Kontrollaktion: Polizei schnappt sich "Poser" in Aalen

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Wen die Polizei ins Visier nahm, der musste anhalten. Das Fahrzeug wurde inspiziert - gegebenenfalls bei der DEKRA.
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Bei einer Aktion am Freitagabend haben sich Beamten die „Poser-Szene“ vorgeknöpft. Fahrer und deren Väter wurden zur Kasse gebeten.

Aalen. Sogenannte „Poser“ und ihre getunten Fahrzeuge hat die Polizei  am Freitagabend in der Innenstadt gezielt mit einer Kontrolle  ins Visier genommen. Dabei wurden eine ganze Reihe an Verstößen an „aufgemotzten“ Autos festgestellt.

„Technisch manipulierte Fahrzeuge, getunte Modelle, die meist zu laut sind, sind heute das Ziel der Kontrollen“, sagt der Leiter des Verkehrsdienstes Aalen und der Kontrollstelle, Achim Pfeifer, zur Absicht seiner Einheit. „In Aalen gibt es eigentlich noch keine Posing-Szene in dem Sinne, aber wir wollen eine solche eben auch verhindern.“

Und doch seien rund um die Innenstadt, vor allem auf der Osterbucher Steige und in der Wilhelm-Merz-Straße, abends getunte Fahrzeuge zu laut unterwegs. Das ergäben Beschwerdeanrufe von Anwohnern, aber auch Kontrollen, die er selbst vorgenommen habe.

So hatte Pfeifer mit seinen Beamten auf dem Parkplatz an der Wilhelm-Merz-Straße seine Kontrollstelle eingerichtet. Zwei Streifenmotorräder und zwei Zivilfahrzeuge sind in der Innenstadt unterwegs, um „auffällige“ Fahrzeuge zu suchen. Das können auch Fahrer sein, die „ihren“ Sound vorführen, gasgebend durch die Straßen fahren.

Zudem winkt ein Beamter an der Einfahrt Fahrzeuge in den Parkplatz. Dort erwarten fünf geschulte Beamte die Fahrzeuge. „Wir haben seit einiger Zeit ein 'Kompetenzteam Tuning' mit Kollegen, die Lehrgänge besucht haben.“ Zusätzlich steht der  Kfz-Sachverständige Samuel Oster von der Dekra bereit, dessen Fachkenntnisse schon bald zum Einsatz  kommen sollten.

Tiefergelegt und illegal

Denn bereits kurz nach dem Start der Aktion ist die Kontrollstelle gefüllt. Da steht ein VW-Golf mit spezieller Auspuffanlage und tiefergelegt. Die Beamten bezweifeln, dass alle Maßnahmen mit den Eintragungen in den Gutachten und Papieren übereinstimmen. Der junge Fahrer  ist der Erste, der zur Untersuchungsstelle der Dekra ins Industriegebiet geleitet wird. Oster nimmt dessen Fahrzeug dort unter die Lupe. 

Auffällig ein BMW, auch ihn untersuchen die Beamten genau, er darf aber letztlich nach rund 45 Minuten Kontrolle weiterfahren. Im Gegensatz zu einem jungen Fahrer mit einem in einer bekannten Tuning-Werkstatt „aufgemotzten“ Mercedes. Einige auffällige Teile sind wohl letztlich zugelassen und eingetragen, aber dem Beamten Richard Kläsges fällt an der Auspuffanlage ein Stift auf, der normalerweise  eine Klappe fixieren sollte, um den Lärm der Anlage zu regulieren – der ist eben nicht eingesteckt. Also ebenfalls ab zur Dekra. Dort wird das bestätigt, was eine empfindliche Strafe für den Halter, den Vater des Fahrers, nach sich ziehen wird.

Beanstandet werden neben den Tieferlegungen einiger Fahrzeuge auch nicht zugelassene Leuchtmittel in den Scheinwerfern. „Hier sind LED-Lampen in nur für Halogenbirnen zulässigen Scheinwerfern installiert“, erläutert Kläsges an einem Golf. Zudem scheint das Fahrwerk nicht ganz in Ordnung. Auch er muss zu Oster auf die Hebebühne. Dort bestätigt der den Punkt mit den LED-Leuchten, findet aber ein viel größeres Problem: „Der fährt keinen Meter mehr weiter“, sagt er. Denn beide Vorderreifen sind bis auf den Stahl auf der Innenseite abgefahren.

Papa muss neue Reifen bringen

„Wenn die Autos tiefergelegt werden, verschiebt sich die Stellung der Räder. Deshalb ist von den Herstellern der Teile eigentlich eine nachfolgende Fahrwerksvermessung vorgeschrieben, doch die wird oft nicht gemacht, weil sie kräftig kostet“, erläutert der Sachverständige.

Der Fahrer ruft seinen Vater an, der mitten in der Nacht die Winterreifen bringt. Nach dem Wechsel darf der junge Mann nach Hause fahren, die Betriebserlaubnis erlischt. Er muss zur Wiederzulassung beim Landratsamt eine Vermessung vorlegen – und eine Strafe bezahlen. 

Gleiches beim nächsten Fahrzeug, einem tiefergelegten BMW. Auch hier innen abgefahrene Vorderreifen, nicht so stark, aber eine fehlende Fahrwerksvermessung. Zudem eine neue Auspuffanlage, die „von einem Kumpel“ eingebaut wurde und mit nach unten abstehenden Schrauben die Bodenfreiheit auf unerlaubte Weise einschränkt. „Das muss geändert werden, sonst bleibt er stehen“, schickt Oster den jungen Mann nach Hause. Zur Wiedervorlage bei der Zulassungsstelle.

Geldstrafen und Stilllegungen

Die Bilanz der Kontrolle sieht so aus: Einige Geldstrafen und Umbauauflagen werden verhängt sowie drei vorläufige Stilllegungen.  „Eigentlich sollte eine solche Kontrolle im Sommer geschehen, aber die kleine Szene in Aalen ist jetzt gewarnt, sie werden hoffentlich vorsichtiger“, sagt Achim Pfeifer.

Gezielte Kontrollen an getunten Fahrzeugen standen Freitagnacht im Vordergrund. Fotos: Oliver Giers
Kfz-Sachverständiger Oster untersucht die Scheinwerfer. Foto: Jürgen Eschenhorn

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