Kitas treiben Zahlen nach oben

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  • Janika Debler
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Ab Donnerstag gelten im Landkreis Verschärfungen, weil die 100er-Marke überschritten wurde. Dennoch ist noch nicht klar, wie es mit dem Handel weiter geht. 

Aalen. Der Führungsstab Corona im Aalener Landratsamt unter Vorsitz von Landrat Dr. Joachim Bläse hat am Montag das Infektionsgeschehen im Ostalbkreis detailliert analysiert. Anlass war die an drei aufeinanderfolgenden Tagen überschrittene 7-Tage-Inzidenz von 100. Dabei wurden vor allem die Neuinfektionen in Betrieben, Schulen und Kindertageseinrichtungen betrachtet. Damit die Ergebnisse der Bund-Länder-Schalte noch berücksichtigt werden können, wird die Landkreisverwaltung am Dienstag, 23. März, die Überschreitung der 100er-Marke amtlich bestätigen. Somit treten die in der Corona-Verordnung des Landes genannten Maßnahmen dann am Donnerstag, 25. März, in Kraft.

Problem Kitas: "Eine Herausforderung" stellten die Kindertageseinrichtungen dar, heißt es aus dem Landratsamt. Alleine im Laufe des März, also innerhalb der letzten drei Wochen, gab es in Kitas Corona-Fälle in 26 Einrichtungen, davon zwei größere Ausbrüche – in Neuler und in Schwäbisch Gmünd. Infiziert waren in Kitas insgesamt 24 Erzieherinnen und 31 Kinder allein im März. Dort wird eine "Beschleunigung" festgestellt. Die Auswirkungen: Weil in den Kitas keine Abstände eingehalten werden können und keine Masken getragen werden, müssen bei einzelnen Positivfällen ganze Gruppen in Quarantäne. Oft finde dann über den Weg der Familien eine Ansteckung von Geschwisterkindern statt, die wiederum andere Einrichtungen besuchen. Wegen des zunehmenden Anteils von Virus-Varianten ist das Ansteckungsrisiko zudem höher, heißt es aus dem Landratsamt.

Keine generelle Kita-Schließung: "Angesichts von knapp 270 Kindertageseinrichtungen im Kreis wären generelle Schließungen nicht verhältnismäßig. Dennoch müssen wir die Kitas beobachten und gemeinsam mit den Trägern nachjustieren", kündigt der Landrat an. Mit den Städten und Gemeinden will Bläse diesen Dienstag deshalb zunächst die von der Kreisverwaltung angedachten Maßnahmen vor Veröffentlichung besprechen. Geplant seien diese als "Vorstufe", die möglichst einvernehmlich mit den Einrichtungsträgern umgesetzt und zunächst nicht vom Landkreis förmlich angeordnet werden sollen.

Gute Nachrichten – Pflegeheime durchgeimpft: Nach dem vergangenen Wochenende haben mobile Impfteams mittlerweile alle Bewohnerinnen und Bewohner in Altenpflegeeinrichtungen geimpft, berichtet das Landratsamt. Nachimpfungen von erst kürzlich in Einrichtungen untergebrachten Personen laufen laut Landratsamt oder seien in Planung. "Damit ist das Infektionsgeschehen in unseren Altenheimen eingedämmt, was mich sehr zuversichtlich stimmt", erklärt der Landrat. Größere Ausbrüche seien derzeit nicht mehr zu verzeichnen, "sodass die Heime keinen nennenswerten Anteil an den steigenden Infektionszahlen haben".

Unternehmen gerüstet: Auch "in den allermeisten Unternehmen" herrsche ein gutes Hygiene- und Arbeitsschutzmanagement bis hin zu regelmäßigen Testungen der Arbeitnehmer, berichtet Bläse. Deshalb komme es dort "nur in einzelnen Betrieben zu Infektionen in größerem Umfang, die aber schnell und erfolgreich eingedämmt werden konnten".

Weiterführende Schulen: Ebenso kann bei Auftreten von einzelnen Infektionsfällen in den weiterführenden Schulen, also den 5. und 6. Klassen und den Abschlussklassen, die Präsenzunterricht haben, das Geschehen schnell eingedämmt werden. Dies unter anderem deshalb, weil Masken getragen werden, was ab sofort auch an den Grundschulen Pflicht ist.

