Kreisel im Feuer der Kritik

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Weil die Ampel-Kreuzung am Fuße der Ebnater Steige zu Spitzenzeiten völlig überlastet ist, will die Stadt Aalen sie in einen Kreisverkehr umbauen.
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Warum die knappe Hälfte der Unterkochener Ortschaftsräte den am Fuße der Ebnater Steige geplanten Kreisverkehr ablehnt.

Aalen-Unterkochen

Aus Unterkochener Sicht ist er höchst umstritten, der geplante fünfarmige Kreisverkehr am Fuße der Ebnater Steige. Das spiegelte die Abstimmung im Ortschaftsrat: Nach langer und kontrovers geführter Diskussion war zwar am Schluss die Mehrheit (acht Ratsmitglieder) für die Fortführung der Planung. Sechs indes stimmten dagegen.

Das Thema hat Brisanz in Unterkochen: Rund 60 Zuhörer - zumeist Herren der älteren Generation - waren in die Festhalle Unterkochen gekommen, wo unter Einhaltung aller Corona-Regelungen eine öffentliche Präsenzsitzung stattfand.

Darum geht es: Die Stadt Aalen will die seither durch eine Ampel geregelte Kreuzung der Kreuzung Ebnater Straße/Heidenheimer Straße zu einem Kreisverkehr mit einem Durchmesser von 38 Metern umbauen. Das Verkehrsaufkommen dort ist sehr hoch. Aktuell, so Tiefbauamtsleiter Stefan Pommerenke, liegt es bei etwa 10 500 Fahrzeugen am Tag, Tendenz steigend. „Die Grenze der Leistungsfähigkeit der dortigen Ampel ist längst überschritten.“ Pommerenke spricht von einer überlasteten Kreuzung. Zu Spitzenzeiten könne in der Grünphase nicht ausreichend Verkehr abfließen. Pommerenke verdeutlichte, dass ein Kreisverkehr die Situation für Anwohner und alle Verkehrsteilnehmer verbessern würde: etwa durch die Verflüssigung des Verkehrs, durch sichere Querungshilfen für Radfahrer und Fußgänger, barrierefreie Übergänge, und neue barrierefreie Bushaltestellen. Zudem bessere der geplante Kreisverkehr mit angedockten Grünflächen künftig das Ortseingangsbild Unterkochens ordentlich auf.

Warum die Zeit drängt: Laut Ortsvorsteherin Heidi Matzik erhält die Stadt Aalen für diese Maßnahme Fördergelder in Höhe von 65 Prozent der Gesamtinvestition. Um diese Mittel abrufen zu können, müsse das Projekt Ende 2022 abgeschlossen sein. Matzik: „Weil der Bau an sich ein Jahr dauern wird, ist die Zeit eng getaktet.“ Dazu müsse ein Baubeschluss entweder noch vor der Sommerpause oder in der ersten Sitzung danach gefasst werden.

Anstoß der Kritik: „Ich würde das ungern im Zusammenhang mit der B29a oder der Nordumfahrung diskutieren“, betonte der Tiefbauamtsleiter. Fügte indes hinzu: „So ehrlich muss man sein: Wir bewegen uns mit dieser Verkehrsmaßnahme am Fuße der Ebnater Steige.“ Aus diesem Grund signalisiert dann die knappe Hälfte der Ortschaftsräte, der weiteren Planung des Kreisverkehrs nicht zustimmen zu wollen. Die Räte befürchten, damit automatisch eine Steilvorlage für den Ausbau der Ebnater Steige zu liefern.

Ulrich Starz (CDU) macht deutlich, dass ein Großteil seiner Fraktion dem geplanten Kreisverkehr skeptisch gegenüber steht. „Das halten wir für eine Salamitaktik, um dann über die Hintertür den Ausbau der Ebnater Steige voranzutreiben“, meinte er sinngemäß. Jede Verbesserung der Ebnater Steige verbessere ihre Haltbarkeit als Autobahnzubringer. „Und das ist ja das, was wir nicht wollen.“

Anton Funk (CDU) pflichtet ihm bei: „Wenn wir für den Kreisverkehr stimmen, wäre das der Einstieg, aber nicht der Ausstieg zum Ausbau des Albaufstiegs.“

Alexander Asbrock (Grüne) bezweifelt, dass ein Kreisverkehr den Lärm reduziere, zumal zukünftig mit der Ebnater Nordumfahrung und vor allem mit dem vierspurigen Ausbau der B29 noch mehr Verkehr über die Ebnater Steige fließen werde.

Johannes Thalheimer (FW) dagegen hat kein Problem damit, den Kreisverkehr losgelöst vom Albaufstieg zu diskutieren. „Der geplante Umbau der Kreuzung dient allein dem Zweck, die dort bestehende Verkehrsproblematik zu beseitigen“, machte er seinen Kollegen klar.

Martina Lechner (SPD) sieht den Kreiselbau ebenfalls als eine von der Albaufstiegsthematik losgelöste, separate Maßnahme.

Das halten wir für eine Salamitaktik.“

Ulrich Starz, CDU-Fraktionssprecher

Die Nerven liegen blank

Die Befürchtung, die viele Unterkochener mit dem Bau eines Kreisverkehrs am Fuße der Ebnater Steige verbindet, ist nachvollziehbar. Die Nerven liegen blank – spätestens seit in Ebnat mit dem Bau der Nordumfahrung begonnen wurde. Und wenn jetzt auch noch ein großer verkehrsverflüssigender Kreisel am Fuße der Ebnater Steige kommt, ist die Frage berechtigt: Was passiert dann demnächst mit dem Nadelöhr dazwischen, also mit der Ebnater Steige?

Dazu muss man wissen: Für die Ausbaustufe durch den Wald liegt noch überhaupt keine Planung – ja nicht einmal eine planerische Vorstellung vor. Was vorliegt, ist einzig der im Jahr 2015 bekräftigte Beschluss aus dem Jahr 2009, für eine sogenannte Trog-Lösung im unteren Teil der Ebnater Steige (bis etwa auf Höhe des Steinbruchs). Allerdings hat diese Planung in der Vergangenheit viele Fragezeichen aufgeworfen. Die Erschließung des benachbarten Wohngebiets und die neue Ebnater Steige müssten getrennt geführt werden. Daher hat die Stadt die Trog-Lösung zu Recht nicht mehr weiter verfolgt.

Der Antrag des Unterkochener Ortschaftsrats, die Ausbauplanung der Ebnater Steige zu stoppen, ist ein kluger Schachzug. Weil er für die Unterkochener Voraussetzung dafür ist, dem Kreisverkehr am Fuße der Ebnater Steige zustimmen zu können. Denn dadurch signalisiert Unterkochen klar und deutlich: Ja zum Kreisverkehr als reine verkehrstechnisch verbessernde Maßnahme. Aber nein zum Ausbau der Ebnater Steige!

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