KSK-Mitarbeiter streiken vor Zentrale

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"Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Kohle klaut", rufen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreissparkasse-Ostalb (KSK) am Donnerstagvormittag auf dem Sparkassenplatz.
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Etwa 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreissparkasse Ostalb nehmen am Warnstreik teil. Das sind ihre Forderungen.

Aalen. Das Sparkassengebäude in Aalen ist umzingelt, zumindest zur Hälfte. Knapp 120 Bankmitarbeiterinnen und -mitarbeiter haben am Donnerstagmorgen eine Menschenkette gebildet, um auf die aktuellen Tarifverhandlungen aufmerksam zu machen. Beschäftigte aus dem gesamten Kreis sind bei dem von Verdi organisierten Warnstreik vor Ort. Auf ihren Mund-Nasen-Masken prangt ein Wort: "Unverzichtbar".

Das fordert Verdi: Für die Beschäftigten bei Bund und Kommune soll es 4,8 Prozent mehr Geld geben, mindestens 150 Euro im Monat, und 100 Euro mehr für Azubis. 25 000 Tarifbeschäftigte im Verdi-Bezirk Ulm-Oberschwaben seien davon betroffen.

Bei den Sparkassenbeschäftigten sollen laut Verdi auch die Sonderzahlungen reduziert werden, darunter falle das Weihnachts-, Urlaubsgeld und Zulagen – sprich, das 14. Gehalt.

Die Stimmung auf dem Sparkassenplatz: "Wir sind hier, wie sind laut, weil ihr uns die Kohle klaut", rufen die Mitarbeiter am Donnerstag im Chor. "Wenn Seehofer sagt, dass niemand ein 14. Monatsgehalt braucht, glaubt er dann, dass unsere Jachten auf Grund gehen?", sagt Gewerkschaftssekretärin Ilka Ulrich. Dieses Gehalt lagere nicht mit anderen Goldsäcken im Keller. "Die Sonderzahlungen sind Bestandteil eures Einkommens, machen euch gleichwertig mit den Beamten im öffentlichen Dienst", erklärt sie. Am Sparkassentisch haben die Verantwortlichem "rumgejammert wie die Weltmeister", wie die Sprecherin sagt. Gleichzeitig habe der Sparkassen- und Giroverband Rekordzahlen veröffentlicht. "Für wie blöd halten die uns", ruft sie. Klar ist: Ein konkretes Angebot von den Arbeitgebern müsse her. Und: Die Sonderzahlung dürfen nicht geändert werden, wie Ilka Ulrich betont. Applaus auf dem Sparkassenplatz.

Für wie blöd halten die uns?

Ilka Ulrich Gewerkschaftssekretärin

Für Andreas Kapfer, Personalratsvorsitzender der Sparkasse, ist ein Tarifvertrag auch ein Generationenvertrag. "Hier sind viele junge Kolleginnen und Kollegen. Wenn die Sonderzahlung wegrutscht, ist der Damm gebrochen und weitere Brüche kommen. Das können wir uns nicht leisten", sagt er. KSK-Ostalb-Vorstandsvorsitzender Markus Frei habe ihm im Gespräch signalisiert, dass er gegen einen Eingriff in die Sonderzahlungen sei. "Das ist ein toller Zug", betont Andreas Kapfer. Trotzdem brauche es noch mehr Mitarbeiter auf der Straße. "Wo sind die restlichen 800?", fragt sich der Personalratsvorsitzende. "Mit Solidarität können wir Einschnitte verhindern." Applaus.

Das sagen KSK-Mitarbeiterinnen und -mitarbeiter: Benedikt Schönherr und Diana Fischer sind gemeinsam mit anderen Kollegen aus Unterschneidheim und Tannhausen nach Aalen gekommen. "Wir wollen unseren Arbeitgeber wachrütteln", sagt Benedikt Schönherr. Und Diana Fischer fügt an: "Wir haben während der Krise wochenlang alleine gearbeitet und alles gegeben, und nun wollen sie und auch noch die Sonderzahlungen streichen. Unsere Leistung wird nicht gewürdigt." Auch Katja Grafl erhofft sich von dem Warnstreik, dass das 14. Gehalt nicht gestrichen wird, wie die KSK-Aalen Mitarbeiterin sagt.

Ein 57 Jahre alter Mitarbeiter der KSK in Aalen, der namentlich nicht genannt werden will, sagt: "Ohne das 14. Gehalt fallen wir unter den Tisch. Wir bekommen zwar 14 Gehälter und nicht wie andere zwölf, doch wenn man unser Gehalt aufteilt, erreichen wir annähernd ein zwölf-Monats-Gehalt", erklärt der 57-Jährige. "Wir brauchen gute Leute und attraktive Löhne", sagt Stephan Eisele, der mit Kollegen aus Gmünd vor Ort ist. "Denn beim Gehalt geht es um Wertschätzung und Resepkt."

Warnstreik und Streik: der Unterschied

Ein Warnstreik unterscheidet sich vom regulären Streik, da es sich dabei laut Verdi um eine befristete Arbeitsniederlegung, die einige Stunden dauern kann, handelt. Warnstreiks seien ein "effektives Druckmittel", um gute Tarifstandards durchzusetzen.

Sind Warnstreiks erlaubt? Laut Gesetz sind sie das. Warnstreiks gelten demnach als Grundrecht. Jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer dürfe sich an einem Warnstreik beteiligen – ob gewerkschaftlich organisiert oder nicht. "Wer an einem Warnstreik teilnimmt, muss keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen befürchten. Arbeitgeber dürfen Warnstreikende nicht maßregeln und weder während noch nach der Arbeitsniederlegung kündigen", so die Gewerkschaft Verdi weiter. Auch Azubis dürfen sich demnach an Warnstreiks beteiligen, wenn diese außerhalb der Berufsschule starten.

Wenn Beschäftigte einem Streikaufruf der Gewerkschaft folgen, "werden die Hauptpflichten aus dem Arbeitsverhältnis suspendiert, das heißt, sie gelten für die Zeit des Streiks nicht", so die Verdi. Der Arbeitgeber müsse Zeiten des Streiks nicht bezahlen. Der Arbeitnehmer habe keine Arbeitspflicht.

Friedenspflicht – was bedeutet das? Während der Laufzeit eines gültigen Tarifvertrags ist die Gewerkschaft nicht berechtigt zu streiken, so Verdi. "Erst nach Ablauf der Kündigungsfrist endet die Friedenspflicht", schreibt Gewerkschaft Verdi.

Wie geht's nun weiter? Die dritte Tarifverhandlungsrunde ist am 22. und 23. Oktober in Potsdam geplant.

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