Katholiken stellen sich gegen Diözese

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Maren Rieger, Heike Brucker und Martina Meinert (v.l.) haben die Aktion #Hans muss bleiben gestartet und 100 Statements mit Argumenten für den Verbleib Hans-Christian Richters in Aalen erhalten.
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Pastoralassistent Hans-Christian Richter muss nach seiner Ausbildung Aalen verlassen. Die katholische Kirchengemeinde Aalen startet deshalb die konzertierte Aktion „#Hans muss bleiben“.

Aalen

In der katholischen Kirchengemeinde Aalen brodelt es. Kollektiv werden Briefe nach Rottenburg geschickt. Das pastorale Team, Ehrenamtliche und Gemeindeglieder schreiben an Bischof Dr. Gebhard Fürst ebenso wie an den für Personalfragen zuständigen Domkapitular Paul Hildebrand. Und drei in der Kirchengemeinde engagierte Frauen starten die Aktion „#Hans muss bleiben“.

Was steckt dahinter? Der beliebte und äußerst engagierte Pastoralassistent Hans-Christian Richter – nicht zu verwechseln mit dessen evangelischen Kollegen Pfarrer Bernhard Richter – muss nach Ausbildungsende Aalen verlassen, geht es nach den Regeln der katholischen Kirche im Land.

„Auf diese Weise lernen die Berufsanfängerinnen und -anfänger sich auf neue Herausforderungen einzustellen und gewinnen Berufserfahrung“, sagt Eva Wiedemann, Pressesprecherin der Dözese auf Anfrage. Von diesem obligatorischen Wechsel seien alle Pastoralassistenten nach ihrer Ausbildung betroffen.

Doch dagegen wehren sich die Aalener Katholiken kreativ. Sie machen einen Aufruf im Internet – auf Facebook und auf Instagram, sammeln Statements von Menschen aus den drei Gemeinden St. Bonifatius, Salvator und St. Maria, von Ehrenamtlichen und vom pastoralen Team. Die Statements zeigen, was Richter, der seit gut zweieinhalb Jahren seinen Dienst als Pastoralassistent in der hiesigen Gemeinde leistet, den Aalenern „wert“ ist.

Die schätzen die Arbeit des gebürtigen Hamburgers enorm. „Hans-Christian Richter hat in unsere Gemeinde Leben gebracht“, betont Heike Brucker, neben Martina Meinert und Maren Rieger eine der drei Initiatorinnen der Aktion „Hans muss bleiben“. Der 29-jährige Theologe, der in Frankfurt und Tübingen studiert hat, ist neue Wege gegangen. Schon vor der Pandemie hat er für Jugendliche das Gottesdienstformat #song4u“ initiiert, bei dem immer ein aktueller Charthit im Mittelpunkt der kirchlichen Feier steht. „Die Jugendlichen gestalten den inzwischen coronabedingten Online-Gottesdienst in der Augustinuskirche nahezu selbstständig“, sagt Heike Brucker. Anerkennung zollt sie auch Richters Aktion eine Postkarte für jeden seiner Schüler oder dem Online-Impuls „Auf ein Wort“.

Die Initiatorin hofft auf über 100 Statements, die sie Rottenburg übergeben will – damit Richter nach seinem Ausbildungsende die freie Stelle in der Aalener Gemeinde erhält.

Eine Auswahl an Statements aus der Gemeinde

Hans muss bleiben,

...weil er wichtig für die Jugendlichen in der Gemeinde ist und sie für den Glauben motivieren kann. Iris, 61

...weil auch die ältere Generation von ihm begeistert ist . Er macht seine Sache super gut. Mal was anderes und nicht so konservativ. Marita, 69

... weil er die Social Media Kanäle leitet und ich so immer auf dem neuesten Stand bin. Antonia, 14

... weil er Glauben lebendig und glaubhaft vermitteln kann und dazu viele kreative Ideen hat. Christine, 53

Kirche mit zu starren Regeln - ein Kommentar von Ulrike Schneider

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