert. Auch wenn an diesem Tag Motorradfahrer im Fokus der Kontrolle stehen, kommen auch zu schnelle Autofahrer nicht ungestraft davon.

Gegen 16 Uhr endet der Einsatz. Die Kollegen aus Gmünd haben am Vormittag zwei Geschwindigkeitsüberschreitungen festgestellt, wie Hogenfeld erzählt. Dann seien sie zu einem anderen Einsatz gerufen worden. Ein schwerer Verkehrsunfall – bei dem drei Motorradfahrer verunglückt sind (siehe Seite 14).

Insgesamt verlief der Einsatz vergleichsweise ruhig. "Im Bereich der Kontrollstation haben sich die meisten Fahrer verkehrsgerecht verhalten", so Hogenfeld. Freilich hatten sich die Fahrer teils mit Handzeichen und Lichthupe gegenseitig vor der Kontrolle gewarnt. "Doch die vorbeugende Wirkung der Kontrolle ist gegeben."

Zurück zur Übersicht: Aalen

WEITERE ARTIKEL