Küchenfertiges Steak auf Knopfdruck

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Andrea und Dietmar Wendel setzen mit ihrem neuen Warenautomat in der Oberalfinger Hirtengasse auf die Direktvermarktung lokaler Produkte. Ihr Damwildfleisch aber kommt nicht in den Automat.
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Das Ehepaar Wendel aus Oberalfingen vermarktet nicht nur Damwildfleisch aus eigener Zucht. Neu ist ihr Hofladen-Automat in der Hirtengasse mit Produkten lokaler Hersteller.

Aalen-Oberalfingen

Käse vom Rattstadter Milch- und Käsehof, Fleisch von Wasseralfinger und Westhausener Metzgern, Eier von Freilandhühnern in Seitsberg ... Wer vor dem neuen Warenautomaten in der Oberalfinger Hirtengasse 22 steht, den trennt nur ein Knopfdruck von der marinierten Grillwurst, dem küchenfertigen Steak, dem frischen Sonntags-Ei oder dem vom Metzger ums Eck lecker zubereiteten und frisch eingedosten Rinderbraten.

Mit diesem Hofverkauf-Automaten versorgt das Ehepaar Andrea und Dietmar Wendel seit Anfang April spontane Kundschaft mit regionalen Lebensmitteln lokaler Hersteller, unabhängig von Öffnungszeiten und Personal.

Rund um die Uhr frische Lebensmittel vom Bauernhof. Das bieten inzwischen viele landwirtschaftliche Betriebe mit Direktvermarktung als zusätzlichen Service an. Nur: Die Wendels haben ihren eigenen landwirtschaftlichen Milchbetrieb im Nebenerwerb bereits 2014 aufgegeben. 2012 ist der Vater dreier Söhne in die Damwildzucht eingestiegen.

Wer hier in dem Direktvermarkter-Häusle am landwirtschaftlichen Weg zwischen Oberalfingen und Attenhofen ein Stück Fleisch vom Damwild aus der Zucht der Wendels erwartet, wird enttäuscht. „Die Nachfrage der Kundschaft ist so groß, dass nichts mehr übrig bleibt für den Automaten“, sagt der gelernte Schreiner, der bei einem Rollladen-Hersteller in Oberalfingen arbeitet. Aber sein Herz gehört „dem Viech“. Ein Wort, das er genauso ausspricht, wie es hier geschrieben steht.

Aktuell 36 Zuchttiere

Aktuell grasen insgesamt 36 Damhirsche und Damtiere (so nennt man die Weibchen, Anm. d. Red.) auf der Wiese gegenüber dem Hofladen-Häusle. „Im Juni, wenn die Nachzucht da ist, werden es 50 bis 60 Tiere sein“, schätzt Dietmar Wendel. Von Mitte bis Ende September und von Ende November bis Mitte Dezember schießt er dann eineinhalbjährige Tiere aus dem Rudel heraus - jährlich seien das etwa 20 Stück.

Ein hofeigenes zertifiziertes Schlachthaus betreibt Wendel im Privatkeller seines Wohnhauses in der Hirtengasse 22. Er ist zwar kein gelernter Metzger. „Aber ich habe alle Schulungen vom Sachkundenachweis über Betäubungslehrgang bis zur Sachkunde für die Waffenbesitzkarte.“ Alles legal also, amtlich beglaubigt und kontrolliert von einem Veterinär.

Das Wild bricht der Familienvater dann gemeinsam mit seinem jüngsten Sohn Johannes auf. Der 17-Jährige ist im ersten Ausbildungsjahr zum Metzger. Sein Traum: Irgendwann einmal eine eigene Metzgerei betreiben, ohne Personal, den Verkauf von Fleisch- und Wurstwaren ausschließlich über einen Automaten regeln. Aber noch ist das Zukunftsmusik.

„Wir möchten bewusst langsam wachsen“, hält der Vater dagegen und meint sicher nicht nur die Damwildzucht. „Groß wird man gleich. Aber groß bleiben - das ist ein Problem.“

Wie Direktvermarktung per Automat funktioniert

Die Lieferanten des Hofladen-Automatens der Wendels in der Oberalfinger Hirtengasse 22: Familie Winkler aus Seitsberg (Eier von Freilandhaltung und Salatkartoffeln), Familie Beyrle aus Ebnat (Eier von Bodenhaltung), die Käserei Wiedenhöfer aus Rattstadt, die beiden Metzgereien Schirle aus Westhausen und Vetter aus Wasseralfingen mit Fleisch-, Wurstwaren und küchenfertig eingedosten Fleischgerichten.

Die Preise der angebotenen lokalen Produkte bewegen sich zwischen 2,90 für 10 Eier aus Bodenhaltung und 6 Euro für ein fertiges Fleischgericht.

Der Automat wechselt Banknoten bis einschließlich 20 Euro. Ansonsten steht auch ein Geldwechselautomat im Hofladen-Häusle.

Wie der Automat funktioniert: Geld einwerfen, auf den runden schwarzen Knopf drücken, bis das gewünschte Produkt nach vorne gedreht ist. „Nötig ist das nur dort, wo unterschiedliche Produkte zur Auswahl stehen. Also nicht bei Eiern und Kartoffeln“, erläutert Wendel. Auf den grauen Knopf drücken, damit die Klappe aufgeht, und die Ware entnommen werden kann.

Eine Liste aller Regionalvermarkter der Ostalb finden Sie im Internet aufgelistet unter: regionalvermarkter-ostalb.de/regionalvermarkter

Gegen den Einwurf von 1,20 Euro kann man sich im Hofladen-Häusle auch an Softeis bedienen.
Der Warenautomat ist bestückt mit Eiern, Kartoffeln, Fleisch, Wurst und Käse von lokalen Herstellern.
An der Abfahrt von der B29-Westumgehung Richtung Kellerhaus wird auf Wendels Hofladen-Warenautomaten hingewiesen. Auch Softeis gibt's dort.
Aktuell 36 Tiere zählt die Damwildzucht von Dietmar Wendel. Die Weide befindet sich direkt gegenüber des neuen Hofladen-Warenautomatens in der Hirtengasse 22 in Oberalfingen.

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