Auswirkungen auf Handel und Gastronomie? Bläse rechnet damit, dass im Ostalbkreis voraussichtlich ab diesen Donnerstag "auch nur die ohnehin vom Land in der Corona-Verordnung genannten Beschränkungen bei einer Inzidenz über 100 kommen" werden. Weil aber in der Bund-Länder-Schalte inzidenzabhängige Ausgangssperren sowie Regelungen für den Einzelhandel und die Gastronomie in der Diskussion sind, hofft Bläse auf positive Regelungen für letztere, "die der Landkreis womöglich im Vorgriff auf eine Landesregelung per Anordnung festlegen könnte".

Das sagen die Schulen: Die Schulen seien nicht die Infektionstreiber, sagt Michael Weiler, geschäftsführender Schulleiter der Aalener Gymnasien. Zumindest an den Aalener Gymnasien gebe es keine größeren Coronaausbrüche. Und die Schnelltests zeigen: "In der Schule wurde kein anderer angesteckt." Das Infektionsrisiko sei nicht so hoch, wie in den Kitas, wo die Kinder "rumwuseln", keine Maske tragen und keinen Abstand halten können. Bei den ständigen Änderungen immer "up to date" zu bleiben, sei aber auch für die Schulleiter keine leichte Aufgabe, erklärt Weiler. Seit diesem Montag müssen alle Schülerinnen und Schüler eine medizinische Maske tragen. Aus Weilers Sicht sei die Umstellung auf die medizinischen Masken jedoch kein Problem. Die meisten Schüler hätten sowieso schon seit einigen Wochen eine medizinische Maske getragen. Ganz neu ist die Maskenpflicht dagegen für die Grundschüler. In den sozialen Medien wird viel darüber diskutiert und zeigt: Für einige Eltern ist die Maskenpflicht ein Grund ihre Kinder zuhause zu lassen. Wolfgang Schmidt, Elternbeiratsvorsitzender, hat Verständnis dafür. Immerhin seien die Grundschüler meist im Ganztagsmodus stundenlang in der Schule. Was jedoch alle Eltern beschäftige: "Wie soll es nach Ostern weitergehen?" Der mögliche Wechselunterricht für die Klassen 5 und 6 ist in Aalen derzeit kein Thema. "Keine weiterführende Schule unterrichtet im Wechselunterricht", teilt Karin Haisch, Pressesprecherin der Stadt Aalen mit. Die Kapazitäten – sowohl räumlich, als auch personell – seien da, erklärt Weiler. Für die anwesenden Klassenstufen haben sich zumindest alle drei Gymnasien für ein Modell entschieden: Die Klassen werden jeweils auf zwei Klassenzimmer aufgeteilt. "Somit ist der Mindestabend gewährt", sagt der geschäftsführende Schulleiter. Entweder betreue dann eine zweite Lehrkraft die Schüler, oder der Lehrer wechsele im 20- bis 30-Minutentakt hin und her. Sollte es zum Wechselunterricht kommen, wird laut Haisch in jedem Fall wieder eine Notbetreuung für die Kinder angeboten werden, die nicht im Unterrichtsmodus sind.

Die Stadt  und ihre Kindertagesstätten: Sollte es nun entgegen der bisherigen Pläne des Landratsamtes zu einer Schließung der Kinderbetreuungsstätten kommen, versichert Stadtsprecherin Karin Haisch, dass "auf das bewährte Notbetreuungskonzept" zurückgegriffen werden könne. Die Stadtverwaltung sei es gewohnt, kurzfristig auf die Verordnungen des Landes zu reagieren und mit Trägern sowie Eltern und Betreuungspersonal die geltende Verordnung umzusetzen. Die schnelle Ausbreitung des Virus hat jedoch auch einige Eltern dazu gebracht ihre Kinder präventiv aus der Kita zu nehmen.

Das sagen die Händler: "Miserabel" sei die Stimmung im Aalener Einzelhandel berichtet auf Anfrage der Aalener Citymanager Reinhard Skusa: "Die Befürchtung ist groß, dass jetzt wieder Handel und Gastronomie die Leidtragenden sind", sagt Skusa und weiter: "Wir müssen schließen, während sich die Menschen bei Aldi tottrampeln." Auch der Vorsitzende des Aalener Innenstadtvereins ACA, Josef Funk, verlangt andere Strategien als Schließungen. Konzepte wie "Click & Meet", das Einkaufen nach Terminvereinbarung, brächten immerhin etwas an Umsätzen zurück. Funk fürchtet, dass diese Möglichkeiten nun wieder genommen werden sollen. Skusa denkt, dass ein ähnliches Konzept wie in Tübingen in Aalen machbar wäre: Die Menschen testen und, wenn sie Corona-frei getestet sind, in die Geschäfte und Lokale lassen. "Wir können vier bis fünf Testzentren einrichten, das ist kein Problem", sagt er.

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