Keine Corona-Prämie für DRK & Co.

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Schutzanzüge, Handschuhe, Masken – die Rettungsdienstler des DRKs und anderer Rettungsdienste mussten hohe Schutzmaßnahmen einhalten, trugen ein hohes Risiko. Trotzdem sollen sie die staatliche Prämie nicht bekommen. Symbolfoto: Oliver Giers
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Warum das staatliche Zusatzgeld in der Krise die Beschäftigten im Gesundheitsdienst spaltet. Der Ostalb-Kreistag entscheidet: Klinik-Personal in der Region soll nicht leer ausgehen.

Ostalb

Ein Schlag ins Gesicht für Matthias Wagner, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands Aalen: Rettungsdienstler und Ersthelfer werden von der vom Staat angekündigten Corona-Prämie nicht berücksichtigt. "Dabei sind es genau diese Kräfte, die mit Covid-19 direkt in Kontakt kamen", sagt er. Trotz einer "eindringlichen" Bitte an Gesundheitsminister Jens Spahn solle es keine finanzielle Entlohnung für die Dienste von DRK & Co. geben.

Die Prämie richte sich dagegen an Pflegekräfte in Altenheimen, da diese vergleichsweise wenig verdienten. "Das verstehe ich nicht", sagt Wagner. In den Heimen unter seiner Schirmherrschaft habe es keine Corona-Fälle gegeben, weder beim Personal, noch bei den Bewohnern. Trotzdem belohne der Staat die Mitarbeiter im Pflegewesen mit der Prämie von bis zu 1500 Euro. Anders ist es bei den Rettungskräften im Außeneinsatz: "Da hatten wir tatsächlich Kräfte, die sich angesteckt haben." Trotz des Risikos der Ersthelferinnen und Ersthelfer werden diese von der staatlichen Corona-Prämie nicht berücksichtigt.

Nicht ohne Verluste

Einer der Rettungssanitäter, die sich angesteckt hatten, ist DRK-Mitarbeiter Helmut Gentner. Über sechs Wochen waren er und weitere Kollegen des DRK an vorderster Front im Kampf gegen das Virus. Ging ein Notruf beim DRK ein, so wurde ein Rettungwagen alarmiert, um erkrankte Patienten mit Verdacht auf Covid-19 ins Krankenhaus zu bringen.

"Wir machen das gerne", sagt Gentner, dabei nehme man auch Einschränkungen, wie durch Schutzausrüstung erschwerte Arbeit, in Kauf. "Trotzdem keine einfache Zeit", erinnert er sich. Denn nicht selten wartete nach dem einen schon der nächste Patient auf die Rettungsdienstler. Oft mussten die Notfallsanitäter die Patienten aus dem zweiten oder dritten Stock in das Fahrzeug tragen. "Da kamen auch die Mitarbeiter an ihre körperlichen Grenzen." Zwischen den einzelnen Einsätzen mussten Gentner und seine Kollegen das Fahrzeug jedes Mal penibel desinfizieren.

"Am Anfang gab es Jubel" für die Dienste von DRK & Co. Im weiteren Verlauf der Pandemie habe die Aufmerksamkeit immer weiter abgenommen. "Da macht man sich schon Gedanken", sagt Gentner. Für ihn müssen es keine 1500 Euro sein, "aber wir hätten schon gern eine monetäre Anerkennung." Ihm ist klar, dass Bund und Länder nicht bedachtlos Geld ausgeben können. "Es würde uns aber freuen, wenn es in der Politik ein Umdenken geben würde."

Prämie in Krankenhäusern?

Da hatten wir tatsächlich Kräfte, die sich angesteckt haben.

Matthias Wagner Kreisgeschäftsführer DRK-Aalen

Doch nicht nur Rettungsdienstler gehen leer aus. Auch das Pflegepersonal in Krankenhäusern wird nicht von der staatlichen Prämie berücksichtigt. "Das finde ich überhaupt nicht in Ordnung", sagt Sylvia Pansow, Vorstandsmitglied der Kliniken Ostalb. "Man kann nicht den einen 1500 Euro zahlen und den Rest vergessen."

Sie teilt die Vermutung von DRK-Chef Wagner, dass Altenpflegekräfte die Prämie aufgrund des geringeren Einkommens erhalten. Um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ostalbklinikums trotzdem zu belohnen, gebe es für die Angestellten eine Schichtzulage von 40 Euro brutto, finanziert aus dem Kliniketat. "Aber nur für die, die eine ganze Schicht mit Corona in Kontakt waren", erklärt Pansow. Die Schichtzulagen für die Angestellten zahle die Klinik aus eigener Tasche. In der Sitzung des Kreistags am Dienstag schlugen Pansow und ihre Vorstandskollegen eine Prämie von 500 Euro für jede Angestellte und jede Pflegekraft im Pflegedienst und der Notfallambulanz sowie Pflegekräfte aus den Bereichen Anästhesie und OP vor. Bei der Zahlung ebenso berücksichtigt werden sollen Reinigungskräfte in der Hausreinigung und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Bettenzentrale. Diese Prämie soll vom Ostalbkreis mit 750 000 Euro finanziert werden und den entsprechenden Angestellten der Kliniken Ostalb zugutekommen. Die Kreisräte stimmten dieser Prämie in der Sitzung des Kreistags am Dienstag einstimmig zu. Auf Vorschlag von Karl Hilsenbek (Freie Wähler) will die Kreisverwaltung prüfen, ob der Bund dieses Geld dem Landkreis zurückbezahlt.

Das sagt Kiesewetter

Bundestagsabgeordneter Roderich Kiesewetter (CDU) sieht ein Problem in der Ankündigung der staatlichen Prämie. "Dies hat bei vielen Pflegekräften Hoffnung geweckt." Umso größer sei nun die Enttäuschung vieler, die leer ausgehen.

Kiesewetter bezweifelt, dass Rettungsdienstler möglicherweise von einer zweiten Prämie berücksichtigt werden. Auch Beschäftigte anderer Branchen, wie zum Beispiel Fernfahrer oder Supermarktmitarbeiter, hätten in der Krise Mehrarbeit leisten müssen. "Dann müssten ehrlicherweise sämtliche Branchen betrachtet werden."

Kiesewetter bestätigt den Verdacht von DRK-Chef Wagner: Minister Spahn habe die Prämie absichtlich nur für Altenpfleger konzipiert. "Bundesweit verdient ein Altenpfleger im Durchschnitt knapp 600 Euro weniger als ein Krankenpfleger", sagt Kiesewetter. Mit der Prämie solle diese Ungleichheit teilweise angegangen werden. Trotzdem sagt er: "Pauschale Prämien sind grundsätzlich nie gerecht."

Pflegekräfte erhalten nicht zwangsläufig 1500 Euro

"Alle Beschäftigten in der Altenpflege, die im relevanten Zeitraum und Umfang im Jahr 2020 hauptsächlich in der direkten Pflege und Betreuung arbeiten, können den Betrag von bis zu 1500 Euro erhalten", teilt das Bundesgesundheitsministerium auf seiner Homepage mit. Bei der Stiftung Haus Lindenhof zum Beispiel bekommen alle Mitarbeiter die Prämie. "Dies erstreckt sich jedoch nur auf den Bereich der Altenhilfe, nicht auf den Bereich der Behindertenhilfe", sagt Katharina Stumpf, Pressesprecherin der Stiftung. Grundlage dafür sei aber, dass Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Zeit von 1. März bis 31. Oktober für drei Monate in einer Einrichtung der Stiftung oder einer Pflegeeinrichtung eines anderen Trägers arbeiten oder gearbeitet haben. Erst dann gebe es die Prämie von bis zu 1500 Euro. Der genaue Betrag ergebe sich aus Qualifikation und Art der Tätigkeit. Dabei werde nicht unterschieden, "ob eine Pflegekraft in einem speziell ausgewiesenen Coronabereich tätig war oder nicht". err

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